Ahmadinedschad-Rede Iran verspottet Uno-Sanktionen

Der iranische Präsident Ahmadinedschad hat die Uno mit einer Spottrede über die Wirkungslosigkeit der Sanktionen gegen sein Land herausgefordert. Die Beschlüsse der Uno seien "Totgeburten", sagte er vor dem Parlament. Das Land beschloss ein dreitägiges Manöver mit neuen Raketentests.


Hamburg – In seiner Rede sagte Mahmud Ahmadinedschad, die Sanktionen hätten keinerlei Auswirkungen auf das iranische Nuklearprogramm. "Die Resolution war eine Totgeburt, und selbst wenn sie noch zehn solcher Resolutionen verabschieden, wird das Irans Wirtschaft und Politik nicht beeinträchtigen", sagte der Präsident vor Parlamentariern in der Hauptstadt Teheran.

Ahmadinedschad vor dem Parlament: "Fälschlicherweise sagen sie, dass Iran einen Preis gezahlt hat."
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Ahmadinedschad vor dem Parlament: "Fälschlicherweise sagen sie, dass Iran einen Preis gezahlt hat."

Der Uno-Sicherheitsrat hatte am 23. Dezember Sanktionen gegen Iran verhängt, um das Land zum Stopp seines Atomprogramms zu zwingen. Ahmadinedschad sieht sich seither wachsender Kritik in seinem Land ausgesetzt. Seine Gegner betonen, Ahmadinedschads Reden hätten die Konfrontation mit dem Westen verschärft. Zudem hatten die Anhänger des Präsidenten bei kommunalen Wahlen im Dezember eine Niederlage einstecken müssen. Bisher hat dieser seine Rhetorik aber nicht abgemildert.

Ahmadinedschad hielt seine Rede, die auch im iranischen Fernsehen übertragen wurde, anlässlich der Vorlage des Staatshaushaltes im Parlament. Er betonte: "Wir sind eine Nuklearnation geworden, ohne den Großmächten irgendwelche Zugeständnisse gemacht zu haben. Das ist ein großer Sieg, der dem Volk und dem Parlament gehört."

Wenn die Staaten des Uno-Sicherheitsrates betonten, Iran würde unter den Sanktionen zu leiden haben, sei das eine Lüge. "Sie wollen wie in einem psychologischen Krieg sagen, dass ihre Resolution sehr wirkungsvoll war. Fälschlicherweise sagen sie, dass Iran einen Preis gezahlt hat."

Iran wirft "Feinden" Ölpreis-Verschwörung vor

Der Iran hat unterdessen ein dreitägiges Manöver mit neuen Raketentests angekündigt. Die Militärübung von Einheiten der Revolutionsgarde beginne heute in der Nähe der Stadt Garmsar, berichtete das staatliche Fernsehen. Garmsar liegt 100 Kilometer südöstlich von Teheran am Rand der Kawir-Wüste. In dem Manöver sollen den Angaben zufolge auch Kurzstreckenraketen der Baureihen Salsal und Fadschr abgeschossen werden. Zuletzt gab es im November vergangenen Jahres ein großes Manöver der iranischen Streitkräfte.

Die Staaten des Westens werfen Iran vor, das Atomprogramm des Landes diene militärische Zwecken. Iran hat dies wiederholt zurückgewiesen.

Ahmadinedschad behauptete in seiner Rede zudem, "Feinde" des Landes würden durch eine Senkung der internationalen Ölpreise ökonomische Kriegsführung gegen Iran betreiben. Er sagte nicht, welche Länder er damit meinte.

Die Barrel-Preise für Rohöl, das wichtigste Exportgut Irans, sind in den vergangenen Wochen deutlich gefallen. Rohölhändler hatten in den letzten Tagen spekuliert, dass Saudi-Arabien sich bemühe, den Ölpreis zu drücken, um Iran zu schaden. Saudi-Arabien hat dies zurückgewiesen.

itz/AP



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