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Aktivisten-Gruppe Avaaz in Syrien: Die Journalisten-Schmuggler

Von , Beirut

Zwei Reporter sind in Syrien gestorben, drei werden vermisst, einem gelang die Flucht in den Libanon. Sie waren heimlich ins Land gereist, organisiert hatte den Schmuggel die Aktivistengruppe Avaaz. Wer steckt hinter dem Netzwerk?

Kaum war der Journalist Paul Conroy im sicheren Libanon angekommen, da kam auch schon eine E-Mail, die erklärte, wie sich der vor einer Woche im syrischen Homs verletzte Brite hatte retten können. "Heute hat ein Netzwerk syrischer Aktivisten unter der Koordination der weltweiten Organisation Avaaz dem internationalen Journalisten Paul Conroy geholfen, in den Libanon zu fliehen", hieß es in der Mitteilung vom Dienstag.

Avaaz beschreibt sich selbst als "Organisation für globale Kampagnen" und ist schon lange in Syrien aktiv: Seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad hat Avaaz geholfen, ein Netzwerk von 200 Bürgerreportern zu etablieren, die aus dem Land berichten. Vor allem aber hat die Gruppe Regimegegner bei deren Schmuggleraktivitäten unterstützt. Auf Schleichwegen über die grüne Grenze zum Libanon haben Aktivisten in den vergangenen Monaten regelmäßig Medikamente und ausländische Journalisten nach Syrien gebracht. Avaaz, die mit einem kleinen Team in der libanesischen Hauptstadt Beirut präsent sind, habe diese Einsätze koordiniert, erklärte die Organisation ebenfalls am Dienstag.

Auch während der Revolutionen in Ägypten und Libyen hatte Avaaz die dortigen Rebellen unterstützt. Dabei hatte die Gruppe den Einheimischen vor allem Kommunikationstechnik wie Satellitentelefone zur Verfügung gestellt. Dass sich Avaaz in Libyen und auch jetzt in Syrien zumindest auf organisatorischer Ebene in bürgerkriegsähnliche Konflikte eingeschaltet hat, entspricht dabei nicht unbedingt dem Profil der Gruppe.

Sammelbecken für Aktivisten

Das Motto der 2007 gegründeten Organisation lautet: "Die Welt in Aktion." Avaaz will "von der Welt, die wir haben, zu einer, die die meisten Leute haben wollen" kommen. Die Gruppe ist ein Sammelbecken für Aktivisten aus allen Ecken des Planeten mit allen erdenklichen Anliegen. Vom Bienensterben bis zur Kampagne für fair gehandelte Schokolade, von Aufrufen "Rettet die Ozeane" bis zu Aktionen gegen den britisch-australischen Medienmogul Rupert Murdoch reichen die Aktionen. Bei Avaaz wird ein großes Sammelsurium an Missständen angeprangert.

Auch im Kampf gegen das Anti-Piraterieabkommen Acta mischen die Aktivisten mit. Am Dienstag wurde das EU-Parlament aufgefordert, das Projekt zu Fall zu bringen. Wie das Parlament mitteilte, haben rund 2,5 Millionen Menschen eine Petition gegen Acta im Internet unterzeichnet, die das Avaaz-Netzwerk dem Petitionsausschuss in Brüssel übergab.

Gegründet wurde die Organisation, die sich durch und auf maximal 5000 Dollar begrenzte Spenden ihrer Mitglieder finanziert, von einigen altgedienten Kämpen internationaler Nichtregierungsorganisationen. Gründungspräsident Ricken Patel arbeitete lange Jahre für die "International Crisis Group", andere Vorstandsmitglieder rekrutieren sich aus den Reihen bekannter US-amerikanischer und australischer NGO wie ResPublica, GetUp! und MoveOn.org. "Avaaz" ist das persische Wort für "die Stimme", die die Gruppe ihren Mitgliedern geben will.

Die Organisation setzt gemeinhin auf die Wirksamkeit von E-Mails: Auf der Homepage können die Nutzer per Mausklick vorformulierte Petitionen verschicken. Ebenso einfach kann man Avaaz-Mitglied werden. Über 13 Millionen sollen es nach Zählung der Organisation inzwischen sein. Kritiker bemängeln, dass Avaaz etwas für Pseudo-Aktivisten sei, die sich dort mit dem geringst möglichen Aufwand das gute Gewissen erkaufen könnten, etwas gegen das Unrecht in der Welt getan zu haben.

Reporter unter Feuer

Indem Avaaz geholfen hat, Journalisten nach Syrien zu schmuggeln, hat die Organisation nun unter Umständen eine Mitverantwortung für deren Wohlergehen übernommen. Die Gruppe von insgesamt sechs ausländischen Reportern war am vergangenen Mittwoch im Homser Stadtteil Baba Amr unter schweren Beschuss geraten. Die US-Amerikanerin Marie Colvin und der französische Fotograf Rémi Ochlik waren dabei getötet worden.

Die vier Überlebenden hätten mit der Hilfe von insgesamt 35 syrischen Aktivisten seitdem jede Nacht versucht, aus der belagerten Stadt zu entkommen, so Avaaz in einer Erklärung. Auch in der Nacht zum Dienstag habe die Gruppe die Flucht gewagt, doch nur Conroy habe es bis in den Libanon geschafft.

Die Reporter seien unter Feuer geraten und drei syrische Aktivisten bei dem Versuch, die Ausländer aus Baba Amr zu lotsen, getötet worden, erklärte Avaaz. Von dem spanischen "El Mundo"-Korrespondenten Javier Espinosa, der verletzten - für "Le Figaro" arbeitenden - Französin Edith Bouvier und ihrem Fotografen William Daniels fehle seitdem jede Spur.

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1. Mitverantwortung wofür?
Zeitenwende2012 29.02.2012
Zitat von sysopREUTERS/ YouTubeZwei Reporter sind in Syrien gestorben, drei werden vermisst, einem gelang die Flucht in den Libanon. Sie waren heimlich ins Land gereist, organisiert hatte den Schmuggel die Aktivistengruppe Avaaz. Wer steckt hinter dem Netzwerk? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,818361,00.html
Ich denke, das ein Hauptanliegen aller, die bei Avaaz teilnehmen, ob aktiv oder als Unterstützer, die Selbstverantwortung jedes einzelnen ist. Die Journalisten sind nicht gezwungen worden, nach Syrien zu reisen. Sie wussten sicher auch, dass dies nicht gefahrlos ist. Wieso also kommt Frau Putz auf die Idee, die Organisation Avaaz wäre mitverantwortlich? Verantwortlich sind in erster Linie die Menschen, welche andere Menschen töten. Diese werden ihre Gerechtigkeit erleben, davon ist auszugehen. Außerdem sind Journalisten dafür verantwortlich, welche Nachrichten sie verbreiten. Wenn jemand unvoreingenommen berichtet, ist dies sicher im Sinne aller. Denn jedes Individuum hat das Bestreben, sich seine Meinung selbst zu bilden. Wenn jemand die ideoloschen Grenzlinien zieht, mit Pauschalisierungen und Teilinformationen ein halbherziges Bild der Sache zeichnet, so wird auch dies irgendwann auf den Verfasser zurückfallen. Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Taten. Achte auf deine Taten, denn sie werden Gewohnheit. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.
2. Avaaz
Duschvorhang 29.02.2012
Freut mich, dass hier ein kritischer Bericht über Avaaz kommt. Ich persönlich frage mich bei dieser in Washington ansässigen Organisation, die hohe Politiker für sich werben lässt, ob sie wirklich frei von Lobby-Interessen ist. Dagegen spricht natürlich, dass sie einen persischen (=iranischen) Namen hat. Oder? Allgemeine Frage zum Nachdenken: wenn du die Wahrheit kennen würdest, und sie wäre schrecklich, würdest du sie aussprechen?
3. Jein
angst+money 29.02.2012
Zitat von DuschvorhangFreut mich, dass hier ein kritischer Bericht über Avaaz kommt. Ich persönlich frage mich bei dieser in Washington ansässigen Organisation, die hohe Politiker für sich werben lässt, ob sie wirklich frei von Lobby-Interessen ist. Dagegen spricht natürlich, dass sie einen persischen (=iranischen) Namen hat. Oder? Allgemeine Frage zum Nachdenken: wenn du die Wahrheit kennen würdest, und sie wäre schrecklich, würdest du sie aussprechen?
Es gibt bei fast allen Organistaionen fragwürdige Punkte. Die Mails von Avaaz sind seltsame Selbst-Ermutigungs-Botschaften; eine Mischung aus Motivations-Training und Werbung. Und dass ein Klick wenig 'kostet' (und wenig bringt) stimmt auch. Das sollte aber nicht zum Vorwand werden, gar nichts mehr zu tun. Im Idealfall sollte man sich eingehender mit der Thematik beschäftigen und dann entscheiden was man tut. Und dabei nicht vergessen: Unter Millionen ist man nur ein kleines Fizzelchen, im positiven wie im negativen. Wenn das bei einigen Leuten schon für ein reines Gewissen reicht - bitteschön. Man sollte versuchen, sich nicht so wichtig zu nehmen. Und zu Ihrer allgemeinen Frage: Wo wäre der Sinn darin, es nicht zu tun? Leider gibt es zu viele, die genau das von sich glauben - die Wahrheit zu kennen.
4. Zur Information
seine-et-marnais 29.02.2012
Zitat von DuschvorhangFreut mich, dass hier ein kritischer Bericht über Avaaz kommt. Ich persönlich frage mich bei dieser in Washington ansässigen Organisation, die hohe Politiker für sich werben lässt, ob sie wirklich frei von Lobby-Interessen ist. Dagegen spricht natürlich, dass sie einen persischen (=iranischen) Namen hat. Oder? Allgemeine Frage zum Nachdenken: wenn du die Wahrheit kennen würdest, und sie wäre schrecklich, würdest du sie aussprechen?
Gestern abend hat Sarkozy Reportern gesagt dass die franzoesische Journalistin nicht mehr in Syrien ist. Nach seinem Meeting konnte er dies allerdings nicht bestaetigen, kam in den Fernsehnachrichten. Woher wusste Sarkozy dass da eine Aktion ablief. Da duerften mit Sicherheit nicht nur einige Idealisten, sondern viel staerker Nachrichtendienste mitmischen.
5. arikel
zukunft007 29.02.2012
Zitat von sysopREUTERS/ YouTubeZwei Reporter sind in Syrien gestorben, drei werden vermisst, einem gelang die Flucht in den Libanon. Sie waren heimlich ins Land gereist, organisiert hatte den Schmuggel die Aktivistengruppe Avaaz. Wer steckt hinter dem Netzwerk? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,818361,00.html
Seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad hat Avaaz geholfen, ein Netzwerk von 200 Bürgerreportern zu etablieren, die aus dem Land berichten. Vor allem aber hat die Gruppe Regimegegner bei deren Schmuggleraktivitäten unterstützt. Auch während der Revolutionen in Ägypten und Libyen hatte Avaaz die dortigen Rebellen unterstützt. und jetzt wundern sie sich,warum sie nicht freundlich aufgenommen werden? Zu avaaz gibts einiges zu sagen. U.a. einartysken: AVAAZ - Seite an Seite mit Al Qaida Häuptling Belhadj (http://einarschlereth.blogspot.com/2012/02/avaaz-seite-seite-mit-al-qaida.html?showComment=1329688428153#c1585179191081667848) Ihre Petitionen klangen immer sehr menschenfreundlich und unterstützenswert. Hat auch bei mir etwas gedauert,bis ich mich mal näher mit dieser Gruppe befasst habe und meine Unterstützung gekündigt habe.
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Karte

Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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