Syrien Clown von Aleppo bei Luftangriff getötet

Als Clown wollte er die Kinder in Aleppo für einige Zeit den Krieg vergessen lassen. Nach Medienberichten ist der Sozialarbeiter nun bei einem Luftangriff ums Leben gekommen.

Anas al-Basha
Ahmad al-Khatib, AP

Anas al-Basha


Seit Wochen wächst das Leiden der Menschen in Aleppos Rebellengebieten. Die Regimeoffensive verschärft die Situation noch. Nun ist es in Aleppo noch ein bisschen düsterer geworden: Anas al-Basha, der als Clown verkleidet die Kinder in den eingekesselten Stadtteilen für einige Zeit von der schrecklichen Lage abzulenken versuchte, ist nach einem Bericht des britischen Nachrichtensenders BBC getötet worden.

Der 24-Jährige soll im Viertel al-Mashhad bei einem Luftangriff ums Leben gekommen sein, berichtet der Sender. Sein Bruder habe ihn demnach identifiziert. Auf Facebook schreibt dieser: "Er lebte, um Kinder an einem der dunkelsten und gefährlichsten Orte glücklich zu machen und zum Lachen zu bringen."

Anas al-Basha, der in Aleppo die Gruppe "Ort der Hoffnung" leitete, habe es trotz der prekären Lage in Aleppo abgelehnt, die syrische Stadt zu verlassen, schreibt der Bruder. Stattdessen setzte er seine Arbeit fort, um den Zivilisten und Kindern zu helfen.

Vor zwei Monaten heiratete der nun bei einem Luftangriff getötete Helfer seine Frau. Sie soll sich noch in der Stadt befinden.

Schutzlose Zivilisten

Die humanitäre Lage in der umkämpften nordsyrischen Stadt ist nach Angaben ranghoher Uno-Vertreter dramatisch. "Es gibt wohl nirgendwo auf der Welt schutzlosere Menschen als in Ost-Aleppo", sagte der Uno-Nothilfekoordinator für Syrien, Jan Egeland, in Genf. Auch andere Vertreter zeichneten ein düsteres Bild der Lage. Ohne Gegenmaßnahmen könne sich Aleppo in "einen gigantischen Friedhof" verwandeln, sagte Nothilfekoordinator Stephen O'Brien im Sicherheitsrat.

Die Großstadt gehört im syrischen Bürgerkrieg zu den umkämpftesten Gebieten. Das Regime kontrolliert den Westen, oppositionelle Milizen den Osten Aleppos. Syriens Armee und ihre Verbündeten hatten jedoch in den vergangenen Tagen mehr als ein Drittel der bisherigen Rebellengebiete erobert. Der Sonderbeauftragte für Syrien, Staffan de Mistura, sprach angesichts verstärkter Luftangriffe auf den Osten der Stadt von einer "humanitären Tragödie", die sich verschlimmere. Zehntausende Menschen befinden sich nach offiziellen Angaben auf der Flucht.

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mho



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