Albanien-Besuch Bush fordert schnelle Unabhängigkeit für das Kosovo

George W. Bush macht in der Kosovo-Frage Druck: Der US-Präsident drängt auf eine schnelle Uno-Entscheidung für die Unabhängigkeit der serbischen Krisenprovinz - notfalls gegen Russlands Willen.


Tirana - Im Streit um die Zukunft des Kosovo hat sich US-Präsident George W. Bush klar für die Unabhängigkeit der serbischen Provinz ausgesprochen und zugleich eine schnelle Lösung angemahnt. Der Uno-Sicherheitsrat müsse die Entscheidung für eine Unabhängigkeit des Gebiets zügig treffen, sagte Bush heute während eines Besuchs in Albanien. Sollte Russland einen Beschluss weiter blockieren, werde der Westen handeln.

US-Präsident Bush mit Albaniens Ministerpräsident Albanian Berisha: Gute Freunde
AP

US-Präsident Bush mit Albaniens Ministerpräsident Albanian Berisha: Gute Freunde

"Unabhängigkeit ist das Ergebnis. Wir müssen diesen Prozess voranbringen", sagte Bush in Tirana. Die USA bemühten sich weiterhin um eine Lösung im Rahmen der Vereinten Nationen, aber "wenn offensichtlich ist, dass eine Vereinbarung nicht relativ zügig zustande kommt, dann müssen wir nach meiner Einschätzung die Resolution vorantreiben. Das heißt: eine Frist setzen."

Auf Nachfrage schien Bush sich in der Frage eines Ultimatums zunächst korrigieren zu wollen, blieb aber dann doch bei seiner Haltung. "Ich glaube nicht, dass ich von einem Stichtag gesprochen habe. Ich dachte, ich habe gesagt, Zeit - Ich habe das gesagt? Was genau habe ich gesagt? Ich habe Stichtag gesagt? Okay, ja, dann habe ich gemeint, was ich gesagt habe", zitierte die Nachrichtenagentur dpa den Präsidenten.

Zunächst würden US- Außenministerin Condoleezza Rice und die US-Diplomatie aber weiter hart daran arbeiten, mit Moskau und anderen Partnern zu einer Gemeinsamkeit auf Grundlage der Pläne von Uno-Vermittler Martti Ahtisaari zu kommen. Der Ahtisaari-Plan sieht eine kontrollierte Unabhängigkeit des seit 1999 unter Uno-Verwaltung stehenden Kosovos vor. Bush warnte vor den Folgen, wenn die Erwartungen der albanischen Bevölkerungsmehrheit im Kosovo nicht erfüllt würden. Die Regierung der von der Nato gesicherten Provinz drohte zuletzt damit, ihren eigenen Weg zu gehen und die Unabhängigkeit ohne internationale Unterstützung auszurufen.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte Fortschritte in der Kosovo-Frage zuletzt beim G-8-Gipfeltreffen in Heiligendamm blockiert. Er pocht auf eine Lösung, die von seinen serbischen Verbündeten akzeptiert wird, und droht mit einem Veto im Sicherheitsrat. Serbien wehrt sich gegen eine Abspaltung des von der Uno verwalteten Gebiets und ist maximal zu einer weitgehenden Autonomie bereit.

Jubel in Albanien, Proteste in Sofia und Rom

Bush ist der erste amtierende US-Präsident, der Albanien besucht hat. Das Land gehört zu den engsten Verbündeten der USA, seit der damalige US-Präsident Bill Clinton sich in der Nato dafür eingesetzt hat, die serbische Offensive gegen den Kosovo 1999 mit Luftangriffen zu stoppen. Der Besuch in Tirana war die vorletzte Station von Bushs Europa-Reise, die am Montag in Bulgarien enden soll.

In Albanien wurde Bush betont herzlich begrüßt. Ministerpräsident Sali Berisha sprach von Bush als "größtem Freund Albaniens". Präsident Alfred Moisiu überreichte ihm den "Nationalen Fahnenorden" als Dank für die "historische Rolle zum Schutz der Freiheit, Demokratie und der nationalen Rechte für die albanische Nation".

In Sofia und der italienischen Hauptstadt Rom war der US-Präsident zuvor mit Protesten empfangen worden. Während es in Bulgarien friedlich blieb, kam es in Rom zu Ausschreitungen. Mehrere Menschen wurden verletzt, darunter auch Polizisten.

phw/AFP/dpa/Reuters



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