Agentenmetropole Dubai: Casino Oriental

Von , Dubai

Er suchte einen Schauplatz für den neuen James-Bond-Roman - und sofort kam Jeffery Deaver Dubai in den Sinn, wo der Mossad vor einem Jahr einen Hamas-Waffenhändler töten ließ. Nun stellte der US-Autor hier sein Buch "Carte Blanche" vor und fragt: Wie weit dürfen Agenten gehen?

Mordschauplatz Dubai: Wo Mossad und James Bond agieren Zur Großansicht
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Mordschauplatz Dubai: Wo Mossad und James Bond agieren

Ein Agentenpärchen steigt in einem Luxushotel ab, getarnt mit falschem Bart und Perücke. Die beiden haben die Lizenz zum Töten und den Auftrag, den meistgejagten Schurken diskret umzubringen. Die Aktion gelingt, die Leiche im Hotelzimmer wird erst entdeckt, als die Agenten schon wieder in ihren Flugzeugen sitzen und - vielleicht - einen Martini aufs Gelingen trinken, geschüttelt, nicht gerührt.

Es ist klassischer Bond-Stoff, was vor genau einem Jahr in Dubai geschah und in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL rekonstruiert wird: Die Aktion des israelischen Geheimdienstes Mossad gegen den Waffenhändler der Hamas, Mahmud Mabhuh, am 19. Januar 2010.

Fast auf den Tag genau ein Jahr später wird in einem Luxushotel in Dubai der neue James-Bond-Roman vorgestellt. Der US-Autor Jeffery Deaver sitzt im InterContinental, knapp 2000 Meter Luftlinie vom Mossad-Tatort entfernt, und hält sein Werk in den Händen: "Carte Blanche". Dubai, sagt er, sei "eine inspirierende und ehrfurchteinflößende Stadt und liefert eine perfekte Bond-Location - besonders für einen Roman, der unseren Helden zu neuen Extremen jagt".

Dubai, das neue Casino Oriental, die unwirklich glitzernde Stadt am Dubai-Creek, mit der höchsten Millionärsdichte der Welt, dem höchsten Gebäude und einer ziemlich hohen Dunkelziffer von Schmuggel, Geldwäsche und anderen Tagesaktivitäten aus dem Leben der Dr. Nos. Der Flughafen hier ist Umschlagplatz für täglich hunderttausend Reisende, sie kommen direkt aus Peschawar, Karatschi, Bagdad und Teheran, aus Sanaa, Berlin und Shanghai. 80 Prozent der Einwohner hier sind Ausländer, aus 202 Nationen. Über Hawala, die islamkonforme Art des Bankings, können diskret Summen in alle Winkel der islamischen Welt geschickt werden. Überall in den Malls stehen Spendenkartons für islamische Hilfswerke.

Iran ist nur einen Schuss entfernt, und es ist ein offenes Geheimnis, dass die Revolutionsgarden ihre Handelskontore und Scheinfirmen in Dubai haben, um sich mit allem zu versorgen, was dem State Department Sorge macht. Dubai ist unüberblickbar, trotz der weltweit größten Iris-Scan-Datei und trotz aller Überwachungskameras, mit denen der hiesige Polizeichef Generalleutnant Tamim verhindern will, dass seine Stadt zum globalen Kreuzungspunkt für Machenschaften aller Art wird. Im Wahrzeichen der Stadt, dem segelförmigen Sieben-Sterne-Hotel Burj Al Arab, ermordete ein russischer Mobster einen Diamantenhändler aus Syrien. 2008 wurde die libanesische Popsängerin Suzanne Tamim (keine Verwandte des Oberpolizisten gleichen Namens) in ihrer Wohnung in Dubai durch einen Auftragskiller ihres Liebhabers, ein ägyptischer Zement-Tycoon, erstochen.

Dubais Herrscher habe großes Interesse an dem Buch

"Als ich über den Schauplatz für das neue Buch nachdachte, kam mir sofort Dubai in den Sinn", sagt Deaver. "Wenn Ian Fleming noch leben würde, hätte er diesen Ort bestimmt für mindestens eines seiner Bücher ausgesucht." Deaver wird im März Gast des "Emirates Airline Festival for Literature" sein.

Der Amerikaner hat bislang mehr als 28 Thriller geschrieben, darunter der verfilmte Bestseller "The Bone Collector" (dt. "Der Knochenjäger").

In "Carte Blanche" geht es um die Frage, wie weit ein Agent gehen darf, und heiße er James Bond. Es ist die Frage, die sich auch der israelische Geheimdienst bei jeder seiner Operationen stellen muss. "Wenn in der Welt der Spionage einem Agenten Carte blanche für eine Mission gegeben wird, dann ist das mit einem enormen Vertrauen verbunden. In jedem Moment wird das professionelle und persönliche Urteilsvermögen auf die Probe gestellt", sagt Deaver. "Teil der Nonstop-Spannung in dem Roman ist die ständig lauernde Frage, was noch akzeptabel ist, wenn es um nationale und internationale Sicherheit geht."

Deaver sagt, Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktum, der Herrscher von Dubai, habe "großes Interesse" an dem Buch geäußert.

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Zum Autor
Alexander Smoltczyk, Jahrgang 1958, berichtet für SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE aus den Golf-Staaten und der arabischen Welt. In seinem Blog "Golf für Anfänger" erzählt er tausendundeine Geschichten aus dem Orient.

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Mossad-Mordanschlag: Wirbel um Agenten-Festnahme
Der Mossad
Name und Struktur
Israels Auslandsnachrichtendienst heißt offiziell Institut für Aufklärung und besondere Aufgaben - auf Hebräisch ha-Mossad le-Modiin ule-Tafkidim Meyuhadim - und wird intern kurz "das Institut" genannt - haMossad. Der weltweit berühmt-berüchtigte Geheimdienst wurde 1951 unter Federführung des damaligen Premierministers David Ben-Gurion nach der Gründung des Staates Israel aus konkurrierenden israelischen Nachrichtenorganisationen ins Leben gerufen - Israel sollte sich als wehrhafter jüdischer Staat unter feindlichen arabischen Nachbarn behaupten können.
Die Zentrale des Dienstes, der dem Ministerpräsidenten untersteht, befindet sich in Tel Aviv. Der Mossad beschäftigt wohl etwa 1200 Mitarbeiter.
Aufgaben
Hauptaufgabe des Mossad ist die weltweite Informationsbeschaffung, vornehmlich in arabischen Staaten, aber auch in allen anderen Teilen der Welt. Dazu kommen Geheimaktionen und Terrorismusbekämpfung. Seit 1963 hat der Mossad die alleinige Befugnis zur Agentenführung im Ausland.
Früher galt der Kampf des Mossad insbesondere der 1964 gegründeten Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) . Berühmt wurde der Geheimdienst, als er 1960 den nationalsozialistischen Kriegsverbrecher Adolf Eichmann in Argentinien aufspürte und nach Israel entführte, wo er vor Gericht gestellt und verurteilt wurde.
Anders als die deutschen Nachrichtendienste arbeitet der Mossad auch mit Mitteln der Sabotage, verdeckter und psychologischer Kriegsführung und unter Umständen auch mit Killerkommandos. Für solche Spezialoperationen, die den Mythos des Mossad begründeten, ist die Abteilung Metsada zuständig.
Leitung
Nach Streitigkeiten über die Strategie gegen den palästinensischen Terror entließ der damalige Premier Ariel Scharon 2002 Ephraim Haley als Mossad -Chef. Seitdem ist Meir Dagan Direktor des "Instituts".