Sinai Großbritannien vermutet IS hinter Airbus-Absturz

Ist der Flugzeugabsturz über dem Sinai die Tat des "Islamischen Staats"? Der britische Außenminister hält einen Bombenanschlag der Terrororganisation mittlerweile für sehr wahrscheinlich.


Großbritannien hält es offenbar für immer plausibler, dass die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) für den Absturz des russischen Passagierflugzeugs in Ägypten verantwortlich ist. Es bestehe eine "beträchtliche Möglichkeit", dass der IS das Flugzeug zum Absturz gebracht habe, sagte Außenminister Philip Hammond dem britischen Sender Sky Television. Man habe verschiedene Quellen ausgewertet.

Auch der britische Premierminister äußerte sich am Donnerstag zu dem Absturz. "Wir können nicht sicher sein, dass das russische Passagierflugzeug von einer terroristischen Bombe zum Absturz gebracht wurde", sagte David Cameron. "Aber es sieht mit zunehmender Wahrscheinlichkeit so aus, als sei das der Fall gewesen." Ein Anschlag sei wahrscheinlicher, als dass es keiner war.

Bereits am Mittwochabend hatten Regierungsvertreter hinter den Kulissen diesen Verdacht geäußert. Zuvor hatte Großbritannien mitgeteilt, es gebe Hinweise darauf, dass ein Sprengkörper an Bord der Maschine den Absturz verursacht hat.

Video: David Cameron zum Airbus-Absturz

Europäische und amerikanische Sicherheitsexperten sagten der Nachrichtenagentur Reuters, die vorhandenen Spuren deuteten darauf hin, dass der IS eine Bombe an Bord der Maschine geschmuggelt habe. Die Untersuchungen zur Absturzursache sind aber noch nicht abgeschlossen.

Bei dem Absturz kurz nach dem Start vom Urlaubsort Scharm al-Scheich am Roten Meer waren alle 224 Menschen an Bord getötet worden. Unmittelbar danach hatte ein Ableger des IS behauptet, dafür verantwortlich zu sein. Details würden "zu gegebener Zeit" bekannt gegeben. Am Mittwoch wiederholten Extremisten im Namen des IS-Ablegers auf dem Sinai in einer Audionotiz ihre Behauptung.

Die Behörden in Russland und Ägypten bezeichneten einen Anschlag zunächst als unwahrscheinlich. Die Agentur Interfax wiederum berichtete über ungewöhnliche Geräusche, die kurz vor dem Absturz von der Blackbox aufgezeichnet worden seien.

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Airbus-Absturz auf dem Sinai: Suche nach der Unglücksursache
Russlands Ministerpräsident Dmitrij Medwedew sagte bei einem Kabinettstreffen, es sei zu früh für Schlussfolgerungen. Die Absturzursache sei nach wie vor unklar. Ein namentlich nicht genannter Experte sagte der russischen Zeitung "Kommersant", er halte die von Ägypten geäußerte Theorie eines explodierten Triebwerks für unwahrscheinlich. "Die Detonation wäre vermutlich nicht so stark, um die Maschine zum Absturz zu bringen", sagte er dem Blatt.

Ägyptens Luftfahrtminister sagte, es gebe keinen Hinweis dafür, dass eine Explosion das Flugzeug zum Absturz gebracht habe.

Russland bestätigte Angaben aus Ägypten, wonach der Stimmenrekorder des Airbus A321 beschädigt sei. Hingegen seien die Informationen vom Flugschreiber an Ermittler weitergegeben worden, teilte eine Untersuchungskommission der Agentur Interfax zufolge in Moskau mit.

Großbritanniens Außenminister Hammond bekräftigte die Entscheidung, Scharm al-Scheich vorerst nicht mehr anzufliegen. Es würden kurzfristige Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen organisiert, sagte der Außenminister. Derzeit hängen etwa 9000 Briten in der Urlaubsregion fest, sie sollen vermutlich am Freitag heimkehren können.

Auch die Niederlande stoppten als Reaktion auf den Absturz alle Flüge in den Badeort. Bis Sonntag solle der dortige Airport nicht mehr angeflogen werden. Derzeit befänden sich 408 Niederländer in der Region.

Ein russischer Abgeordneter kritisierte den britischen Flugstopp. Die Entscheidung sei politisch motiviert und richte sich gegen den russischen Einsatz in Syrien, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

brk/syd/dpa/Reuters

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halvehahn 05.11.2015
1. Noch schneller als die USA nach 9.11.
Schon klasse, so ne seriöse Aufarbeitung nach einem Flugzeugabsturz. Früher brauchte man Monate bis zu ersten Ergebnissen, heute kann man sowas schon quasi über Nacht auswerten.
stepanus34 05.11.2015
2. Wieso?
Inwieweit sollte das die Russen treffen wenn die Engländer Scharm al-Scheich nicht mehr anfliegen? Weiß jemand was?
360° 05.11.2015
3. Die perverse Logik des Terrors.
Zunächst bombt Putin in Wohngebiete, weil er dort gemäßigte Rebellen vermutet. Tote Kinder und Frauen stören ihn dabei nicht. Was er nicht erwartet hat war, dass, im Gegensatz zu Tschetschenien, die Bilder davon um die Welt gehen. Nun fühlen sich Islamisten in Ägypten bemüssigt, sich an Unschuldigen zu rächen. Worauf Putin nun wohl noch heftiger in Syrien bombadieren wird. noch mehr Menschen ihr Leben oder, wenn sie Glück haben, nur ihr Haus verlieren, noch mehr menschen ihre Heimat verlassen müssen und gezwungen sind sich auf den Weg zu uns zu machen. Worauf in der Arabischen Welt weitere Anschläge auf Russen kommen werden. Das alles ist eine perverse Logik, die nur viele tote Kinder und Mütter und unschuldige Männer kostet. Auf beiden Seiten.
Duzend 05.11.2015
4. Sie meinen
Also bisher hat man ja nur gewusst, dass es ein Tier gewesen sein muss, und deshalb nach Säcken gesucht. Jetzt hat doch England - als ganze Nation, versteht sich - tatsächlich einen Katzensack gefunden! Boah! Sofort Meldung machen! Oder waren es die USA, Ägypten? Egal. Jedenfalls dieser Katzensack enthält, nach allem, was man so fühlt, ein - Dings. "Katze" wäre zuviel gesagt, aber, ja, höchstwahrscheinlich eben doch ein Tier. Herauslassen oder herumzeigen kann man es nicht. Dazu wäre es noch zu früh. Und es könnte das Tierchen verschrecken. Aber man könnte etwas glauben - z.B. "Katze", aber gesagt hat das noch keiner. Wenn jetzt also alle, die einen kurzen medialen Blick auf den Katzensack werfen durften, schön nach Hause gehen und am besten schnellstmöglich ihre Fixierung auf "Katze" vergessen wollen, dann sehen wir alle morgen schon viel klarer. Dann zeigen wir sie zwar auch nicht, aber wir könnten eine Umfrage unter denen machen, die heute schon dabei waren und sich inzwischen ihre Gedanken zur "Katze" oder zur "Nicht-Katze" - eben das weiss man ja nicht - gemacht haben. In der Zwischenzeit hole ich mal das Näpfchen mit dem Whiskas und gebe es mit in den Sack. Nicht, dass da morgen, wenn wir dann aller Wahrscheinlichkeit nach über das Thema "Katze" sprechen werden, keiner mehr im Sack ist, der miauen könnte. Gelle? Liebe Westvertuscher und Vorverurteiler, geht es noch suggestiver? Es kann auch ein Fernlenkanschlag gewesen sein, und hier wird einfach alles getan, das nur ja nicht zu thematisieren. Müssen sich ja süffig lesen, die Bücher von Edward Bernays und Co.
localpatriot 05.11.2015
5. Wo ist die Firma Airbus
Wenn eine Boeing irgendwo zu Schaden kommt, hört man immer schnell von Mitarbeitern der Herstellerfirma vor Ort oder als Berater. Warum versteckt sich die Firma Airbus hier? Man könnte erwarten dass da jemand interessiert ist. Bis das Ergebnis steht, weiss man nie was am Ende herauskommt.
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