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Schwere Geheimdienstpanne: Französischer Agent soll zu al-Qaida übergelaufen sein

US-Angriff auf Nusra-Camp in Syrien: Der Ex-Agent hat die Attacke überlebt Zur Großansicht
AP/ US Central Command

US-Angriff auf Nusra-Camp in Syrien: Der Ex-Agent hat die Attacke überlebt

Die ersten US-Luftangriffe auf Syrien hatten offenbar ein besonders brisantes Ziel: einen ehemaligen französischen Agenten, der für al-Qaida kämpft. Das behaupten Mitarbeiter europäischer Geheimdienste.

Hamburg - Es klingt nach einer Geschichte wie aus einem Thriller-Drehbuch: Ein französischer Geheimdienstagent scheidet aus dem Dienst aus - und taucht später als Mitglied des Terrornetzwerks al-Qaida in Syrien auf. Doch offenbar hat sich diese unwahrscheinliche Geschichte tatsächlich zugetragen.

Bei ihrer ersten Welle von Angriffen auf Ziele in Syrien am 23. September hat die US-Armee anscheinend versucht, genau diesen ehemaligen französischen Agenten auszuschalten. Das bestätigten mehrere europäische Geheimdienstmitarbeiter dem US-Journalisten Mitchell Prothero. Sie sagten, der Mann sei der ranghöchste Überläufer, der sich jemals al-Qaida angeschlossen habe. Zwei Geheimdienste nannten unabhängig voneinander den Namen des Agenten, der jedoch aus Sorge um die Sicherheit seiner Familie und aus Angst vor einer Strafverfolgung wegen Geheimnisverrats bislang nicht veröffentlicht wurde.

Der Überläufer hat den Angriff offenbar überlebt

Der Agent habe im französischen Militär- oder Auslandsgeheimdienst gearbeitet und sich später der Nusra-Front in Syrien angeschlossen - dem örtlichen Ableger des Qaida-Netzwerks. Unklar ist, ob der Mann als sogenannter Schläfer in den Geheimdienst eingeschleust wurde oder sich erst später radikalisierte. Er soll ein Sprengstoffexperte sein und zwischenzeitlich für al-Qaida in Afghanistan gekämpft haben.

Der Ex-Agent hat die Angriffswelle, die sich insgesamt auf acht Einrichtungen der Nusra-Front in Syrien konzentrierte, offenbar überlebt. Das behauptet zumindest ein europäischer Geheimdienstmitarbeiter.

Aus Sicht der westlichen Dienste sei dieses Szenario eine große Peinlichkeit und "ein epischer Albtraum" für Frankreich, sagte eine von Protheros Quellen. Deshalb hätten die USA offenbar auch versucht, den Mann mit einer Cruise Missile zu töten, anstatt ihn gefangen zu nehmen. Ein Geheimdienstler sagte: "Einige Probleme werden vielleicht am besten für immer unter einem Schutthaufen begraben."

syd

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1. Die Kosten einer Cruise Missile belaufen sich auf 1 Mio. Dollar
Dosenpirat 06.10.2014
Soviel Geld auszugeben gegen eine Person, die auch noch einen französischen Pass hat und das ohne richterlichen Beschluss. Das ist wirklich die Steigerung von der Tötung duch Drohnen nun mit High-tec Raketen. Wir können davon ausgehen, dass diese Art von Waffen auch über uns kreisen wird und wir dann auch ohne richterlichen Beschluss abgemurkst werden. Der Westen verlässt die Zone seiner demokratischen Grundordnung und hat zunehmend Defizite in der Argumentation.
2. Das würde zumindest erklären
sushiboi 06.10.2014
warum die bisherigen Angriffe offensichtlich nahezu keine Wirkung auf die Angriffsfähigkeiten des IS hatten. Der eine Überläufer scheint wichtiger zu sein, als viele Hundert oder wenn Kobane fällt mglw. auch Tausend zivile Opfer. Alles Kollateralschäden in einem kleinen Privatkrieg.
3. Der syrische Dorfpolizist geht mit Haftbefehl vorbei und nimmt den Mann mit.
Beat Adler 06.10.2014
Zitat von DosenpiratSoviel Geld auszugeben gegen eine Person, die auch noch einen französischen Pass hat und das ohne richterlichen Beschluss. Das ist wirklich die Steigerung von der Tötung duch Drohnen nun mit High-tec Raketen. Wir können davon ausgehen, dass diese Art von Waffen auch über uns kreisen wird und wir dann auch ohne richterlichen Beschluss abgemurkst werden. Der Westen verlässt die Zone seiner demokratischen Grundordnung und hat zunehmend Defizite in der Argumentation.
Der syrische Dorfpolizist geht mit Haftbefehl vorbei und nimmt den Mann mit, erklaert ihm seine Rechte und steckt ihn in eine Zelle. Die Kombination eines Ex-Geheimdienstlers aus Frankreich mit den genialen Bamonbenbauern der Al Kaida aus Jemen ist toedlich. Eine Million Dollar zur Abwendung dieser Gefahr ist spottbillig. Den Bombenbauern der Al kaida im Jemen ist es bereits gelungen eine Bombe im Innern des Koerpers eines Selbstmordattentaeters unterzubringen. Der hat damit ein Mitglied des Koenigshauses Al Saud in die Luft gesprengt. Was ist an den Flugplaetzen los, wenn die Passagiere auf Bomben im Inneren ihrer Koerper untersucht werden muessen? mfG Beat
4. Daher läßt sich feststellen:
onlinematter 06.10.2014
Zitat von DosenpiratSoviel Geld auszugeben gegen eine Person, die auch noch einen französischen Pass hat und das ohne richterlichen Beschluss. Das ist wirklich die Steigerung von der Tötung duch Drohnen nun mit High-tec Raketen. Wir können davon ausgehen, dass diese Art von Waffen auch über uns kreisen wird und wir dann auch ohne richterlichen Beschluss abgemurkst werden. Der Westen verlässt die Zone seiner demokratischen Grundordnung und hat zunehmend Defizite in der Argumentation.
Das Primat der Politik ist auf die Geheimdienste übergegangen. Zudem wurde GG20/3 faktisch abgeschafft.
5. LIEBER Vorredner...
linkereuropäischerpatriot 06.10.2014
...hört endlich auf, euch die Welt schön, gut und gerecht zu reden!
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