Kämpfe in Zentralafrika Afrikanische Union will Truppenstärke nahezu verdoppeln

Nach Frankreich will auch die Afrikanische Union die Truppen in der Zentralafrikanischen Republik aufstocken. 6000 Soldaten sollen die Mission im Krisenstaat unterstützen. Der Konflikt zwischen christlichen und muslimischen Milizen hat innerhalb von drei Tagen fast 400 Todesopfer gefordert.

Soldaten der AU-Mission MISCA in Bangui: Knapp 400 Tote binnen dreier Tage
AFP

Soldaten der AU-Mission MISCA in Bangui: Knapp 400 Tote binnen dreier Tage


Paris/Bangui - Die Afrikanische Union (AU) will ihre Truppenstärke in der Zentralafrikanischen Republik nach Angaben Frankreichs nahezu verdoppeln. Die AU werde anstelle von 3600 Soldaten 6000 Soldaten in den Krisenstaat schicken, teilte der Elysée-Palast in Paris am Samstagabend nach einem Gipfeltreffen zur Lage in Zentralafrika mit.

Seit einem Staatsstreich im Frühjahr kommt es in der Zentralafrikanischen Republik immer wieder zu schwerer Gewalt zwischen den Bozizé nahestehenden christlichen Bürgermilizen Anti-Balaka (Gegen die Macheten) und den muslimischen Seleka-Kämpfern. Letztere regieren nun mit ihrem Anführer, Übergangspräsident Michel Djotodia, das Land. Beobachter sprachen bereits von einem drohenden religionsbedingten Völkermord.

Das Rote Kreuz berichtete am Samstag, es habe seit dem Aufflammen der Gewalt am Donnerstag in der Hauptstadt Bangui die Leichen von 394 Menschen geborgen. Am Freitag war noch von 280 Toten berichtet worden. Pastor Antoine Mbao Bogore sagte, er rechne auch am Sonntag mit weiteren Opfern des Konflikts.

Ein Datum für die Aufstockung der AU-Mission MISCA, die derzeit mit 2500 Soldaten in Zentralafrika stationiert ist, wurde laut Elysée-Palast nicht festgelegt. Die Truppe gilt als unzureichend ausgerüstet und schlecht ausgebildet.

Hollande fordert Neuwahlen

Frankreichs Präsident François Hollande hatte zuvor angekündigt, sein Land werde mit 1600 Soldaten in Zentralafrika präsent sein. Zunächst hatte Frankreich noch von 1200 Soldaten gesprochen. Vorrangiges Ziel der Militärintervention in der ehemaligen französischen Kolonie ist laut Hollande die Entwaffnung der Milizen und bewaffneten Gruppen, "die die Bevölkerung terrorisieren".

Zudem sprach sich Hollande im Sender France 24 für Neuwahlen in dem Krisenstaat aus. Ein Präsident, der dem Konflikt nahezu tatenlos gegenüber gestanden habe, könne nicht im Amt bleiben, sagte Hollande. Die Wahlen sollten so schnell wie möglich, noch bevor das Mandat des Übergangspräsident Michel Djotodia 2015 auslaufe, abgehalten werden.

Der Uno-Sicherheitsrat hatte am Donnerstag der Militärintervention Frankreichs in Zentralafrika zugestimmt, mit der die AU-Mission MISCA unterstützt werden soll. Am Samstag kam Hollande in Paris mit Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, afrikanischen Staats- und Regierungschefs der Region sowie ranghohen Vertreter von AU und EU zu einem Gipfel zur Lage in Zentralafrika zusammen.

sun/AFP/Reuters/AP

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