Proteste gegen Tibet-Politik Chinesische Polizei prügelt Aktivisten zu Tode

Schwere Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizisten in Westchina: Zwei Tibet-Aktivisten haben sich angezündet, ein Mensch soll gestorben sein, nachdem Polizisten ihn verprügelten. Erst im Januar war es in der Region zu blutigen Aufständen gekommen.

Bewaffnete chinesische Polizisten marschieren durch die Stadt Aba in Sichuan (Archivfoto)
AFP

Bewaffnete chinesische Polizisten marschieren durch die Stadt Aba in Sichuan (Archivfoto)


Peking - Sie kamen mit Knüppeln und nagelbewehrten Keulen: Polizisten haben nach Augenzeugenberichten in den Provinzen Sichuan und Qinghai im Westen Chinas einen Protest gegen die chinesische Tibet-Politik brutal niedergeschlagen. Ein Mann starb, nachdem Staatsbeamte ihn verprügelten, berichtet Radio Free Asia.

Mit den Protesten reagierten die Demonstranten auf einen Vorfall vom Montagmittag: In der Präfektur Aba (Provinz Sichuan) hatten sich zwei Männer nahe dem Kloster Kirti angezündet, um auf Chinas Tibet-Politik aufmerksam zu machen. Nach Angaben eines Augenzeugen sollen die Männer von der Polizei in Gewahrsam genommen und dann weggebracht worden sein. Danach hätten die Beamten die Straße räumen wollen, wobei es zu den Auseinandersetzungen kam. Einer der beiden Männer, die sich anzündeten, soll nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Free Tibet mittlerweile gestorben sein, der andere sei schwer verletzt. Von offizieller Seite gibt es bisher keine Angaben.

Die Auseinandersetzungen sind die heftigsten in Sichuan seit einer Serie von Protesten im Januar. Nach Polizeiangaben waren damals zwei Protestanten ums Leben gekommen, Menschenrechtsorganisationen sprechen von mindestens sechs Toten. Auch in der angrenzenden Provinz Qinghai kam es nach Angaben von Free Tibet zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, als Protestanten in der Klosterstadt Tongren gegen die Politik der Regierung demonstrierten. Ob es auch dort Verletze gab, ist bisher unklar. Seit 2009 haben sich fast 50 tibetische Aktivisten in China aus Protest selbst angezündet, davon mindestens 17 Mönche aus Kirti. Seit der Eroberung Tibets durch China im Jahr 1950 gibt es immer wieder Unabhängigkeitsbestrebungen in der Region.

Die erneuten Proteste fallen in eine sensible Phase für die chinesische Regierung. Die Führung der Kommunistischen Partei wird Ende des Jahres ausgetauscht werden, interne Machtkämpfe geraten zunehmend an die Öffentlichkeit. Zuletzt hatte Gu Kalai, die Frau des ehemaligen hochrangigen KP-Funktionärs Bo Xilai, für Schlagzeilen gesorgt: Sie ist angeklagt, einen britischen Geschäftsmann ermordet zu haben.

jls/AP

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