Prozess in Ägypten Al-Dschasira-Reporter bleiben in Haft

Die Farce geht weiter: Im Prozess gegen Mitarbeiter des TV-Senders al-Dschasira hat der Richter die Freilassung der Angeklagten verweigert. Auch am vierten Verhandlungstag legte die Staatsanwaltschaft keine Beweise für den Vorwurf vor, die Journalisten seien Anhänger der Muslimbruderschaft.

Al-Dschasira-Korrespondent Greste (Mitte unten) im Gerichtssaal: Terrorprozess ohne Beweise
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Al-Dschasira-Korrespondent Greste (Mitte unten) im Gerichtssaal: Terrorprozess ohne Beweise


Kairo - Immerhin durften die Angeklagten am Montag den Käfig im Gerichtssaal erstmals verlassen. Der Australier Peter Greste und die anderen beschuldigten Mitarbeiter des TV-Senders al-Dschasira nutzten den Verhandlungstag in Kairo zu einem Plädoyer in eigener Sache:

"Ich bin ein Journalist mit 30 Jahren Berufserfahrung und erst zwei Wochen vor meiner Festnahme in Ägypten gelandet", sagte Greste, der in Handschellen vor Richter Mohammed Nagi Schahata trat. "Die Idee, ich würde mit der Muslimbruderschaft verbunden sein, ist grotesk."

Greste war im vergangenen Dezember in Kairo festgenommen worden. Die ägyptische Staatsanwaltschaft wirft ihm und 19 weiteren Angeklagten vor, die Muslimbruderschaft unterstützt zu haben, die inzwischen als Terrororganisation eingestuft worden ist. Außerdem hätten sie Berichte gefälscht, um Ägypten zu schaden.

Foltervorwürfe gegen die Justiz

Beweise dafür haben die Ankläger bislang jedoch nicht präsentiert. Ein Polizeibeamter sollte am Montag ein Video vorlegen, das belegen soll, dass al-Dschasira Nachrichten gefälscht hat. Der Polizeibeamte erschien auch am vierten Prozesstag in Folge nicht. Der Richter hat nun ein Ermittlungsverfahren gegen den Polizisten angeordnet.

Der Angeklagte Mohammed Fahmi, der sowohl die ägyptische als auch die kanadische Staatsbürgerschaft besitzt, forderte seine sofortige Freilassung. Er sei ein Liberaler, der westlich lebe und lange im Ausland gewesen sei, sagte der Journalist. "Haben Sie jemals von einem muslimischen Terroristen gehört, der Alkohol trinkt", fragte Fahmi den Richter.

Das Gericht lehnte die Freilassung der Angeklagten gegen die Zahlung einer Kaution jedoch ab. Der Prozess wurde auf den 10. April vertagt.

Bis dahin sollen auch die Foltervorwürfe geklärt werden, die einige Angeklagte erhoben haben. Schadi Abd al-Hamid sagte, die Beschuldigten seien drei Tage lang verprügelt worden, "um Sachen zu gestehen, die wir überhaupt nicht begangen haben". Richter Schahata ordnete eine Untersuchung der Männer an. Drei Angeklagte sind nach eigenen Angaben aus Protest gegen ihre Inhaftierung in den Hungerstreik getreten.

syd/AP/dpa

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norman.schnalzger 31.03.2014
1. Ägyptisch Justiz
unter Sisi oder Scharia unter Mursi dürfte wohl ziemlich egal sein. Auf jaden Fall Verbrecher
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