Aus Quang Nam berichtet Till Mayer
Das alles erklärt Huynh Thi Thanh Binh. Sie ist im Rotkreuz-Verband von Quang Nam für die Unterstützung von mutmaßlichen Agent-Orange-Opfern zuständig. "22.000 bei einer Bevölkerungszahl von rund 1,5 Millionen", sagt sie.
In jedem der betroffenen Dörfer und Gemeinden gibt es Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit riesigen Köpfen, verkrüppelten Gliedmaßen, Hautausschlägen, Kiefer-Gaumen-Spalten und geistigen Behinderungen. Ehemalige Frontkämpfer, auf die das Gift genauso niederkam wie auf Zivilisten. Bauern, die unwissend die leeren Agent-Orange-Behälter als Fässer für Trinkwasser und Lebensmittel nutzten und so ihr Erbgut unwiderruflich schädigten.
Mit seinem "Agent Orange Victims Fund" hilft das Rote Kreuz mit dem Notwendigsten. Es verteilt Rollstühle, unterstützt den Hausbau. Aber auch Behindertenwerkstätten wurden eingerichtet. Ein Zuschuss der Stiftung ermöglichte der Familie von Truong Thi Thuy den Neubau eines schlichten Hauses. Die Nachbarn halfen auf der Baustelle mit. Dazu gab es noch eine Kuh als weitere Spende vom Roten Kreuz. Hilfen zum Überleben.
Huynh Thi Thanh Binh würde ihre Arbeit gern ausweiten. "Kleine Werkstätten, bei denen die Agent-Orange-Opfer nach ihren Möglichkeiten ein Handwerk erlernen können. Davon bräuchten wir mehr. Oder Existenzgründerkredite, damit sich Menschen mit Behinderungen ihre eigene Zukunft aufbauen können", sagt die Rotkreuz-Mitarbeiterin.
"Was wird aus meinen Kindern?"
Es gibt positive Beispiele - wie das "Phuong Dong Institute" in der Nähe von Hanoi, eine Einrichtung des Roten Kreuzes für Menschen mit Behinderungen und mutmaßliche Agent-Orange-Opfer. Mit Näh-, Stick- und Computerkursen bereiten sich hier meist junge Menschen auf einen Beruf vor. Danach können sie sich selbstständig machen oder in Heimarbeit weiter für das Zentrum arbeiten. Doch gibt es zu wenige solcher Einrichtungen, viele Agent-Orange-Opfer erfahren keine Förderung.
Truong Thi Thuys Söhne haben ausgetrunken, die 50-Jährige stellt den roten Becher zur Seite. Streichelt mit der Hand die Wangen der jungen Männer. Die lächeln ihre Mutter an. "Es ist traurig. So viele Jahre nach dem Krieg haben unsere jungen Frauen weiter Angst, Kinder mit Missbildungen auf die Welt zu bringen", sagt die Bäuerin.
Zukunft und Vergangenheit, das hat Frau Truong Thi Thuy schmerzhaft gelernt, können oft nicht voneinander lassen. "Was wird aus meinen behinderten Kindern, wenn mein Mann und ich eines Tages nicht mehr sind? Oder wir zu alt sind, um uns um sie zu kümmern? Was dann?", fragt die Bäuerin, ihre Stimme zittert.
Sie dreht sich ein Stück weg. Zur Wand hin, wo das Licht von der Tür an Kraft verliert und niemand ihr Gesicht sieht. Ihre rechte Hand liegt auf der Schulter ihres Sohnes, sie wird kurz zur Faust. Der Sohn blickt weiter auf die Tür, durch die er nie gehen kann.
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