Streit über Atomprogramm: Ahmadinedschad ignoriert Drohungen des Westens

Mahmud Ahmadinedschad ist der Druck des Westens egal: Iran werde trotz der Sanktionen und des Einbruchs der Landeswährung an seinem Atomprogramm festhalten. Ein Rückzieher komme nicht in Frage, stellte der Präsident klar.

Ahmadinedschad: Iranischer Präsident zeigt sich unbeeindruckt von Sanktionen Zur Großansicht
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Ahmadinedschad: Iranischer Präsident zeigt sich unbeeindruckt von Sanktionen

Teheran - Die iranische Währung Rial ist auf einem Tiefstand, aber Präsident Mahmud Ahmadinedschad gab sich auf einer vom Staatsfernsehen übertragenen Pressekonferenz unbeeindruckt: Teheran werde trotz des wirtschaftlichen Drucks an seinem Nuklearprogramm festhalten. "Wenn einige glauben, sie könnten Iran unter Druck setzen, dann täuschen sie sich und sollten ihre Haltung korrigieren", sagte er. "Wir sind kein Volk, das bei der Nuklearfrage einen Rückzieher macht."

Ahmadinedschad zeigte sich aber bereit, die Anreicherung von Uran auf 20 Prozent einzustellen, wenn es dafür aus dem Ausland entsprechendes Material erhält. "Auf 20 Prozent angereichertes Uran wird nur (im Reaktor in Teheran) für Medikamente benötigt und hat sonst keinen Nutzen." Die Anreicherung von 3,5 auf 20 Prozent sei zudem sehr teuer. Für den Einsatz zur Stromerzeugung will Teheran demnach weiter Uran niedrig anreichern.

Die internationalen Verhandlungen mit Iran über das Atomprogramm stocken seit langem - was vor allem an der unbeweglichen Haltung der iranischen Führung liegt. Der iranische Abgeordnete Mansur Hakikatpur drohte nun sogar damit, das Atomprogramm auszuweiten, sollten die Gespräche scheitern. Dann werde Uran bis auf 60 Prozent angereichert, um U-Boote oder Schiffe anzutreiben, sagte der stellvertretende Chef des Parlamentsausschusses für Außen- und Sicherheitspolitik dem englischsprachigen Fernsehsenders "Press TV".

Für Atombomben ist eine Anreicherung auf 90 Prozent nötig. Teheran betont immer wieder sein Recht auf die zivile Nutzung der Kernenergie. Iran wird jedoch vorgeworfen, unter diesem Vorwand an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten.

Rekordtief für den Rial

Die Äußerungen Ahmadinedschads erfolgten einen Tag nach dem Rekordtief des Rial. Die Währung verlor seit Ende 2011 mehr als 80 Prozent seines Wertes. Für einen US-Dollar mussten am Dienstag 45.000 Rial gezahlt werden - 8000 Rial mehr als noch am Montag. Gründe sind der Mangel an Devisen und die starke Inflation in Folge der Sanktionen. Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland, hatte den Tiefstand der Währung am Montag als Zeichen des "Erfolgs" der Sanktionen gewertet.

Ahmadinedschad wetterte, der Westen führe einen wirtschaftlichen "Krieg" gegen das Land. "Der Westen hat dem Iran Sanktionen auferlegt und faktisch einen geheimen Krieg gegen unser Volk begonnen", sagte der Präsident. "Der Feind glaubt, den Widerstand des iranischen Volkes brechen zu können, aber er irrt sich", sagte er laut dem Fernsehbericht.

Die Sanktionen der USA und der Europäischen Union treffen vor allem die wichtigen Ölexporte Irans sowie die Banken, über die Außenhandelsgeschäfte finanziert werden. Sie sollen Teheran zwingen, im Streit über die Urananreicherung einzulenken und seine Atomanlagen für Inspektionen zu öffnen.

als/dpa/AFP

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1.
hxk 02.10.2012
Zitat von sysopAhmadinedschad zeigte sich aber bereit, die Anreicherung von Uran auf 20 Prozent einzustellen, wenn es dafür aus dem Ausland entsprechendes Material erhält. "Auf 20 Prozent angereichertes Uran wird nur (im Reaktor in Teheran) für Medikamente benötigt und hat sonst keinen Nutzen." Die Anreicherung von 3,5 auf 20 Prozent sei zudem sehr teuer. Für den Einsatz zur Stromerzeugung will Teheran demnach weiter Uran niedrig anreichern.
Warum nur sträubt sich der Iran dann dagegen, dass Inspektoren der IAEA diese völlige Harmlosigkeit des iranischen Atomprogramms bestätigen? Sehr merkwürdig diese Mullahs! ---Zitat--- Der iranische Abgeordnete Mansur Hakikatpur drohte nun sogar damit, das Atomprogramm auszuweiten, sollten die Gespräche scheitern. Dann werde Uran bis auf 60 Prozent angereichert, *um U-Boote oder Schiffe anzutreiben*, sagte der stellvertretende Chef des Parlamentsausschusses für Außen- und Sicherheitspolitik dem englischsprachigen Fernsehsenders "Press TV". ---Zitatende--- Aber Sinn für Humor haben sie. Schiffe, geschweige denn U-Boote mit Atomantrieb übersteigen deren technische Fähigkeiten bei weitem. Die im Iran hergestellten U-Boote sind Lizenzbauten nordkoreanischer Mini U-Boote die auf dem technischen Stand von 1918 sind. Ihre neuste Fregatte ist eine modernisierte Version der Vosper Mk 5. Iran erinnert mich mehr und merh an Nordkorea. Das sind auch Dampfplauderer: Ständig große Sprüche klopfen, aber wenn man genau hinsieht haben sie nur die Mittel, um kleinste Brötchen zu backen.
2. ...
ein anderer 02.10.2012
Zitat von hxkWarum nur sträubt sich der Iran dann dagegen, dass Inspektoren der IAEA diese völlige Harmlosigkeit des iranischen Atomprogramms bestätigen? Sehr merkwürdig diese Mullahs!
Wie soll die IAEA jemals bestätigen können, dass etwas nicht da ist? Was bedeutet es, wenn die IAEA einen Ort, den die CIA oder andere Geheimdienste vorgaben, untersucht hätten und nichts finden könnten? Das wäre doch kein Beweis, dass der Iran nicht an der Bombe baut sondern nur das er nicht dort baut wo geschaut wurde. Also wird es nicht lange dauern bis die Geheimdienste wieder einen neuen Verdachtsort präsentieren. Der Massenvernichtungswaffen-Vorwurf kann nicht vom Beschuldigten entkräftet werden. Dafür wurde dieser Vorwurf nicht ausgelegt. Erinnern wir uns an den Irak. Erst mit dem Krieg und der folgenden Besatzung haben die USA das akzeptiert was das frühere Regime immer behauptete und die Waffeninspektoren schon Jahre zuvor verkündet hatten. Obwohl die Waffeninspektoren damals unabhängig waren konnten sie die Ankläger nicht von ihrer Anklage abbringen. Es durfte nicht sein, dass der Massenvernichtugswaffen-Vorwurf ins leere lief. Nun wird der Iran "irakisiert".
3.
hxk 02.10.2012
Zitat von ein andererWie soll die IAEA jemals bestätigen können, dass etwas nicht da ist? ... Das wäre doch kein Beweis, dass der Iran nicht an der Bombe baut sondern nur das er nicht dort baut wo geschaut wurde. Also wird es nicht lange dauern bis die Geheimdienste wieder einen neuen Verdachtsort präsentieren.
Sie haben es (fast) erfasst. Es gibt eine Reihe von bestimmten Einrichtungen, in die die IEAE sehr gerne einen Blick werfen würde, es aber nicht darf. Würde der Iran nicht 'mauern' und würde man überall nix finden, wäre der Iran erst mal 'entlastet'. Spätestens nach der zweiten, entlastenden Inspektionsreise wäre alle weiteren Vorwürfe unglaubwürdig. Also warum sträubt sich der Iran dagegen, dass die Harmlosigkeit seiner Atomforschung auf eine schnelle und unkoplizierte Art und Weise nachgewiesen wird? ---Zitat--- Der Massenvernichtungswaffen-Vorwurf kann nicht vom Beschuldigten entkräftet werden. Dafür wurde dieser Vorwurf nicht ausgelegt. Erinnern wir uns an den Irak. Erst mit dem Krieg und der folgenden Besatzung haben die USA das akzeptiert was das frühere Regime immer behauptete und die Waffeninspektoren schon Jahre zuvor verkündet hatten. ---Zitatende--- Auch da liegen sie wieder (fast) richtig. Zuerst hatte Saddam mit den Inspektoren Katz und Maus gespielt, dann hat er sie rausgeworfen und dann hat er -aus Angst vor dem Iran- den Eindruck erweckt, er hätte noch WMD, bevor er in letzter Sekunde zugab er hätte sie doch nicht. Es ist schon merkwürdig, dass der Iran lieber den gleichen, falschen Eindruck erweckt und den Ruin seiner Wirtschaft in Kauf nimmt, nur um zu verhindern, dass ein paar IAEA-Mitarbeiter sich in einer Kaserne oder zwei mit einem Geigerzähler umsehen. Wie gesagt, dass sind seltsame Leute diese Mullahs.
4. ...
ein anderer 02.10.2012
Zitat von hxkAuch da liegen sie wieder (fast) richtig. Zuerst hatte Saddam mit den Inspektoren Katz und Maus gespielt, dann hat er sie rausgeworfen und dann hat er -aus Angst vor dem Iran- den Eindruck erweckt, er hätte noch WMD, bevor er in letzter Sekunde zugab er hätte sie doch nicht.
Wie konnten die Waffeninspektoren mit Gewissheit sagen der Irak hätte keine Massenvernichtugswaffen mehr? Nein, die Inspektoren konnten nach anfänglichen Schwierigkeiten immer wieder das Land bereisen bis die Iraker ca. 1998 zur Überzeugung gelangten, dass es kein Ende nehmen würde. Und da hatten sie recht. Denn die Kontrollen im Verlauf des Massenvernichtungswaffen-Vorwurfs sind nur am Rande dazu da um Massenvernichtungswaffen zu finden, sondern um das Regime zu destabilisieren. Das Land ist ja nicht besetzt aber durch die nicht endenden Kontrollen ausländischer Gruppen an immer neuen Orten soll eine besatzungsähnliche Situation vermittelt werden. Für nationalistische Gruppen wie für die normale Bevölkerung eine Demütigung sondergleichen. Im günstigsten Fall wird damit das Regime gestürtzt, das diese Demütigung zugelassen hat. Aber normalerweise werden sie wie der Irak reagieren, oder vielleicht sogar selbst einen Krieg beginnen. Die Welt scheint so friedlich und einfach durch die rosarote Brille. Nebenbei, in der Militäranlage bei Parchin vermutet man einen Teststand für Zündsysteme die in Atombomben zur Anwendung kommen sollten. Falls das zutreffen würde wären da Versuche mit Hochgeschwindigkeits- und Präzisionssprengstoffe gemacht worden. Da nützt einem ein Geigerzähler kaum. Aber dem Militär auf den Füssen herumzutreten hat anderswo schon gereicht um einen Putsch aus zu lösen.
5. kontrolle ist besser als besserwisserei
digidoila 03.10.2012
Zitat von ein andererWie soll die IAEA jemals bestätigen können, dass etwas nicht da ist? ... Es durfte nicht sein, dass der Massenvernichtugswaffen-Vorwurf ins leere lief. ...Nun wird der Iran "irakisiert".
es würde ein leichtes sein, die iaea kontrollieren zu lassen, wenn sie nicht "leider leider" an der a bombe entwickeln würden. auf deutsch heisst es: beim wieder beim scheixxen erwischt, nur dass diesmal der haufen grösser ist.
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