Terrorwarnungen: USA sollen Qaida-Konferenzschalte abgehört haben

Aiman al-Sawahiri (Archivbild 2011): Der Qaida-Chef soll zur Konferenzschalte eingeladen haben Zur Großansicht
AP/ IntelCenter

Aiman al-Sawahiri (Archivbild 2011): Der Qaida-Chef soll zur Konferenzschalte eingeladen haben

Woher kamen die Informationen, die zur Schließung etlicher diplomatischer Vertretungen der USA führten? Eine US-Website berichtet nun, der Geheimdienst habe eine Konferenzschalte von 20 Top-Terroristen abgehört. Alle wichtigen Qaida-Anführer besprachen darin demnach ihre Pläne.

Es klingt reichlich abenteuerlich. Rund 20 Top-Terroristen sitzen virtuell zusammen. Sie sind einander zugeschaltet. Wie - ob beispielsweise über Internet, Telefonnetz oder Satellitenfunk -, ist unklar.

Aiman al-Sawahiri, der Chef des Terrornetzes al-Qaida, hat zum Plausch gerufen. Er verkündet, dass der Jemenite Nasser al-Wuhaischi nun die neue Nummer zwei al-Qaidas ist. Anschließend spricht man vage über eine geplante Attacke - und davon, dass bereits Teams vor Ort seien.

Diese Konferenzschalte soll der Auslöser für die amerikanischen Terrorwarnungen gewesen sein. So erzählten es drei US-Beamte, denen die Geheimdiensterkenntnisse bekannt sind, der amerikanischen Nachrichtenwebseite "The Daily Beast". Das Medium ist keine Satireseite. Zwei ernstzunehmende Journalisten, zuständig für Sicherheitspolitik, haben den Artikel verfasst.

"Wie ein Treffen der Bruderschaft der Verdammnis"

"Es war wie ein Treffen der Bruderschaft der Verdammnis", erzählte ein US-Geheimdienstler. Zugeschaltet gewesen sein sollen neben Qaida-Chef Aiman al-Sawahiri und Nasser al-Wuhaischi aus dem Jemen auch die Anführer anderer regionaler Qaida-Ableger wie al-Qaida in Nordafrika (AQIM), al-Qaida im Irak (AQI), die pakistanischen Taliban oder auch Nigerias Radikalislamisten von Boko Haram.

Selbst recht unbekannte Gruppen wie al-Qaida in Usbekistan beziehungsweise solche, die erst noch im Entstehen sind, wie al-Qaida auf der Sinai-Halbinsel, seien dabei gewesen, erzählen die US-Geheimdienstler. Für radikalislamistische Terrorgruppen ist es interessant, sich um das Qaida-Siegel zu bewerben. Man verspricht sich davon besseren Zugang zu Geld, Propagandakanälen, Spezialwissen und anderen Ressourcen. Kurz: eine größere Reichweite und Wirkung, als wenn man allein und nur lokal auftreten würde.

Die Terrorwarnungen der USA haben bei vielen Experten Fragen aufgeworfen. Manche mutmaßten, angesichts der mysteriösen Warnungen müsse es sich um eine Finte handeln, um vom NSA-Überwachungsskandal abzulenken. Auch diese Woche bleiben weiterhin mindestens 19 amerikanische Botschaften und Konsulate geschlossen, verkündete das US-Außenministerium.

Das sind erstaunlich viele, verteilt über eine weite Region. Außer Ländern im Nahen Osten wie Ägypten, Jemen, Libyen oder Jordanien sind etwa auch Burundi und Ruanda darunter sowie Madagaskar. Gleichzeitig machten am Montag mehrere US-Vertretungen in womöglich gefährlicheren Regionen wieder auf - etwa in Afghanistan und im Irak. Möglicherweise geht man dort davon aus, dass die amerikanischen Konsulate und Botschaften deutlich besser gesichert sind als anderswo.

Der Artikel klärt einige Rätsel, wirft aber auch neue Fragen auf

Der Bericht über die Konferenzschalte mit dem guten Dutzend Terrorchefs aus aller Welt könnte nun erklären, warum eine solche große Zahl von Botschaften in so verschiedenen Ländern betroffen ist. Doch er wirft gleichzeitig neue Fragen auf, wenn das von den US-Geheimdienstlern beschriebene virtuelle Treffen der Terrorfürsten tatsächlich stattgefunden hat.

Wie kann es sein, dass Qaida-Chef Sawahiri Konferenzschalten mit den Regionalablegern hält und ihnen Anweisungen erteilt? US-Präsident Barack Obama hatte nach dem Tod Osama Bin Ladens immer wieder betont, die US-Regierung hätte das Zentralkommando des Terrornetzwerks in schwere Bedrängnis gebracht. Diese Beschreibung scheint nun nicht mehr unbedingt zutreffend.

Auch die aktuelle Entscheidung der US-Regierung, öffentlich die Schließung so vieler Vertretungen zu verkünden, erscheint fragwürdig. Man hätte auch die Nahost-Botschaften dichtmachen können und dies mit den Feiertagen zum Ende des muslimischen Ramadan-Fastenmonats begründen können.

Washington wollte wohl mit allen Mitteln einen weiteren Fall wie Bengasi vermeiden, wo 2012 der US-Botschafter bei einem Sturm aufs Konsulat ums Leben kam. Anschließend war der Obama-Regierung ein laxer Umgang mit Terrorwarnungen vorgeworfen worden. Doch sollte es den US-Geheimdiensten tatsächlich gelungen sein, bei virtuellen Qaida-Schalten mit am Tisch zu sitzen, sind die Terroristen nun gewarnt. In Zukunft dürften sie auf andere Kommunikationswege zurückgreifen.

ras

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insgesamt 79 Beiträge
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1. Überwachung ist wichtig
Flinsenberger 07.08.2013
Glauben Sie mir. Wenn wir Sie nicht Tag und Nacht alle überwachen, kommen die Terroristen und bringen Sie alle um! Wirklich! So haben wir alleine in der letzten Woche mindestens zweiunddrölfzig geplante Anschläge verhindert, deren Planung bereits geplant war. Glauben Sie mir. Vertrauen Sie. Precrime ist Ihr Freund. Oder sind sie etwa gegen uns? Was haben Sie zu verbergen?
2. Ach so
panameño 07.08.2013
... deshalb die ganze Überwachung. Ist klar. Kann man ja gar nicht dagegen sein.
3. Ich kann mir den Spass vorstellen den
hdudeck 07.08.2013
Zitat von sysopAP/ IntelCenterWoher kamen die Informationen, die zur Schließung etlicher diplomatischer Vertretungen der USA führten? Eine US-Website berichtet nun, der Geheimdienst habe eine Konferenzschalte von 20 Top-Terroristen abgehört. Alle wichtigen Qaida-Anführer besprachen darin demnach ihre Pläne. http://www.spiegel.de/politik/ausland/al-qaida-conference-call-soll-von-nsa-mitgehoert-worden-sein-a-915328.html
die Herren von Al Qaida dabei hatten, als sie die NSA und Co Kg derart veraeppelt haben. Schoen waage, so das die USA in Panik alles meogliche schliessen und das Leben der Normalbuerger wieder einmal ein bischen unbequemer machen. Von den Kosten ganz zu schweigen. Wirklich gelungen.
4. Hahaha
carscho 07.08.2013
Ja, genau! So wie bei Dr. Evil sitzen alle an einem Tisch und planen die Welt zu vernichten... Die, die nicht persönlich da sein können sind über eine AT&T Konferenzleitung dazugeschaltet und Austin Powers, ähhh, die NSA hören mit. Diese Panikschürerei gehört halt dazu, den Überwachungsstaat zu rechtfertigen. Aber so langsam wird es grotesk!
5. Sehr schön!
exilfries 07.08.2013
Es kommt genauso, wie es gestern erst unter einem ähnlichen Artikel in den meisten Kommentaren geheißen hat: Eine Rechtfertigung für die Überwachung! Alle Welt weiß mittlerweile, dass Telefon und Internet überwacht werden, aber die verabreden sich immer noch auf derartige Wege? Aber wie kann man eine Konferenzschaltung abhören, ohne zu wissen, wo die beteiligten Personen sich aufhalten? Entweder hat die Konferenz nie stattgefunden oder die haben die Lauscher verar***t!
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