Anschlag auf Iran-Botschaft in Beirut Al-Qaida bombt gegen Assads Verbündete

Al-Qaida nimmt Teheran ins Visier: Der Selbstmordanschlag auf die iranische Botschaft in Beirut verschärft den weltweiten Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten. Das Attentat mit mindestens 23 Toten schürt die Angst im Nahen Osten.

Von Ulrike Putz, Beirut


Die Attentäter schienen einen ausgeklügelten Plan zu haben: Der erste Bomber wollte mit einem Sprengstoffgürtel ein Loch in die Schutzmauer der iranischen Botschaft in Beirut sprengen. Der zweite Attentäter, der in einem zu einer rollenden Bombe umgebauten Auto wartete, hätte dann durch das Loch rasen und die Botschaft in Schutt und Asche legen können.

Doch der Plan, auf den von libanesischen Sicherheitskräften ausgewertete Aufnahmen von Überwachungskameras schließen lassen, lief schief. Die erste Bombe konnte der Außenmauer des Botschaftskomplexes nichts anhaben. Der zweite Täter zündete seinen Sprengsatz deshalb dort, wo er auf seinen Einsatz gewartet hatte: zwei Blocks von der Botschaft entfernt.

23 Menschen sind nach jüngsten Zählungen am Dienstag bei dem Doppelanschlag im Beiruter Stadtteil Bir Hassan gestorben, 146 wurden zum Teil schwer verletzt. Unter den Toten waren mindestens zwei Iraner: Der Kultur-Attaché Ibrahim Ansari und ein Wachmann der Botschaft.

Die Botschaft und die umliegenden schicken Apartmentblocks - Granitverkleidung, Pförtnerlogen, in den Parkbuchten Mercedes, Porsches und Audis - lagen in Trümmern, als eine Stunde nach den Detonationen immer noch Verletzte abtransportiert wurden. Die Wucht der Explosion hatte die Bäume entlaubt, auf den Blätterteppich auf dem Asphalt prasselte Wasser: Hoch oben in den Gebäudegerippen waren die Wasserrohre geborsten.

"Gegen Selbstmordanschläge kann man sich nicht schützen"

Auf den Straßen zeigte sich wie schon bei den jüngsten Anschlägen auf schiitische Ziele im Libanon, wer im Zedernstaat das Sagen hat. Zwar standen auch einige Soldaten untätig herum und bewachten ausgebrannte Autos. Doch es waren in Zivil gekleidete Männer der Schiitenmiliz Hisbollah, die entschieden, wer Zugang zum Anschlagsort erhielt und wem die Parlamentarier der Organisation Interviews gaben.

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Anschlag in Beirut: Attentat auf Irans Botschaft
Die schiitische Hisbollah betreibt im Libanon einen Staat im Staat, der in großen Teilen von Iran finanziert wird. Auch der Einsatz von Spezialeinheiten der Miliz, die an der Seite der Regimetruppen im syrischen Bürgerkrieg kämpfen, wird von Iran bezahlt und orchestriert. Der jetzige Anschlag auf Teherans Vertretung im Libanon ist die Quittung dafür: Sunnitische Extremisten wollen die Hisbollah und Iran dafür bluten lassen, dass sie das Regime Baschar al-Assads stützen.

Am Nachmittag bekannten sich die Abdullah-Azzam-Brigaden zu dem Doppelanschlag. Die in mehreren Ländern operierenden Dschihadisten sehen sich als Teil von al-Qaida. Im Libanon agieren sie von dem berüchtigten Palästinenserlager Ain al-Hilwa aus. Der zur Truppe gehörende Geistliche Scheich Siradsch al-Din Suraikat teilte über den Online-Kurznachrichtendienst Twitter mit, seine Gruppe habe den Anschlag auf die iranische Vertretung verübt. Er drohte mit weiteren Angriffen im Libanon, bis sich Iran aus dem Bürgerkriegsland Syrien zurückziehe. Suraikat forderte zudem die Freilassung von im Libanon inhaftierten Mitstreitern.

"Größte Gefahr für die weltweite Sicherheit"

Der Anschlag vom Dienstag wird den ewigen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten weiter anfachen. Unter dem Eindruck des syrischen Bürgerkrieges, bei dem die Frontlinie grob zwischen Sunniten und verschiedenen schiitischen Konfessionsgemeinschaften verläuft, haben die Spannungen zwischen den beiden Religionsgruppen in der ganzen Region deutlich zugenommen. Die Sorge, dass der Konflikt sich zu einem Krieg in Nahost auswachsen könnte, wächst. Vor zehn Tagen nannte der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif den Konflikt zwischen den beiden muslimischen Konfessionen die "größte Gefahr für die weltweite Sicherheit".

Die Ängste der Libanesen waren am Dienstag akuter: Seit Jahren hat es in dem Land keine Selbstmordattentate gegeben. Nun sind sie zurück und rufen schreckliche Erinnerungen an den libanesischen Bürgerkrieg wach. "Gegen Selbstmordanschläge kann man sich nicht schützen", sagte Sabine Amr, die die Explosion in ihrer zwei Straßen von der iranischen Botschaft entfernt gelegenen Wohnung überlebte. "Autobomben kann man mit Straßensperren aufhalten, aber ein Mann mit einem Sprengstoffgürtel kommt überall durch", sagte die 46-Jährige weinend. "Jetzt geht das wieder los."



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insgesamt 31 Beiträge
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Gerd Weghorn 19.11.2013
1. Mit Terroristen leben lernen, das ist die Devise!
Zitat: "Gegen Selbstmordanschläge kann man sich nicht schützen", sagte Sabine Amr, die die Explosion in ihrer zwei Straßen von der iranischen Botschaft entfernt gelegenen Wohnung überlebte. "Autobomben kann man mit Straßensperren aufhalten, aber ein Mann mit einem Sprengstoffgürtel kommt überall durch", sagte die 46-Jährige weinend." So ist es. Und da diese Erkenntnis auch dem Pentagon gekommen sein könnte / müsste / sollte, so ist dessen Argument, für den Krieg gegen den Terrorismus jahrein jahraus an die 1 Billionen Dollar für "den Schutz" der USA sowie der westlichen Wertegemeinschaft an der Feind- bzw. an der eigenen "Heimatfront" ausgeben zu müssen, nichts weiter als die große Lüge. Terroranschläge sind der Preis der Freiheit. Wir haben ihre Folgen so zu ertragen, wie wir für die Freiheit des Straßenverkehrs jahrein jahraus den Tod von 4.000 Menschen und 50.000 Verletzten billigend in Kauf nehmen. Terroranschläge sind zivilisatorische "Naturkatastrophen": jeder Alpenbewohner weiß, dass es gefährdete Hanglagen gibt, gegen deren Gewalt der Mensch hilflos ist und bleiben wird. Terroranschläge lassen sich weder voraussehen noch verhindern; die von den Gesellschaften getroffenen Vorsorgemaßnahmen sind nichts weiter als Bluff, als eine Beruhigungspille - und auch die Verfolgung der Straftäter ändert nichts an der Tatsache, dass es Menschen gibt, die keinen anderen Weg zur Durchsetzung ihrer Ziele sehen als den, die herrschende Ordnung zu destabilisieren. Terroranschlägen kann man nur damit begegnen, dass man die Terroristen verachtet und ignoriert, dass man ihnen durch Großdemonstrationen und durch die Fortführung des gewohnten Tagesablaufs verdeutlich: "ihr könnt uns nicht klein kriegen, wir wollen von euch nichts wissen, ihr könnt uns mal!"
spon-facebook-10000376778 19.11.2013
2. optional
An Gerd Weghorn. Also sollen wir einfach Tatenlos zusehen wie solche Leute, Unschuldige in die Luft sprengen! Das ist keine "zivilisatorische Naturkatastrophen". Das hat auch nichts mit dem "Preis der Freheit" zutun. Es hat was mit dem verklärten Bild unserer Welt zutun, an dass diese Leute glauben. Und solange es solche falsch auslegungen von Religionen gibt, wird es auch solche vorfälle geben.
stefansaa 19.11.2013
3.
Zitat von Gerd WeghornZitat: "Gegen Selbstmordanschläge kann man sich nicht schützen", sagte Sabine Amr, die die Explosion in ihrer zwei Straßen von der iranischen Botschaft entfernt gelegenen Wohnung überlebte. "Autobomben kann man mit Straßensperren aufhalten, aber ein Mann mit einem Sprengstoffgürtel kommt überall durch", sagte die 46-Jährige weinend." So ist es. Und da diese Erkenntnis auch dem Pentagon gekommen sein könnte / müsste / sollte, so ist dessen Argument, für den Krieg gegen den Terrorismus jahrein jahraus an die 1 Billionen Dollar für "den Schutz" der USA sowie der westlichen Wertegemeinschaft an der Feind- bzw. an der eigenen "Heimatfront" ausgeben zu müssen, nichts weiter als die große Lüge. Terroranschläge sind der Preis der Freiheit. Wir haben ihre Folgen so zu ertragen, wie wir für die Freiheit des Straßenverkehrs jahrein jahraus den Tod von 4.000 Menschen und 50.000 Verletzten billigend in Kauf nehmen. Terroranschläge sind zivilisatorische "Naturkatastrophen": jeder Alpenbewohner weiß, dass es gefährdete Hanglagen gibt, gegen deren Gewalt der Mensch hilflos ist und bleiben wird. Terroranschläge lassen sich weder voraussehen noch verhindern; die von den Gesellschaften getroffenen Vorsorgemaßnahmen sind nichts weiter als Bluff, als eine Beruhigungspille - und auch die Verfolgung der Straftäter ändert nichts an der Tatsache, dass es Menschen gibt, die keinen anderen Weg zur Durchsetzung ihrer Ziele sehen als den, die herrschende Ordnung zu destabilisieren. Terroranschlägen kann man nur damit begegnen, dass man die Terroristen verachtet und ignoriert, dass man ihnen durch Großdemonstrationen und durch die Fortführung des gewohnten Tagesablaufs verdeutlich: "ihr könnt uns nicht klein kriegen, wir wollen von euch nichts wissen, ihr könnt uns mal!"
Das müssten Sie jetzt nur noch solchen Leuchten wie Herrn Friedrich erklären. Terror entsteht in den Köpfen lautet die einfache Quintessenz Ihres sehr guten Beitrages. Schützen können wir uns lediglich, in dem wir den Terroristen zeigen, dass unsere Freiheit nicht durch sie eingeschränkt wird. Leider bewegen wir uns da mit Totalüberwachung und Vorratsdatenspeicherung in die völlig falsche Richtung.
habenichts2 19.11.2013
4. Terror ist keine Beliebigkeit
Zitat von sysopREUTERSAl-Qaida nimmt Teheran ins Visier: Der Selbstmordanschlag auf die iranische Botschaft in Beirut verschärft den weltweiten Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten. Das Attentat mit mindestens 23 Toten schürt die Angst im Nahen Osten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/al-qaida-bekennt-sich-zum-anschlag-auf-iranische-botschaft-in-beirut-a-934452.html
Den Terror kann man wohl nicht ganz verhindert aber minimieren! Dazu mussen die USA und ihre Vasallen zur Einsicht kommen, dass man den Terror nicht unterstützen darf. Das geschah in Libyen und geschieht weiter in Syrien. Auch im Irak wurden Terroristen gezüchtet. Das Gleiche geschieht heute in Afghanistan! Die deutschen Fanatiker , die in Syrien kämpfen werden eines Tages zurückkehren! Und dann werden sie als Lohn für die heutige Unterstützung durch die Nato und USA in Deutschland bomben. Es gibt keinen guten und bösen Terror! Torror ist immer menschenfeindlich!
ein anderer 19.11.2013
5. ...
Zitat von sysopREUTERSAl-Qaida nimmt Teheran ins Visier: Der Selbstmordanschlag auf die iranische Botschaft in Beirut verschärft den weltweiten Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten. Das Attentat mit mindestens 23 Toten schürt die Angst im Nahen Osten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/al-qaida-bekennt-sich-zum-anschlag-auf-iranische-botschaft-in-beirut-a-934452.html
Ob es tatsächlich diese Gruppe war die sich nun dazu bekannte ist auch nicht sicher. Schon oft haben radikale Gruppen einen Anschlag für sich verbuchen wollen obwohl sie nichts damit zu tun hatten. Es steigert ihr Ansehen und erleichtert die Anwerbung weiterer Extremisten. Z.B wurde der Anschlag in Pakistan, der Franzosen zum Ziel hatte, auch der Al-Kaida zugesprochen. Erst spätere Enthüllungen zeigten auf, der Anschlag war vom Umfeld des pakistanischen Geheimdienst verübt worden und als Botschaft gedacht gewesen. Die Vorbereitung zum jetztigen Anschlag scheint auch weniger auf die Planung durch die Bärtigen hinzuweisen. Da haben noch andere die Finger im "Spiel".
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