Agenten in Deutschland Zwei mutmaßliche syrische Spione in Berlin festgenommen

Sie sollen Assad-Gegner in Deutschland im Visier gehabt haben. Die Bundesanwaltschaft hat zwei mutmaßliche syrische Spione in Berlin festnehmen lassen. Derzeit durchsuchen Ermittler die Wohnungen von sechs weiteren Verdächtigen.

DPA

Karlsruhe - Ermittler der Bundesanwaltschaft haben am Dienstag zwei mutmaßliche Agenten der syrischen Regierung festgenommen. Der 47-jährige Mahmud el-A. und der 34-jährige Akram O. stehen unter Verdacht, für das Regime in Damaskus spioniert zu haben. Sie sollen planmäßig syrische Oppositionelle in der Bundesrepublik ausgeforscht haben, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Bei den beiden Festgenommenen handelt es sich um einen Syrer und einen Deutsch-Libanesen. Sie wurden seit längerem vom Verfassungsschutz beobachtet und sollen am Mittwoch dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Nach Angaben der Behörden wird gegen sechs weitere Beschuldigte ermittelt, die an den Ausspähungen beteiligt gewesen sein sollen. Erkenntnisse erhoffen sich die Fahnder von laufenden Durchsuchungen der Wohnungen. Dabei sind etwa 70 Beamte im Einsatz.

Im eigenen Land geht das Assad-Regime brutal gegen die Bevölkerung vor. Nach Uno-Angaben wurden dabei bislang mehr als 5400 Menschen getötet. Menschenrechtler sprechen gar von rund 6000 Toten. Eine Verurteilung durch den Sicherheitsrat kam bislang nicht zustande, weil China und Russland ihr Veto eingelegt haben.

Drei Tage nach dem Eklat im Sicherheitsrat ist der russische Außenminister Sergej Lawrow in Damaskus eingetroffen. In einem Vorort der syrischen Hauptstadt wurde er von einer jubelnden Menge begrüßt, die "Danke, Russland! Danke, China!" skandierte. Lawrow äußerte bei seinem Besuch Verständnis für das Vorgehen von Assad. "Jeder Führer in jedem Land sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein", sagte er zu Beginn des Treffens mit dem syrischen Machthaber. "Es ist in unserem Interesse, dass die arabischen Völker in Frieden und Harmonie leben."

Erdogan kündigt Initiative gegen Assad an

Lawrow ist in Begleitung des Chefs des russischen Auslandsgeheimdienstes, Michail Fradkow, nach Damaskus gereist. Nach Informationen russischer Staatsmedien will Lawrow auch eine Botschaft von Präsident Dmitrij Medwedew an Assad überbringen. Der Inhalt ist nicht bekannt. Außerdem hieß es, Lawrow werde in Damaskus auf "notwendige demokratische Reformen" dringen. Die US-Regierung erklärte, Lawrow müsse der syrischen Regierung klarmachen, wie isoliert sie sei.

Die Türkei plant eine neue Initiative gegen das Assad-Regime. Beteiligt werden sollen alle Länder, "die an der Seite des Volkes stehen, nicht auf der Seite der syrischen Regierung", sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara. Die Vorbereitungen für eine solche internationale Zusammenarbeit liefen.

Als direkter Nachbar Syriens mit einer 900 Kilometer langen Landgrenze ist die Türkei ein wichtiges Land bei möglichen politischen, humanitären oder militärischen Aktionen des Auslands. Erdogan äußerte sich aber nicht direkt zu dem Vorschlag von Deutschland und Frankreich, eine internationale Kontaktgruppe zu Syrien zu bilden. Er betonte, die Türkei werde weiterhin die Initiativen der Arabischen Liga unterstützen, die im Rahmen eines Friedensplans den Rücktritt Assads fordert.

Erdogan und Staatspräsident Abdullah Gül hatten sich enttäuscht über das Veto Russlands und Chinas gezeigt. In seiner Rede griff Erdogan seinen ehemaligen Partner Assad scharf an. Früher oder später werde er für den Einsatz von Gewalt Rechenschaft ablegen müssen, sagte er.

suc/cte/aar/dapd/dpa/AFP

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insgesamt 98 Beiträge
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hardliner1 07.02.2012
1. Unterfüttern
Zitat von sysopDie Bundesanwaltschaft hat zwei mutmaßliche syrische Spione in Berlin verhaften lassen. Den beiden Männern wird vorgeworfen, seit Jahren planmäßig syrische Oppositionelle in Deutschland ausgeforscht zu haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,813799,00.html
Wie bestellt: Das Timing könnte nicht besser sein. Man muss ja schließlich alle Argumente gegen Assad unterfüttern - mit "Mutmaßlichen".
susaz 07.02.2012
2. Festnahme richtig und zur richtigen Zeit
Agenten in Deutschland: Zwei mutmaßliche syrische Spione in Berlin festgenommen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,813799,00.html)[/QUOTE] Ein Pfui auf das Assad-Regime. Die Festnahme ist genau das richtige Signal! Denn kein arabisches Regime ist bisweilen gegenüber seinem eigenen Volk so grausam gewesen, wie das Syriens - mit Ausnahme des Iraks. Die Machthaber in Damaskus sollten sich schämen! Doch ist klar, dass Syrien unter diesen Umständen niemals dem Vorbild Tunesiens folgen wird: Michael Gahler, EU-Wahlbeobachter-Chef im Interview | SÜDAFRIKA – Land der Kontraste (http://wp.me/pNjq9-3jP).
Beobachter123 07.02.2012
3. Politik
Jetzt ist natürlich der beste Zeitpunkt so etwas zu lancieren. Die Knaben sind ja sicher über Jahre überwacht und nicht zufällig bei einer Verkehrskontrolle ertappt worden.
huberwin 07.02.2012
4. Was läuft denn bei Ihnen
Zitat von hardliner1Wie bestellt: Das Timing könnte nicht besser sein. Man muss ja schließlich alle Argumente gegen Assad unterfüttern - mit "Mutmaßlichen".
-mutmaßlich falsch...das sie bespitzelung von Geheimdiensten im Ausland für gut heißen?
bieberh 07.02.2012
5. unverständlich....
wieso noch Spione ins Spiel bringen oder viel Geld für militärische Aktivitäten aus dem Westen. Setzt doch einfach ein Belohnung (auch Kopfgeld genannt) aus. Es gibt genügend, die dieses A.... beiseite räumen. Egal in welches Loch er sich vergrabt. Da gab es doch schon mal zwei, die sich zuletzt wie Ratten versteckt hatten.
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