Luftangriffe auf Aleppo Mehrere Feldkrankenhäuser getroffen

In der belagerten syrischen Stadt Aleppo wurden vier Feldkrankenhäuser und eine Blutbank angegriffen. Es handele sich um Kriegsverbrechen, teilt der Mediziner-Verband mit - die Kliniken mussten ihren Betrieb einstellen.

Straße nahe Aleppo
DPA

Straße nahe Aleppo


Die humanitäre Lage in der belagerten syrischen Stadt Aleppo spitzt sich immer weiter zu. Laut Ärzten wurden bei Luftangriffen vier Feldkrankenhäuser und eine Blutbank getroffen.

Weil nach dem Angriff das System zur künstlichen Beatmung ausfiel, starb ein Neugeborenes in der Nacht zum Sonntag, wie der Verband unabhängiger Mediziner (IDA) mitteilte, der in der von syrischen Regierungstruppen belagerten Stadt mehrere Gesundheitseinrichtungen betreibt.

Alle vier Feldkrankenhäuser mussten ihren Betrieb einstellen. In den vergangenen Monaten wurden im belagerten Osten Aleppos wiederholt Kliniken von Luftangriffen getroffen. Nach Angaben des IDA sind in den östlichen Stadtteilen von Aleppo nur noch fünf Krankenhäuser in Betrieb. Es handele sich um eine "große menschliche Katastrophe". Die Belagerung der Stadt und die Zerstörung von Gesundheitseinrichtungen seien Kriegsverbrechen.

In den Rebellengebieten der Stadt leben etwa 200.000 Menschen. Marianne Gasser von der Rot-Kreuz-Vertretung in Syrien erklärte, die Angriffe erfüllten sie "mit Hoffnungslosigkeit".

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab es 2015 in Syrien 135 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen und ihre Mitarbeiter. Insgesamt wurden nach Uno-Angaben seit Beginn des Syrien-Konflikts mehr als 700 Ärzte und Krankenpfleger getötet. Einige Landesteile sind mittlerweile von jeglicher medizinischen Versorgung abgeschnitten.

Aleppo, die zweitgrößte Stadt Syriens, ist seit 2012 zwischen Armee und Rebellen geteilt. Seit 17. Juli werden die von Rebellen beherrschten östlichen Stadtteile von der Regierungsarmee belagert. Seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges im März 2011 wurden mehr als 280.000 Menschen getötet, Millionen weitere ergriffen die Flucht.

lgr/AFP/AP/Reuters

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