Istanbul - Wegen des umstrittenen Mohammed-Films hat al-Qaida offen zum Mord an amerikanischen Diplomaten aufgerufen. Al-Qaida im Islamischen Maghreb begrüßte in einer Stellungnahme den Tod des US-Botschafters in Libyen, Christopher Stevens, der bei einem Angriff auf das Konsulat in Bengasi am 11. September ums Leben kam. In der Botschaft wird die Tötung Stevens' als "Geschenk" bezeichnet. Es wird mit neuen Anschlägen in Algerien, Tunesien, Marokko und Mauretanien gedroht.
Die Terrorgruppe rief ebenfalls dazu auf, die Produzenten des umstrittenen Videofilms über den Propheten Mohammed zu töten. In ihrer Erklärung, die am Dienstag auf Islamisten-Websites veröffentlicht wurde, hieß es, wer einen Propheten beleidige, müsse hingerichtet werden. Das Netzwerk warf der US-Regierung vor, dass sie die Menschen, die dieses Video produziert hatten, schützt. Die Gruppe ruft ihre Sympathisanten zu weiteren Protesten gegen den in den USA produzierten Videofilm auf, in dem Mohammed als brutaler Lüstling dargestellt wird.
Der Produzent des Films ist inzwischen abgetaucht, nachdem ihn Beamte der Sicherheitsbehörden von Los Angeles befragt hatten.
Am vergangenen Wochenende hatte ein weiterer Ableger al-Qaidas - die Gruppe al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel - bereits eine ähnliche Erklärung abgegeben. Sie rief die Muslime in den arabischen Staaten dazu auf, durch Massenproteste die Ausweisung aller US-Botschafter zu erzwingen.
Offenbar als Vergeltung für das im Internet kursierende Video verübten militante Islamisten am Dienstag in Afghanistan einen Selbstmordanschlag, bei dem es mindestens zwölf Tote gab. Die Attentäterin steuerte ihren mit Sprengstoff beladenen Wagen in der Nähe des Flughafens in einen Minibus. Bei den Opfern handelt sich um Arbeiter, die der Bus zum Airport bringen sollte, wie die Polizei erklärte.
Bundespolizei schützt deutsche Botschaften in Nordafrika
Die radikal-islamische Hesb-i-Islami des früheren Premierministers Gulbuddin Hekmatjar übernahm die Verantwortung für den Anschlag auf der Flughafenstraße. Ihr Sprecher Subair Seddiki sagte in einem Telefongespräch, es habe sich um einen Vergeltungsanschlag für das Mohammed-Video gehandelt.
Nach dem Sturm der deutschen Botschaft im Sudan Ende vergangener Woche hat die Bundesregierung konkrete Maßnahmen eingeleitet, um deutsche Vertretungen in Nordafrika besser zu schützen. Wie die Nachrichtenagentur dpa aus Sicherheitskreisen erfuhr, sollen in den kommenden Wochen zusätzliche Bundespolizisten an die Botschaften in Libyen, Ägypten, Tunesien und Sudan entsandt werden. Darüber hatte auch die "Bild"-Zeitung berichtet.
Polizisten aus dem sogenannten Hausordnungs- und Objektschutzdienst sollten an anderer Stelle - zum Beispiel von Botschaften in Europa - abgezogen und nach Nordafrika geschickt werden. Insgesamt gehe es um 19 mögliche Stellen, hieß es.
fab/dpa/dapd
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