Afghanistan Viele Tote bei Anschlag auf Moschee in Kabul

Sie kamen während des Freitagsgebets: IS-Kämpfer haben eine vollbesetzte Moschee in Afghanistans Hauptstadt Kabul gestürmt. Mindestens 20 Menschen wurden dabei getötet, Dutzende verletzt.

Bergung der Opfer nach dem Anschlag auf die Moschee
REUTERS

Bergung der Opfer nach dem Anschlag auf die Moschee


In der afghanischen Hauptstadt Kabul sind bei einem Anschlag auf eine schiitische Moschee mindestens zwölf Menschen getötet worden. Das Innenministerium teilte am Freitag mit, es gebe zudem mehr als 40 Verletzte. Zu dem Attentat auf das Gotteshaus im Norden Kabuls bekannte sich die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS).

Unter den Toten seien zehn Zivilisten, sagte Nadschib Danisch, der stellvertretende Sprecher des Innenministeriums, der Nachrichtenagentur AFP. Außerdem seien ein Polizist und ein Mitglied einer Spezialeinheit getötet worden.

Der IS reklamierte den Anschlag für sich. Zwei mit Sprengstoffgürteln ausgerüstete Kämpfer hätten die schiitische Moschee angegriffen, hieß es in der Mitteilung, die über das Propaganda-Organ Amaq verbreitet wurde.

Mehr als vier Stunden nach den ersten Schüssen zur Mittagszeit (Ortszeit) dauerte der Polizeieinsatz noch an. Es sei eine "Aufräumoffensive" im Gange, sagte der Kabuler Polizeisprecher Basir Mudschahid. "Wir wissen nicht, ob die Angreifer tot sind oder sich irgendwo versteckt haben."

Seinen Informationen nach explodierten in der Moschee zwei Sprengsätze. Beobachter hatten aber auf sozialen Medien von weiteren Detonationen berichtet. Der afghanische Journalist Bilal Sarwary twitterte, die Polizei habe eine Seitenwand des Moscheegeländes gesprengt, um Menschen die Flucht zu ermöglichen.

Die Angreifer waren während des Freitagsgebets in die Moschee im normalerweise friedlichen und zentral gelegenen Wohnviertels Chair Chana eingedrungen. Zuerst hatte sich am Tor ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt.

In Afghanistan leben rund drei Millionen Schiiten. Sie wurden zuletzt wiederholt gezielt von IS-Kämpfern angegriffen.

Die Sicherheitslage in Kabul und in großen Teilen Afghanistans hat sich in den vergangenen Monaten drastisch verschlechtert. Bei einem weiteren Selbstmordanschlag auf eine schiitische Moschee in Herat waren Anfang August 33 Gläubige getötet und 66 verletzt worden. Im Juli wurden bei einem Doppelanschlag in Kabul mindestens 85 Menschen getötet und mehr als 400 verletzt. Zu beiden Attentaten bekannte sich die IS-Miliz.

als/dpa/AFP



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