Syrien Schwere Luftangriffe auf Aleppo

Wieder flogen russische Kampfjets über Aleppo, wieder warfen sie Bomben: Angeblich sind dabei auch bunkerbrechende Waffen eingesetzt worden. Mindestens 41 Menschen starben.

Weinende Kinder nach Luftschlag auf Aleppo
AFP

Weinende Kinder nach Luftschlag auf Aleppo


Einige Tage ist es ruhiger geblieben in Aleppo, nun sind bei neuen Luftangriffen auf die umkämpfte syrische Stadt mindestens 41 Menschen gestorben. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, die Bombardements auf die Rebellengebiete im Osten der geteilten Stadt seien von russischen Kampfjets ausgeführt worden.

Unter den Toten in den Stadtteilen Bustan al-Kasr, Ferdus und al-Katarigi sind den Angaben zufolge vier Kinder. Nach Angaben des Aktivisten Mahmut Raslan haben die russischen Jets erneut mindestens eine bunkerbrechende Bombe eingesetzt (Lesen Sie hier mehr zu bunkerbrechenden Waffen und was sie so vernichtend macht).

Vor knapp einer Woche hatte die syrische Armee mitgeteilt, sie werde ihre Angriffe auf Aleppo reduzieren, damit Zivilisten den von Rebellen beherrschten Ostteil der Stadt verlassen könnten. Am Montag hatte das Regime über das Staatsfernsehen verkündet, auch Rebellen könnten den belagerten Teil Aleppos mit leichten Waffen wie Gewehren verlassen. Ähnliche Ankündigungen hatten sich in der Vergangenheit als Finte herausgestellt.

Karte Syrien Update 10.11.2015 Situation Gebiete
SPIEGEL ONLINE

Karte Syrien Update 10.11.2015 Situation Gebiete

Aleppo gehört zu den am stärksten umkämpften Gebieten im syrischen Bürgerkrieg. Anhänger des Regimes kontrollieren den Westen der Stadt, Rebellen den Osten. Dieser Teil hatte Ende September die heftigsten Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe seit Ausbruch des Konflikts im Jahr 2011 erlebt. Der Uno-Syriengesandte Staffan de Mistura hatte zuletzt vor der völligen Zerstörung Ost-Aleppos bis Weihnachten gewarnt.

Auch im Süden des Landes kam es zu Angriffen: Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete von einem Raketenangriff der Rebellen auf eine Schule in Daraa. Dabei wurden demnach mindestens fünf Kinder getötet. Auch die Beobachtungsstelle berichtete von dem Angriff: Der Organisation zufolge starben sechs Menschen, fünf von ihnen Kinder. Außerdem wurden 25 Menschen bei dem Angriff verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich.

Johnson ruft zu Protesten vor russischen Botschaften auf

Ende September war während einer Waffenruhe ein Uno-Hilfskonvoi nahe Aleppo bombardiert worden. Mindestens 20 Menschen wurden dabei getötet. Wer für den Anschlag verantwortlich ist, ist bislang ungeklärt. Nun hat sich der britische Außenminister Boris Johnson in die Debatte eingeschaltet und beschuldigt Russland, für den Angriff verantwortlich zu sein.

"Alle verfügbaren Hinweise deuten auf eine russische Verantwortung für die Gräueltat hin", sagte er im Londoner Unterhaus. Russland laufe Gefahr, wegen seiner Syrien-Politik zur Paria-Nation der internationalen Gemeinschaft zu werden.

Zugleich rief er zu Protesten vor russischen Botschaften auf. "Wo ist die Stoppt-den-Krieg-Koalition?", fragte der Minister. Die Regierung in London erwäge Forderungen nach Einrichtung einer Flugverbotszone über Syrien, sagte er ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

Moskau unterstützt die syrische Regierung bei der Militäroffensive zur Rückeroberung von Aleppo. Wegen der Luftangriffe hatten bereits die USA ihre Gespräch mit Moskau über eine Feuerpause für Aleppo abgebrochen.

kry/cte/dpa/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.