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Afghanistan-Mission: Zahl deutscher Soldaten soll 2013 deutlich sinken

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Zwei Jahre vor dem angepeilten Ende der Afghanistan-Mission macht die Bundesregierung Tempo: Im neuen Mandat für die Bundeswehr peilt Berlin nach SPIEGEL-Informationen eine signifikante Reduzierung der deutschen Einheiten an. Der Abzug entpuppt sich mehr und mehr als logistische Herkules-Aufgabe.

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dapd

Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan: Logistisch wird der Abzug schwierig

Berlin - Die Bundesregierung hat sich auf einen ersten wichtigen Schritt für den Abzug aus Afghanistan verständigt. Die beiden zuständigen Minister Thomas de Maizière (CDU) und Guido Westerwelle (FDP) vereinbarten nach SPIEGEL-Informationen in den vergangenen Wochen in vertraulichen Gesprächen, die Zahl der in Afghanistan stationierten Bundeswehrsoldaten im Laufe des Jahres 2013 signifikant zu verringern.

So soll im neuen Mandat fur die Bundeswehr festgelegt werden, dass das deutsche Kontingent vor dem Abzug der Isaf-Truppen bis Ende 2014 auf deutlich unter 4000 Mann absinkt. Das aktuelle Mandat läuft Ende Januar 2013 aus, noch vor Weihnachten will die Regierung den neuen Mandatstext beschließen und dann dem Bundestag zur Beratung übergeben. Traditionell setzt die Koalition darauf, dass ein solches Mandat die breite Zustimmung im Bundestag finden soll.

Auch die Form wollen de Maizière und Westerwelle an die aktuelle Lage in Afghanistan anpassen. Die beiden Minister vereinbarten, das Mandat fur einen längeren Zeitraum als zwölf Monate anzulegen, damit es über die für Anfang 2014 geplanten Präsidentschaftswahlen in Afghanistan hinausreicht.

Noch sind 63.000 internationale Soldaten in Afghanistan

Innerhalb der Bundesregierung setzt man auf diese Lösung, da man für jegliche Entsendung von ausländischen Soldaten an den Hindukusch auch eine formelle Einladung der afghanischen Regierung braucht. Da es rund um die Wahlen vermutlich zu längeren Phasen von Unklarheit kommen wird und die Kabuler Regierung des derzeitigen Präsidenten Hamid Karzai nur sehr eingeschränkt handlungsfähig sein wird, will man in Berlin lieber sicher gehen. Bisher steht allerdings noch nicht einmal der Wahltermin fest.

Die Entscheidungen aus Berlin passen sich in das Bild innerhalb der Nato ein. Bereits vor zwei Jahren haben die Staatschefs der Allianz beschlossen, die Mission Isaf (International Security Asistance Force) spätestens Ende 2014 zu beenden. Derzeit sind noch rund 63.000 internationale Soldaten in Afghanistan stationiert. Bis Ende 2014 sollen diese vor allem die afghanischen Sicherheitskräfte so weit ausgebildet haben, dass diese ab 2015 selbst die Verantwortung in Afghanistan übernehmen können.

Zahlenmäßig ist diese Aufgabe bis heute so gut wie erfüllt, allerdings gibt es erhebliche Zweifel an der Leistungs- und Durchhaltefähigkeit der Afghan National Army (ANA), die in den letzten Monaten vor allem wegen Angriffen von Rekruten auf ihre ausländischen Trainer Schlagzeilen machte. Diese sogenannten Insider-Angriffe sind derzeit die größte Sorge der Nato-Einheiten.

Die Bundeswehr führt das Kommando im Norden des Landes; derzeit sind in Afghanistan rund 4600 Deutsche stationiert, bis Januar 2013 soll die Zahl der Soldaten auf rund 4400 sinken. Mit dem Beschluss der beiden Minister will man nun sowohl der Öffentlichkeit als auch dem Bundestag verdeutlichen, dass die Regierung die Versprechen des Abzugs ernst meint und wie die anderen Nato-Länder den Rückzug der Truppen plant und durchführt.

So schwierig wird der Abzug

Für Außenminister Westerwelle war die Ankündigung des Abzugs seit Beginn seiner Amtszeit ein zentrales Thema, umso mehr drängt er nun auf konkrete Schritte.

Einfach wird das Ende der Operation Afghanistan keineswegs. Abseits der riesigen Materialmengen, Nato-Planer sprechen von rund 125.000 Containern mit Ausrüstung und rund 70.000 gepanzerten Fahrzeugen, müht sich die Bundeswehr derzeit mit den Planungen, wie man mehr und mehr Soldaten freisetzen kann damit diese die Koffer packen können. Vergangene Woche schloss man deswegen ein erstes kleines Lager der Bundeswehr in Faisabad im Nordosten des Landes, dort sollen nun die Afghanen für Sicherheit und Stabilität sorgen.

Viel mehr Sorgen aber macht den Planer der sogenannte "rat tail", der "Rattenschwanz", den jeder in Afghanistan eingesetzte Soldat hinter sich her zieht. Jeder Soldat muss irgendwo wohnen, etwas essen, medizinisch versorgt werden, es muss Funkverbindungen nach Hause geben und vor allem müssen die Lager geschützt werden. Diese sogenannte Peripherie bindet in Afghanistan heutzutage bis zu acht Einsatzkräfte pro Soldat. Zusätzlich braucht die Bundeswehr derzeit 1500 deutsche Soldaten, um allein den Flughafen Masar-e-Sharif, ein Drehkreuz für den Abzug, zu betreiben.

Momentan lässt sich dies noch meistern. Doch je kleiner das Kontingent wird, desto schwieriger wird die Organisation. Verteidigungsminister de Maizière hat deswegen bei einem Treffen der in Nordafghanistan eingesetzten Nationen in Brüssel bereits um Hilfe erbeten. Spontan boten sich auch einige Partner an, mehr für die Logistik des "Camp Marmal" in Maser zu tun. Gleichwohl aber wird es dort in den kommenden Monaten ziemlich eng, denn dann kommen immer mehr Soldaten aus kleineren Außenlagern, die geschlossen werden, nach Masar-e-Sharif.

Als sich die Verteidigungsminister vergangene Woche trafen, waren die Probleme beim Abzug nicht das Hauptthema, vielmehr läuteten die Minister bereits eine neue Mission in Afghanistan nach dem Jahr 2014 ein. Unter dem etwas holprigen Namen "International Advisory and Assistance Mission" (ITAAM) sollen dann weiterhin Tausende ausländische Soldaten die afghanische Armee unterstützen und ausbilden. Auch wenn es niemand ausspricht, wird diese Truppe immer noch rund 30.000 Mann stark sein; auch die Bundeswehr wird an dem Projekt teilnehmen.

Offiziell soll die neue Operation keine Kampfmission sein, das jedenfalls haben die Staatschefs beim Nato-Gipfel in Chicago festgelegt. Gleichwohl aber werden die ausländischen Ausbilder auch nach 2014 von Kameraden geschützt werden müssen. Derzeit geht man im Wehrressort davon aus, dass auf jeden Ausbilder im besten Fall fünf bis sieben Unterstützungssoldaten kommen müssen. Dass sich so das Versprechen des vollständigen Abzugs aller Kämpfer vom Hindukusch nur schwer erfüllen lässt, ist auch Minister de Maizière ziemlich klar.

Beim Thema Abzug, so der Minister vergangene Woche spätabends in Brüssel, werde es noch "einige Missverständnisse" geben.

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1.
tobma 14.10.2012
mein tipp an die bundeswehr. wir verkünden das abzugsdatum in allen islamischen medien und ziehen einfach einen tag früher ab. der feind ärgert sich und deutschlands ruf der zuverlässigkeit ist kaputt. na und, wenns sein muss.
2. das traurige
ziegenzuechter 14.10.2012
Zitat von sysopdapdZwei Jahre vor dem angepeilten Ende der Afghanistan-Mission macht die Bundesregierung Tempo: Im neuen Mandat für die Bundeswehr peilt Berlin nach SPIEGEL-Informationen eine signifikante Reduzierung der deutschen Einheiten an. Der Abzug entpuppt sich mehr und mehr als logistische Herkules-Aufgabe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-zahl-der-bundeswehrsoldaten-soll-2013-deutlich-sinken-a-861218.html
ist doch: deutschland und seine verbuendeten haben den krieg in afghanistan sang und klanglos verloren. das war zwar schon vorher klar, hielt den deutschen bundestag aber dennoch nicht davon ab deutsche soldaten auf ein himmelfahrtskommando zu schicken. und lernen sie etwas daraus? ach was: es wird ein militaerischer auslandseinsatz nach dem anderen durchgefuehrt. manche mit, manche ohne zustimmung des bundestages. auch in syrien haben wir aufs falsche pferd gesetzt und werden uns damit abfinden muessen, auch weiterhin assad als ansprechpartner in damaskus zu haben.
3. Betrüger
warndtbewohner 14.10.2012
kein Wort davon dass das Chaos ausbrechen wird sobald die Deutschen abgezogen sind. Dann wird dort abgerechnet!
4. Wehner
panzerknacker51, 14.10.2012
Zitat von tobmamein tipp an die bundeswehr. wir verkünden das abzugsdatum in allen islamischen medien und ziehen einfach einen tag früher ab. der feind ärgert sich und deutschlands ruf der zuverlässigkeit ist kaputt. na und, wenns sein muss.
Wehners Ausspruch "Wer rausgeht muß auch wieder reinkommen" könnte man hier abwandeln, indem man die alte militärische Weisheit zitiert: "Wer reingeht muß irgendwann auch wieder raus". Dieses raus ist bekanntlich ungleich schwieriger; man könnte auch folgern "Den Letzten beißen die Hunde".
5.
sabaro4711 14.10.2012
Zitat von sysopdapdZwei Jahre vor dem angepeilten Ende der Afghanistan-Mission macht die Bundesregierung Tempo: Im neuen Mandat für die Bundeswehr peilt Berlin nach SPIEGEL-Informationen eine signifikante Reduzierung der deutschen Einheiten an. Der Abzug entpuppt sich mehr und mehr als logistische Herkules-Aufgabe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-zahl-der-bundeswehrsoldaten-soll-2013-deutlich-sinken-a-861218.html
Also, wenn ich den Artikel jetzt richtig gelesen habe, sind mmt 4600 Soldaten da und die Zahl soll auf 4400 sinken.... und DAS soll eine Herkulesaufgabe sein ???? Oder bezieht sich der kleine Teilsatz auf die gesamte Nato-Truppe? Wenn ja, mal wieder eine tolle, verwirrende Satz-Zusammenstellung völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Ich sage, alle raus da, die Hardware da lassen (die Afghanen finden sicher Verwendung dafür) und der Verteidigungsminister hat einen Grund, neues, modernes und auch funktionierendes Material anzuschaffen.
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