Nordsyrien Türkische Truppen haben Afrin offenbar eingekesselt

Das türkische Militär hat nach eigenen Angaben die Kurdenenklave Afrin eingekreist. Die kurdischen YPG-Kämpfer bestätigen heftigen Beschuss, von einer "Einkesselung" könne aber keine Rede sein.

Soldaten der Freien Syrischen Armee (FSA) vor Afrin
DPA

Soldaten der Freien Syrischen Armee (FSA) vor Afrin


Die türkische Armee und mit ihr verbündete Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA) rücken weiter auf Afrin und damit gegen die Kurdenmiliz YPG vor. Die Stadt im Norden Syriens ist nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu nun eingekesselt.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, 300.000 Menschen seien eingeschlossen. Die Organisation bezieht ihre Informationen von Aktivisten vor Ort. Für Medien sind sie kaum zu überprüfen, in der Vergangenheit haben sich die Angaben aber als verlässlich erwiesen.

Die YPG selbst bestätigte zwar heftigen Beschuss auf allen Zufahrtswegen rund um Afrin. Eine türkische "Einkesselung" finde aber nicht statt und sei "Propaganda", hieß es.

Juristische Zweifel an türkischer Offensive

Die türkischen Streitkräfte hatten am 20. Januar die "Operation Olivenzweig" gegen die YPG begonnen. Die Regierung in Ankara stuft die Miliz wegen ihrer Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK als Terrororganisation ein.

Die türkische Regierung argumentiert, dass die "Operation Olivenzweig" nicht gegen internationales Recht verstoße. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hatte zuletzt allerdings Zweifel daran geäußert.

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Operation "Olivenzweig": Gefechte an der Grenze zu Syrien

Die YPG kämpft seit Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges für einen eigenen Staat im Norden des Landes, an der Grenze zur Türkei. Dieses Gebiet, Rojava genannt, besteht gegenwärtig aus vier Kantonen, von der nun umkämpften Enklave Afrin im Nordwesten über die Städte Manbidsch und Kobane bis hin nach Kamischli im Nordosten. Dort grenzt Rojava direkt an die Kurdische Autonomieregion im Irak.

DER SPIEGEL

Die YPG sind mit den USA im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) verbündet. Deshalb sorgt Ankaras Offensive für Irritationenzwischen Washington und Ankara, die beide Partner in der Nato-Militärallianz sind.

In einer Fernsehansprache kündigte Präsident Recep Tayyip Erdogan bereits am Montag an, dass seine Truppen nicht in Afrin anhalten würden. Im Anschluss würden auch die Städte Manbidsch, Kobane, Tal Abjad, Ras al-Ain und Kamischli "von Terroristen gesäubert", sagte er.

dop/dpa/Reuters



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