Tödlicher Unfall des A400M Airbus-Flieger stürzte wegen Software-Problemen ab

Der tödliche Absturz eines nagelneuen A400M-Militärtransporters hatte eine technische Ursache: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurden durch Software-Probleme drei Triebwerke direkt nach dem Start abgeschaltet.

Abgestürzter Airbus A400M: Softwareprobleme führten zum Crash
DPA/ Spanish Police

Abgestürzter Airbus A400M: Softwareprobleme führten zum Crash

Von und


Die Ursache für den Absturz eines nagelneuen Militärtransportflugzeugs vom Typ A400M am 9. Mai in Sevilla scheint identifiziert worden zu sein. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE haben die Ingenieure von Airbus Military ein Softwareproblem in der Steuerungseinheit der Triebwerke entdeckt, das den Ausfall von gleich drei Treibwerken verursacht haben soll.

Die Nachforschungen ergaben ein deutliches Ergebnis: Kurz nach dem Start der Testmaschine hatten drei Triebwerke von den Computern widersprüchliche Befehle erhalten und daraufhin die Leistung abgeschaltet.

Die Piloten, die den A400M testen wollten, hätten nichts unternehmen können, heißt es aus Airbus-Kreisen. Sie versuchten zwar noch, das 45 Meter lange Flugzeug zurück zum Flugplatz in Sevilla zu steuern, konnten es aber nicht mehr kontrollieren. Die Maschine streifte einen Strommast, schlug auf einem Acker auf und brannte fast vollständig aus.

Video: SPIEGEL-Redakteur Gerald Traufetter über die Ursache

SPIEGEL ONLINE
Airbus räumt Qualitätsproblem in Sevilla-Werk ein

Der Unfall ist das schwerste Unglück seit der Entwicklung des A400M: Vier Insassen starben, zwei konnten mit schweren Verletzungen aus der Maschine gerettet werden. Nach dem Crash berichtete einer von ihnen bereits von einem Ausfall von mehreren Triebwerken, dies wollte Airbus aber nicht bestätigen.

Seitdem untersuchen Beamte der Militärischen Flugunfallermittlungsstelle (BEAD) in Paris die Ursache für den Absturz des Transportfliegers, der für die türkische Armee bestimmt war. Parallel dazu werteten allerdings auch die Airbus-Ingenieure Daten aus, die das Flugzeug auf seinem Erstflug in Echtzeit an die Bodenstation des Flugzeugherstellers übertragen hat.

"Es handelt sich sehr wahrscheinlich um ein Qualitätsproblem in unserem Werk", heißt es aus Airbus-Kreisen. In den letzten Monaten wurde deshalb das gesamte Management der Airbus-Tochter in Sevilla ausgetauscht. Damals reagierte Airbus-Chef Tom Enders auf die deutlich verzögerte Auslieferung der Maschinen, unter anderem für die deutsche Luftwaffe. DER SPIEGEL hatte zudem über Qualitätsprobleme bei der Auslieferung des ersten deutschen A400M berichtet.

Am Dienstag versandte Airbus an alle Kunden des A400M eine eindringliche Alarmmeldung. Laut der sogenannten "Alert Operator Transmission" (AOT) können die erkannten Softwareprobleme zu einem "Ausfall der Triebwerkskontrolle" führen. Deswegen habe Airbus alle Kunden über "notwendige Aktionen" informiert, um dem Problem zu begegnen.

Flugverbot für A400M aufgehoben

Der Flugzeugbauer hofft trotzdem, das kurz nach dem Unfall verhängte Flugverbot für den A400M zeitnah aufheben zu können. Es gebe einen Test, mit dem man zweifelsfrei klären könne, ob die Steuerungseinheit der Triebwerke den gleichen Fehler habe wie der Unglücksflieger, so ein Airbus-Sprecher zu SPIEGEL ONLINE. Man habe mit der europäischen Flugaufsichtsbehörde EASA Gespräche geführt und die Beamten dort überzeugen können, dass die Fluggenehmigung für den A400M nicht aufgehoben wird.

Das französische Militär will angeblich schon heute mit einem ihrer A400M abheben.

Die Luftwaffe bleibt jedoch skeptisch. Kurz nach dem Crash in Sevilla hatte der Inspekteur Karl Müllner einen sofortigen Flugstopp für den einzigen bisher an Deutschland ausgelieferten A400M verhängt. Aus Luftfahrtkreisen hieß es am Dienstag, der Stopp des Tests gelte so lange, bis die Absturzursache von Sevilla zweifelsfrei geklärt ist und man eindeutig klären konnte, das ein möglicher Fehler nicht ein zweites Mal passiert.

Schon kurz nach dem Absturz gingen die Experten bei der Luftwaffe von einem Softwarefehler bei der Spritversorgung aus, da ein so fataler Abfall der Leistung kurz nach dem Start anders kaum zu erklären ist. Im Verteidigungsministerium war zu hören, dass man vor einer Wiederaufnahme des Testbetriebs die offizielle Untersuchung der Behörden abwarten wolle.

Im Video: Augenzeugenbericht zum Absturz des A400M

REUTERS

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 223 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hapebo 19.05.2015
1. Mal Probieren!
Vorschlag: beim 1.Testflug das komplette Management von Airbus incl.H.Enders mit an Bord und dann schaun mer mal wie es ausgeht.
bohrendeworte 19.05.2015
2. Schöne Neue Welt
Tja - kleinste Fehler lösen eine Katastrophe aus, weil jeder in der Entwicklung nur mit Segmenten beschäftigt ist. Wer erklärt das den Familien der Opfer?
johann_sebastian 19.05.2015
3.
Also war es ein Bug in der Controller Software. Toll. Bei soetwas darf man sich keine Bugs leisten. Da demjenigen, der die entsprechenden Zeilen Code schrieb, 100% klar sein wird, dass er selbst den Tod von 4 Menschen und die Verstümmelung 2er weiterer auf dem Gewissen hat, ist das hoffentlich Strafe genug. Intern wird bei einem entsprechenden Entwicklerteam und gemeinsamer Dokumentation wahrscheinlich niemals herauskommen, wer den Fehler jetzt speziell gemacht hat. Ist auch unwichtig. Zeigt einfach, dass die QA der Entwickler mehr Zeit und Ressourcen benötigt. Schuld ist somit der allgegenwärtige Profitzwang.
midastouch 19.05.2015
4. Qualität vs. Zeit
Das Management wurde ausgetauscht, weil es Verzögerungen gab. Jetzt geht es schneller, aber die Qualität stimmt nicht. Klingt nach einem Klassiker der Wirtschaftswelt: irgendjemand weiß es besser und sagt "Das geht doch schneller!" und am Ende bleibt die Qualität auf der Strecke.
Leser161 19.05.2015
5. Softwareakkzeptanzproblem
Ich sehe das als Akzeptanzproblem. Viele Anwender sehen Software nicht als richtiges Produkt, dass ist ja keine Brücke, das ist ja nur ein bisschen Getippe. Das kann ja nicht solange dauern und soviel kosten. Naja, geht vielleicht bei ner App dieser Ansatz. Was bei einem hochkomplexen Produkt wie einer Flugzeugsoftware passiert, wenn man nicht ordentlich arbeitet und umfangreich testet haben wir gerade gesehen. Tragisch das für solche Lernprozesse immer wieder Menschen sterben müssen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.