Islamisten in Afghanistan Zahl ziviler Terroropfer stark gestiegen

Sie leben in "ständiger Angst vor der nächste Explosion": Die Zahl der zivilen Opfer islamistischer Gewalt ist in Afghanistan drastisch gestiegen. Seit Jahresbeginn wurden mehr als 3600 Menschen verletzt.

Polizist am Ort eines Selbstmordanschlags in Dschalalabad (Juni 2018)
GHULAMULLAH HABIBI/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Polizist am Ort eines Selbstmordanschlags in Dschalalabad (Juni 2018)


Die Meldungen aus Afghanistan, die nach Deutschland durchdringen, wechseln sich regelmäßig ab: Anfang September starben Dutzende Menschen durch Anschläge von Islamisten in nur zwei Tagen. Sechs Tage später landete wieder ein deutscher Abschiebeflug auf dem Kabuler Flughafen.

Am Tag der Deutschen Einheit ging der nächste Flieger mit abgelehnten Asylbewerbern. Kurz darauf dann folgten wieder Attentate. Allein am Wochenende starben so mindestens 28 Menschen.

Ein neuer Uno-Bericht zu zivilen Opfern des Terrors zeigt nun, dass deren Zahl durch Selbstmordanschläge in Afghanistan stark angestiegen ist. In den ersten neun Monaten des Jahres wurden bei Selbstmordanschlägen mit Sprengsätzen 2343 Zivilisten getötet oder verletzt, wie die Uno-Unterstützungsmission in Afghanistan (Unama) in einem neuen Bericht schreibt. Das entspricht einem Zuwachs von 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Uno: Afghanen leben "in ständiger Angst vor der nächsten Explosion"

Werden Sprengfallen hinzugerechnet, die sich meist gegen Militär- oder Polizeikonvois richten, wurden sogar 3634 Zivilisten in nur einem Dreivierteljahr getötet oder verletzt.

Der IS wird in dem Bericht für etwa die Hälfte der zivilen Opfer verantwortlich gemacht. Die radikalislamischen Taliban sind demnach für 40 Prozent verantwortlich. Viele der Angriffe richten sich demnach gegen Angehörige der schiitischen Minderheit.

Die Uno-Mission beklagte "schwere Verletzungen des internationalen humanitären Rechts" in dem Bürgerkriegsland. "Die Unvorhersehbarkeit solcher Angriffe, häufig entfernt von den Kampfgebieten und in von Zivilisten bewohnten Gegenden, sorgt dafür, dass Afghanen in ständiger Angst vor der nächsten Explosion leben."

Deutschland sieht in Afghanistan ein sicheres Herkunftsland, in das abgelehnte Asylbewerber abgeschoben werden können. In Richtung Hindukusch sind seit Ende 2016 knapp 20 Abschiebeflüge aus der Bundesrepublik mit Hunderten Menschen gestartet.

Besonders gefährdet sind in Afghanistan jene, die mit ausländischen Truppen zusammengearbeitet haben. Vor dem Bundeswehrlager Camp Marmal bei Masar-i-Scharif im Norden des Landes demonstrierten Ende September Hunderte Afghanen, darunter auch viele Helfer des deutschen Militärs, für eine Aufnahme in Deutschland.

cht/AFP



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