Twitter-Mädchen Erdogan inszeniert sich mit Bana aus Aleppo

Ihre traurigen Tweets aus dem umkämpften Aleppo machten die siebenjährige Bana berühmt. Nun hat sie den türkischen Präsidenten Erdogan getroffen und sich bei ihm für ihre Rettung bedankt.

Der türkische Präsident Erdogan mit der siebenjährigen Bana
REUTERS/ Presidential Palace

Der türkische Präsident Erdogan mit der siebenjährigen Bana


"Danke, dass Sie die Kinder in Aleppo unterstützt und uns geholfen haben, vor dem Krieg zu fliehen. Ich liebe Sie." Die siebenjährige Bana sitzt mit ihrem Bruder Mohammed auf dem Schoß des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Im Hintergrund ist Erdogans Frau Emine zu sehen.

Nachdem Bana die letzten Worte gesagt hat, drückt Erdogan sie an seine Wange. Die Kamera eines Fotografen klickt. Das Video wird über Twitter verbreitet.

Bana war am Montag mit ihrer Familie aus der umkämpften Stadt evakuiert worden. Über 245.000 Nutzer folgten den Tweets des Mädchens, das aus dem Osten der Stadt ihre Nachrichten absendete, von ihrem Leben in der Stadt berichtete.

Die Evakuierungen hatten begonnen, nachdem auf Initiative der Türkei und Russlands ein komplexer Plan ausgehandelt worden war, der im Gegenzug für Aleppo auch Evakuierungen aus zwei schiitischen Dörfern vorsah, die von Rebellen umzingelt sind. Unter den Evakuierten war auch die siebenjährige Bana. Sie traf mit ihrer Familie im Gebiet Raschidin ein und sollte dann weiter in ein Camp in Idlib gebracht werden, wie die türkische islamische Hilfsorganisation IHH erklärte.

Für den türkischen Präsidenten sind die Sätze des Mädchens eine gelungene Inszenierung. Er teilte die Bilder mit der Familie auf seinem Twitter-Account.

Erdogan kann sich so als Schutzpatron der Flüchtlinge aus Aleppo präsentieren. Seit 2011 hat sein Land mehr als zwei Millionen Syrer aufgenommen, derzeit aberhat die Türkei ihre Grenzen nach Syrien abgeriegelt. Bei Bana hatte es dagegen nur wenige Tage gedauert, bis sie Ankara erreichte.

Im Syrienkrieg hatten Ankara und Moskau zuletzt offenbar eine Art Stillhalteabkommen geschlossen: Russland lässt die Türkei im syrischen Grenzgebiet gewähren, im Gegenzug duldet Ankara die russischen Luftangriffe auf Aleppo (Moskau dominiert ohnehin seit mehr als einem Jahr den syrischen Luftraum) und akzeptiert Assad als Teil einer Übergangsregierung - eine Kehrtwende: Lange Zeit hatte Ankara die Weltgemeinschaft gedrängt, den syrischen Staatschef zu stürzen. Russland stützt Assad, der vermeintlich Stabilität in Syrien und der Region im Kampf gegen Islamisten verspricht.

Das türkische Militär konzentriert sich deshalb darauf, eine autonome kurdische Provinz im Norden Syriens zu verhindern. Zu diesem Zweck versucht die Armee gemeinsam mit verbündeten arabischen Milizen eine Pufferzone im Norden Syriens zu erobern. In dieses Gebiet könnte dann auch ein Teil der knapp drei Millionen syrischen Flüchtlinge zurückkehren, die derzeit in der Türkei leben.



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