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Ahmadinedschad-Rede: Sicherheitsrat verurteilt Irans israelfeindliche Hetze

Der Weltsicherheitsrat hat die israelfeindlichen Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad verurteilt. Israel hatte sogar gefordert, Iran müsse aus der Uno ausgeschlossen werden.

Jerusalem/Teheran - Israel sei mit einer formalen Stellungnahme des Weltsicherheitsrates zufrieden, sagte die Sprecherin der israelischen Uno-Botschaft, Anat Friedman. Sie bestritt, dass der israelische Botschafter Dan Gillerman offiziell um eine Dringlichkeitssitzung gebeten habe.

Die gesamte internationale Gemeinschaft müsse zusammenstehen, "um die Iraner zu stoppen", hatte Israels Außenminister Silvan Schalom gefordert. Nach seiner Einschätzung könnte Iran in einem halben Jahr das Wissen für den Bau einer Atombombe besitzen. Teheran entwickle außerdem Raketen mit einer Reichweite von bis zu 3000 Kilometern.

Anti-Israel-Demo: Flaggenverbrennung in Teheran
AP

Anti-Israel-Demo: Flaggenverbrennung in Teheran

Ungeachtet der massiven internationalen Proteste legte Ahmadinedschad nach und bezeichnete seine Aussage, Israel müsse von der Landkarte getilgt werden, als "richtig und angemessen". Er wies die internationalen Proteste gegen seine Aussagen zurück. "Sie sind frei zu reden, aber ihre Worte haben keinen Gültigkeit", sagte der Präsident. Es sei klar, dass ein "richtiges und angemessenes" Wort eine Reaktion hervorrufe. Seine Worte seien "exakt" die Worte des iranischen Volkes, sagte der Präsident.

Der iranische Außenminister Manuschehr Mottaki hatte zuvor erklärt, Teheran könne das "zionistische Besatzungsregime" nicht anerkennen, weil es sich nicht an die Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats halte. Israel blühe und gedeihe auf der Grundlage des "Verderbens und des Exils der rechtmäßigen Besitzer des Landes". Die iranische Führung prangerte außerdem die "Gleichgültigkeit der europäischen Regierungen angesichts der Unterdrückung der Palästinenser und der Menschenrechstverletzungen in den beesetzten Gebieten" an.

Einflussreiche Geistliche des Mullah-Regimes versuchten unterdessen die Wogen zu glätten. Der frühere Präsident Akbar Haschemi-Rafsandschani betonte in seiner Freitagspredigt in Teheran, Iran respektiere sowohl Juden als auch das Judentum. "Wir haben keine Probleme mit Juden und dem hoch geschätzten Judentum als Buchreligion." Iran sei in "Palästina" nicht selber präsent, sondern unterstützte die Palästinenser lediglich "spirituell, ideologisch und medizinisch", betonte Rafsandschani.

Auf einer Kundgebung in Teheran forderten heute Zehntausende Iraner ebenfalls die Zerstörung Israels. Mit dem Ruf "Tod für Israel" zogen die Demonstranten durch die Straßen der iranischen Hauptstadt. An den Kundgebungen in Teheran und anderen iranischen Städten beteiligten sich Männer, Frauen und Kinder. Die Demonstranten in Teheran verbrannten israelische und US-Flaggen sowie ein Bild des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon.

Kandidaten für Selbstmordattentate hatten Attrappen von Sprengstoffgürteln umgebunden und trugen ein Spruchband mit der Aufschrift "Jerusalem ist unser". In einer über Lautsprecher verlesenen Erklärung hieß es, die Demonstranten unterstützten vollständig die Äußerungen von Ahmadinedschad. Die alljährliche El-Kuds-Kundgebung, die zur "Befreiung" Jerusalems (El Kuds) aufruft, war von Ajatollah Khomenei nach der Islamischen Revolution 1979 im Iran eingeführt worden.

Morgen sollten unter anderem auch in Berlin und Köln islamistische Demonstrationen zum El-Kuds-Tag stattfinden. Das Berliner Bündnis gegen den El-Kuds-Tag rief zu einer Gegenkundgebung auf. Unterstützer der Gegenkundgebung sind unter anderen die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Marieluise Beck (Grüne), FDP-Generalsekretär Dirk Niebel, die Linkspartei-Abgeordnete Petra Pau, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, und der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat.

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