EU-Beitritt Tsipras hält Abbruch der Türkei-Gespräche für "strategischen Fehler"

Beim TV-Duell sprach sich Angela Merkel gegen einen Beitritt der Türkei zur EU aus - abbrechen will sie die Gespräche aber noch nicht. Aus Sicht des griechischen Premierministers würde das auch nur Erdogan nutzen.

Alexis Tsipras
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Alexis Tsipras


Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras hat dafür plädiert, die Gespräche mit der Türkei über einen EU-Beitritt nicht abzubrechen. Ein Ende der Verhandlungen sei ein "taktischer und strategischer Fehler", sagte Tsipras am Rande einer Handelsmesse in Thessaloniki. Es sei falsch, "die Tür zu schließen" und der Türkei damit die Aussicht auf einen Beitritt zu verbauen. Vorteilhaft wäre ein solcher Schritt ausschließlich für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Der griechische Regierungschef ging damit auf Distanz zu Äußerungen von Angela Merkel (CDU). Die Bundeskanzlerin hatte sich am 3. September beim TV-Duell zur Bundestagswahl wie ihr SPD-Herausforderer Martin Schulz gegen einen EU-Beitritt der Türkei ausgesprochen. Merkel hatte dabei angekündigt, sie wolle nun mit ihren EU-Kollegen darüber sprechen, "ob wir hier zu einer gemeinsamen Position kommen können und diese Beitrittsverhandlungen auch beenden können".

Die Beitrittsgespräche mit Ankara laufen seit 2005. Bisher wurden 16 von 35 Verhandlungskapiteln eröffnet, in denen die EU-Standards für eine Mitgliedschaft festgelegt sind. Nach den Massenverhaftungen infolge des gescheiterten Militärputsches in der Türkei hatten die EU-Staaten im Dezember beschlossen, die Gespräche bis auf Weiteres nicht mehr auszuweiten.

mho/AFP/AP



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