Syrienkrieg Assad lehnt Feuerpause für Aleppo ab

Mit einer regierungstreuen Zeitung hat Syriens Machthaber über den Vormarsch seiner Truppen in Aleppo gesprochen: Das Einnehmen der Stadt bedeute nicht das Ende des Krieges. Forderungen des Westens weist er zurück.

Syrische Truppen in Aleppo
AFP

Syrische Truppen in Aleppo


Ein Sieg der Regierungstruppen im Kampf um die Stadt Aleppo wäre für den syrischen Machthaber Baschar al-Assad nicht gleichbedeutend mit einem Ende des Bürgerkriegs. Es stimme, dass Aleppo ein großer Gewinn sei, sagte er in einem Interview mit der regierungstreuen Zeitung "Al Watan". "Aber lassen Sie uns realistisch sein - das wird nicht das Endes des Kriegs in Syrien bedeuten." Es wäre allerdings ein "großer Schritt" in diese Richtung.

Schon zu Beginn des Bürgerkriegs sei beschlossen worden, das ganze Land "zu befreien". Dazu gehöre auch Aleppo. Aber auch außerhalb der Stadt gebe es "Terroristen", sagte Assad. "Selbst wenn wir mit Aleppo fertig sind, werden wir unseren Krieg gegen sie fortsetzen."

Nach wochenlangen erbitterten Gefechten hatten syrische Regierungstruppen bis Mittwoch die gesamte Altstadt Aleppos erobert. Im Ostteil der Stadt verloren die Rebellen damit seit Mitte November rund 80 Prozent ihres bisherigen Gebiets, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete. Die Regimegegner mussten sich demnach aus der Altstadt zurückziehen, weil sie Gefahr liefen, eingekesselt zu werden.

Deutschland hatte am Mittwoch gemeinsam mit den USA, Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada die Konfliktparteien zu einem sofortigen Waffenstillstand aufgerufen, um humanitäre Hilfe zu den Menschen in der Stadt bringen zu können. Eine Waffenruhe in der umkämpften Stadt sei "das dringlichste Ziel" im Syrienkonflikt.

Assad wies diese Forderung nun im Zeitungsinterview zurück. Die Möglichkeit einer Waffenruhe "existiert praktisch nicht", sagte er. Zudem warf er den USA vor, nur deshalb einen Waffenstillstand zu fordern, weil die von Washington unterstützten Rebellen "in einer schwierigen Lage" seien.

Am Mittwochabend sprachen erst US-Außenminister John Kerry und dann Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in Hamburg mit ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow über die Lage in Aleppo. Die Regierung in Moskau unterstützt das Assad-Regime. Wie aus deutschen Delegationskreisen verlautete, führte Steinmeier mit Lawrow ein "langes ernsthaftes Gespräch". Die Außenminister sind für den OSZE-Gipfel in Hamburg, er beginnt am Donnerstag.

aar/dpa/AFP

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