Toulouse-Attentäter Al-Dschasira schickt Merah-Videos an französische Polizei

Die französische Polizei ist in den Besitz von Videoaufzeichnungen der tödlichen Anschläge des Serien-Attentäters Merah gelangt. Der arabische Fernsehsender al-Dschasira hat den Behörden nach Angaben aus Polizeikreisen entsprechende Kopien zukommen lassen.


Paris - Die Aufnahmen sollen einen Zusammenschnitt der Morde des Toulouse-Attentäters Mohammed Merah zeigen: Der arabische Fernsehsender al-Dschasira hat den französischen Behörden Kopien der Videos geschickt. Nach Angaben aus Polizeikreisen sind die Video mit Musik unterlegt und mit Versen aus dem Koran besprochen. Französische Ermittler hatten zuletzt bestätigt, dass Merah all seine Bluttaten gefilmt hatte.

"Man sieht alle Taten drauf", sagte am Dienstag der Pariser Büroleiter des Senders, Zied Tarrouche, dem TV-Kanal BFM. Die Chefredaktion werde entscheiden, ob Teile davon gesendet werden.

Merah hatte bei drei Attentaten insgesamt sieben Menschen erschossen, darunter drei Kinder und einen Lehrer vor einer jüdischen Schule in Toulouse. Er wurde am vergangenen Donnerstag nach mehr als 30-stündiger Belagerung seiner Wohnung von Elitepolizisten erschossen.

Merahs Vater kündigte am Montagabend von seinem Wohnsitz in Algerien aus an, Frankreich wegen der Tötung seines Sohns verklagen zu wollen. Die Sicherheitsbehörden hätten seinen Sohn lebendig fassen müssen, kritisierte er. Zudem kündigte der Vater an, dass Merah in Algerien bestattet werden solle.

Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen hatte Merah weder zu einer Terrorgruppe gehört noch ein Trainingscamp in Afghanistan besucht. "Nach unserer Kenntnis gab es keine Zelle", sagte Staatschef Nicolas Sarkozy am Montag in einem Radiointerview. "Er hat kein Ausbildungslager absolviert, er war an keiner religiösen Hochschule und er hat sich nicht an terroristischen Handlungen beteiligt." Merah habe sich über das Internet selbst radikalisiert, sagte Sarkozy.

Bevor Merah am vergangenen Donnerstag bei der Stürmung seiner Wohnung getötet wurde, hatte er sich selbst als Gotteskrieger bezeichnet und erklärt, dem Terrornetzwerk al-Qaida nahezustehen.

hen/dpa/AFP

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