Algeriens greiser Präsident Bouteflika soll 2019 zur Wahl antreten

Er ist schwer krank, trotzdem soll der 81-jährige Abdelaziz Bouteflika im Frühjahr wieder Präsident Algeriens werden. Das kündigte nun der Generalsekretär der Nationalen Befreiungsfront an.

Abdelaziz Bouteflika im April in Algier
AFP

Abdelaziz Bouteflika im April in Algier


Eine geplante Visite von Kanzlerin Angela Merkel bei Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika fiel 2017 wegen dessen schlechter Gesundheit aus, nach mehreren Schlaganfällen ist er aus der Öffentlichkeit verschwunden: Doch nun soll der Langzeitpräsident im Frühjahr 2019 für eine fünfte Amtszeit kandidieren.

Das kündigte der Generalsekretär seiner regierenden Nationalen Befreiungsfront (FLN), Djamel Ould Abbes, am Sonntag im Parlament an. "In der FLN haben wir nur eine Wahl. Der Kandidat für 2019 heißt Abdelaziz Bouteflika", zitierte etwa der französische Auslandssender Radio France International.

Als Wunschkandidat des Militärs war Bouteflika 1999 zum Staatschef gewählt worden. Er überstand auch die Volksproteste in der arabischen Welt 2011 und wurde trotz seines angeschlagenen Gesundheitszustandes im Frühjahr 2014 - nach einer Verfassungsänderung - wiedergewählt.

Inzwischen sitzt er im Rollstuhl und zeigt sich kaum noch öffentlich. Im Westen erwarb sich Bouteflika den Ruf eines verlässlichen Partners im Kampf gegen den Terror. Die Bundesregierung sieht Algerien als wichtigen Akteur für Stabilität und Sicherheit in der Region. Das flächenmäßig größte Land des Kontinents grenzt an Mali und Niger, wichtige Transitländer für afrikanische Flüchtlinge.

Lange ist bekannt, dass Algerien mit afrikanischen Migranten wenig glimpflich umgeht. Wer die Mittelmeerküste erreicht und aufgegriffen wird, den bringen algerische Behörden zurück in Wüste. Für Deutschland ist Algerien trotz staatlicher Repression ein sicheres Herkunftsland, in das 2018 Hunderte Abschiebungen durchgeführt wurden. Algerien ist aktuell wichtigster Kunde der deutschen Waffenindustrie.

cht/dpa

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