Angriff auf israelische Soldaten 17-jährige Palästinenserin muss acht Monate in Haft

Die Palästinenserin Ahed Tamimi musste sich in zwölf Punkten vor einem israelischen Militärgericht verantworten. Nun einigte sich die 17-Jährige mit der Anklage auf eine Gefängnisstrafe von acht Monaten.

Ahed Tamimi im Militärgericht (Januar 2018)
REUTERS

Ahed Tamimi im Militärgericht (Januar 2018)


Eine wegen eines tätlichen Angriffs auf einen israelischen Soldaten angeklagte 17-jährige Palästinenserin muss für acht Monate in Haft. Darauf hätten sich Ahed Tamimi und die Anklage vor einem israelischen Militärgericht im besetzten Westjordanland geeinigt, berichteten israelische Medien am Mittwoch. Die israelische Armee bestätigte das Strafmaß. Der Jugendlichen waren auch Angriffe auf israelische Sicherheitskräfte in weiteren Fällen sowie ein Aufruf zu Anschlägen vorgeworfen worden.

Tamimis Zeit in der Untersuchungshaft wird auf die Strafe angerechnet, die zudem eine Zahlung von 5000 Schekel (umgerechnet etwa 1200 Euro) umfasst, wie ihre Anwältin Gabi Laski mitteilte. Demnach würde Tamimi im Sommer freigelassen. Sie bekannte sich zwar zu vier von zwölf Anklagepunkten schuldig - darunter die Behinderung von Soldaten, Aufwiegelung und Körperverletzung - nannte das Gericht jedoch "illegitim" (mehr zu den Vorwürfen gegen Tamimi lesen Sie hier).

Über den Fall war nach einer Entscheidung des Richters hinter verschlossenen Türen beraten worden - im Interesse der Angeklagten, wie es hieß. Die israelischen Militärgerichte sind für die palästinensische Bevölkerung in den besetzten Gebieten zuständig, daher wurde auch Tamimis Fall dort verhandelt.

Tamimi war im vergangenen Dezember im Alter von 16 Jahren festgenommen worden, nachdem sie gemeinsam mit einer Cousine in ihrem Dorf Nabi Saleh im besetzten Westjordanland zwei israelische Soldaten attackiert hatte. Ein im Internet verbreitetes Video zeigt unter anderem, wie sie einem der schwer bewaffneten Soldaten eine Ohrfeige verpasst. Die Soldaten reagierten kaum.

In arabischen Medien wurde Tamimi als Symbolfigur des Widerstands gefeiert, Israel sieht sie als Provokateurin. Die Jugendliche kommt aus einer Familie prominenter Aktivisten und wurde in den vergangenen Jahren mehrfach handgreiflich gegenüber israelischen Soldaten. Israel wirft der Familie vor, das Mädchen als Spielfigur in inszenierten Protesten zu verwenden.

Amnesty International hatte die sofortige Freilassung der Jugendlichen gefordert. Ihre Haft sei "der verzweifelte Versuch, palästinensische Kinder einzuschüchtern, die es wagen, sich gegen die Unterdrückung durch Besatzungstruppen aufzulehnen".

dbate-Video: Mein Gaza - Leben im größten Gefängnis der Welt

dbate.de

aar/dpa

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