Konfliktregion Hindukusch: Afghaninnen werden häufiger Ziel von Angriffen

Verletztes Mädchen in Afghanistan (Archivbild): Beunruhigende Zahlen Zur Großansicht
AP

Verletztes Mädchen in Afghanistan (Archivbild): Beunruhigende Zahlen

Die Zahl der zivilen Opfer in Afghanistan sinkt, trotzdem schlägt die Uno Alarm. Frauen und Mädchen kamen 2012 deutlich häufiger zu Schaden als noch im Vorjahr. Noch gefährlicher leben Mitarbeiter von Behörden: Hier stieg die Zahl der Toten und Verletzten um 700 Prozent.

Kabul - Frauen und Mädchen geraten in Afghanistan immer wieder zwischen die Fronten oder werden sogar ganz gezielt Opfer von Angriffen. Laut Uno-Bericht starben in dem Land im Jahr 2012 insgesamt 301 Bürgerinnen, 563 wurden verletzt. Die Gesamtzahl von 864 bedeutet einen Anstieg von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Besondere Sorge bereitet den Beobachtern eine weitere Statistik: 51 der Todesfälle wurden als gezielte Angriffe registriert. 2011 waren es noch 16 solcher Fälle gewesen. Dies zeige sich beispielsweise in der Tötung der Leiterin der Frauenbehörde der Provinz Laghman im vergangenen Dezember und deren stellvertretender Leiterin im Juli.

Generell leben Mitarbeiter von Behörden in Afghanistan höchst gefährlich. So stieg die Zahl der Anschläge auf afghanische Regierungsangestellte nach Uno-Angaben im vergangenen Jahr um 700 Prozent im Vergleich zu 2011. Bei 47 Zwischenfällen starben 107 Menschen, im Vorjahr waren es noch 23 gewesen. Zusammen gerechnet kamen 2012 255 Beamte zu Schaden (2011: 34).

Insgesamt meldet die Uno jedoch auch positive Trends aus dem Kriegsland. Die Zahl der zivilen Opfer im Afghanistan-Konflikt ist erstmals seit Beginn der Erhebung im Jahr 2007 zurückgegangen.

Wie die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (Unama) am Dienstag in Kabul mitteilte, wurden 2754 Zivilisten im vergangenen Jahr getötet. Das sind zwölf Prozent weniger als im Vorjahr. 4805 Zivilisten wurden nach Uno-Angaben verletzt, kaum mehr als 2011.

Aufständische wie die Taliban seien für 81 Prozent der getöteten und verletzten Zivilisten verantwortlich gewesen, Nato-geführte Truppen und afghanische Sicherheitskräfte für acht Prozent. Die verbliebenen elf Prozent hätten keiner Konfliktpartei zugeordnet werden können.

Bei Luftangriffen der von den USA geführten Koalition sind nach Angaben der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr 126 Zivilpersonen getötet worden. Das sei ein Rückgang von fast 50 Prozent. Als Reaktion auf den tödlichen Angriff vom vergangenen Mittwoch hat der afghanische Präsident Hamid Karzai seinen Militärs untersagt, weitere Luftangriffe der Nato anzufordern.

Es gebe aber inmitten der Rückzugsvorbereitungen der internationalen Koalition einen besorgniserregenden Trend: gezielte Tötungen und Menschenrechtsverletzungen. Taliban und andere Aufständische griffen zudem zunehmend zivile Ziele an.

jok/dpa/AP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Nato
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback

Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon