Terrorwarnungen: Qaida-Leck schwächt US-Geheimdienste
Anfang August brüsteten sich die USA damit, eine Telefon-Konferenz des Terrornetzwerks al-Qaida abgehört zu haben. Seither halten sich die militanten Islamisten mit ihrer Handy-Kommunikation zurück. Die Geheimdienste fangen kaum noch Informationen ab.
Washington - Es war ein echter Geheimdienst-Coup, der den USA Anfang August gelungen war. US-Agenten hörten damals eine Konferenzschalte zwischen Qaida-Chef Aiman al-Sawahiri und zahlreichen anderen Top-Terroristen ab.
Die abgehörten Gespräche waren der Auslöser für Terrorwarnungen der US-Behörden. Die USA schlossen damals 19 Botschaften in der islamischen Welt - offenbar hatten die Qaida-Kommandeure über unmittelbar bevorstehende Anschläge gesprochen. US-Agenten bewerteten die Pläne als "einen der ernsthaftesten Terror-Plots seit dem 11. September 2001".
Doch mittelfristig könnte das Bekanntwerden des Geheimdiensterfolgs den US-Behörden geschadet haben. Laut einem Bericht der "New York Times" hat al-Qaida seine Aktivitäten in dem Kommunikationskanal, der von den Agenten überwacht wurde, deutlich zurückgefahren. "Der Schalter wurde nicht ganz umgelegt", aber die Qualität der abgehörten Gespräche habe seit August deutlich nachgelassen, sagte ein anonymer US-Beamter der Zeitung.
"Sie wissen, dass wir sie abhören"
Die Enthüllung des Qaida-Plans habe deshalb besondere Auswirkungen, weil ein spezifisches Ereignis den Terroristen klarmachte, dass ihr Kommunikationsnetzwerk abgehört wurde. Besonders die Gespräche zwischen Qaida-Kommandeuren im Jemen hätten seither deutlich abgenommen.
Laut "New York Times" fürchtet die US-Regierung, dass die Zahl der abgefangenen Qaida-Botschaften in den kommenden Monaten weiter zurückgehen könnte. Die militanten Islamisten könnten sich nun erneut darauf beschränken, ausschließlich mit Hilfe von Kurieren zu kommunizieren, die schriftliche Notizen oder USB-Sticks von einem Kommandeur zum anderen bringen.
Langfristig könne al-Qaida jedoch nicht ohne Mobiltelefone funktionieren. "Sie wissen, dass wir sie abhören, aber sie benutzen sie trotzdem. Du kannst so eine ausgeklügelte Organisation nicht ohne moderne Kommunikationsmittel führen."
Um ihre elektronische Kommunikation vor dem Zugriff der Geheimdienste zu schützen, haben al-Qaida und andere Terrorgruppen eine eigene Verschlüsselungssoftware entwickelt. Erst im September veröffentlichte die Globale Islamische Medienfront, der Propagandaarm von al-Qaida, ein Verschlüsselungsprogramm, das Nachrichten und Daten auf Android- und Symbian-Handys sichern soll.
Uneinigkeit herrscht in US-Geheimdienstkreisen derzeit noch darüber, ob Edward Snowdens Enthüllungen für das veränderte Kommunikationsverhalten von al-Qaida verantwortlich sind. Ein Agent sagt: "Viele dieser Typen glauben nicht, dass sie davon betroffen sind, und es ist schwierig für sie, das ganze Zeug zu verstehen."
syd
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