Aus Hialeah, Florida, berichtet Marc Pitzke
Also hat Romneys Team die Flucht nach vorne ergriffen. Nach langer Zurückhaltung haben sie das Sperrfeuer auf Gingrich eröffnet - mit verbalen wie schriftlichen Angriffen, TV-Spots und cleverer Zersetzung.
Sie richten Gingrichs schärfste Waffe gegen ihn, seine Debattierlust. Sie spicken das Publikum beim TV-Duell mit jubelnden Romney-Fans, die den Egomanen Gingrich aus dem Konzept bringen. Sie schicken sogar Störer zu seinen Auftritten.
14 Millionen Dollar steckt Romney in TV-Wahlwerbung
Die Romney-Strategen durchkämmen jede Aussage Gingrichs nach Schwachstellen. Als er Romney beispielsweise bei einem Auftritt in Florida vorwirft, er halte Aktien an Fannie Mae und Freddie Mac, den beiden verhassten Hypothekenbanken, finden sie heraus, dass Gingrich dort ebenfalls Gelder angelegt hatte. Mit dieser Information gedopt, serviert Romney den Rivalen bei der Debatte am selben Abend dann telegen ab.
Hinter dieser Strategie steckt ein "War Room" mit den Top-Experten des schmutzigen Polit-Geschäfts. Romneys Wahlkampfmanager Matt Rhoades erledigte schon 2004 die Drecksarbeit für George W. Bush. Jetzt lanciert er täglich neue Negativ-Schlagzeilen gegen Gingrich, via das einflussreiche Blog Drudge Report, das den Tenor für viele konservative US-Medien angibt.
Die Frucht dieser "Oppositions-Recherche" ist vor allem in Romneys TV-Spots gegen Gingrich zu sehen. Die sind viel härter, bissiger, unfairer geworden - eine Schlammschlacht rund um die Uhr, die bisher den "Super-PACs" vorbehalten war, den von Multimillionären finanzierten, auf dem Papier unabhängigen Lobbygruppen.
Fast 14 Millionen Dollar hat Mitt Romney hier in die Wahlwerbung gesteckt - 5,6 Millionen Dollar aus eigener Kasse, 8,2 Millionen Dollar über einen Super-PAC. Die meisten Spots laufen in den Ballungsräumen (Miami, Tampa, Orlando). Dagegen kommt Gingrich nicht an mit seinen rund 3,8 Millionen Dollar - das meiste über den Super-PAC "Winning Our Future", hinter dem der Casinomogul Sheldon Adelson steckt.
Die Romney-Spots laufen unentwegt, Tag und Nacht. Der dramatischste besteht aus einem kompletten, unkommentierten Segment der Nachrichtensendung "NBC Nightly News" von 1997. Darin meldet Anchorman Tom Brokaw, wie Gingrich von seinen Kongresskollegen "wegen Ethikverstößen schuldig gesprochen" und zu 300.000 Dollar Strafe verdonnert wurde.
NBC und der längst pensionierte Brokaw - bis heute einer der angesehensten TV-Figuren der USA - haben laut dagegen protestiert. Doch die Spots sind weiter zu sehen, alle paar Minuten.
Flankenschutz für Romney von prominenten Republikanern
Flankenschutz bekommt Romney auch von der republikanischen Parteispitze, die unter allen Umständen verhindern will, dass der explosive Rebell Gingrich die Vorwahlen gewinnt. John McCain, der Kandidat von 2008, tingelt mit Romney durch Florida. Auch Ex-Senator Bob Dole, der Kandidat von 1996, zetert gegen Gingrich.
Seit die Umfragen zu seinen Gunsten kippen, ist Romney wie ausgewechselt. Am "Casa Marin" improvisiert er, wirft flotte Querschläge gegen Fidel Castro und Hugo Chavez ein - da ist der Applaus garantiert. Anschließend lässt er sich sogar dazu hinreißen, drinnen an einem Lechón herumzusäbeln, einem gerösteten Spanferkel - zu den Klängen von "Guantanamera".
Stunden später, in dem etwas verstaubten Strandort Pompano Beach, ist von Spanisch keine Rede mehr. Im Gemeindezentrum tritt Romney vor einem meist älteren, blassen Publikum auf. Aus den Lautsprechern dröhnen patriotische Countrysongs: "Only in America, where we dream as big as we want to ".
Romney springt auf die Bühne. "Speaker Gingrich", ruft er. "Der ist ein netter Mann!"
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