Afghanistan Zehntausende Kriegsvertriebene seit Jahresbeginn

Mehr als 30.000 Menschen sind in den vergangenen zweieinhalb Monaten in Afghanistan aus ihren Dörfern und Städten geflohen. Erst vor einem Monat startete wieder ein Abschiebeflug aus Deutschland dorthin.

Afghanischer Flüchtling mit zwei Kindern
REUTERS

Afghanischer Flüchtling mit zwei Kindern


Nach dem Ende des Winters nehmen die Gefechte mit den radikalislamischen Taliban in Afghanistan wieder zu. In den ersten Wochen des laufenden Jahres flüchteten bereits mehr als 30.000 Menschen vor den anhaltenden Kämpfen aus ihren Dörfern und Städten. Das geht aus einem Bericht der Uno-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha) hervor.

Demnach seien allein in Kabul in der vergangenen Woche 1680 Menschen angekommen, die aus den Provinzen Logar, Kapisa, Wardak and Baghlan geflohen seien. Laut Schätzungen der Uno leben etwa 900.000 Afghanen unter "unmenschlichen Bedingungen" in Flüchtlingscamps.

Im vergangenen Jahr hatten die Vereinten Nationen etwa 450.000 Binnenflüchtlinge registriert. 2016 waren mehr als 660.000 Afghanen aus ihren Dörfern geflohen.

Die Taliban werden noch das ganze Jahr die Sicherheit in dem Land gefährden, hieß es in einem Bericht von US-Geheimdiensten letzte Woche. Am Dienstag traf US-Verteidigungsminister James Mattis überraschend in Kabul ein. Er halte einen anhaltenden Frieden in Afghanistan immer noch für möglich, sagte Mattis Reportern vor Ort. Er wolle mit den Taliban verhandeln und hoffe, dass sie sich auf Gespräche mit der afghanischen Regierung einließen.

Seit Ende Dezember 2016 hat es schon mindestens zehn Abschiebeflüge aus Deutschland nach Afghanistan gegeben. Insgesamt hatten Bund und Länder 174 abgelehnte Asylbewerber zurückgeschickt. Erst Mitte Februar wurden 14 Asylbewerber von München aus dorthin ausgeflogen.

Die Abschiebungen nach Afghanistan sind umstritten. In der Hauptstadt Kabul gab es 2017 mehr als 20 schwere Anschläge mit mehr als 500 Toten. Im Januar 2018 verübten Taliban und die Terrormiliz "Islamischer Staat" vier weitere Attentate und Überfälle, unter anderem auf ein großes Hotel. Dabei starben insgesamt etwa 150 Menschen. Die Abschiebungen aus Deutschland sind auf Straftäter, Gefährder und Asylbewerber beschränkt, die sich weigern, bei der Klärung ihrer Identität mitzuwirken.

vks/dpa/AP

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