Algerien: Überfall auf BP-Gasfeld - Islamisten nehmen Geiseln

Islamisten haben einen BP-Standort in Algerien angegriffen und mehrere Ausländer in ihre Gewalt gebracht. Es handelt sich offenbar um fünf Japaner, sowie Briten, Norweger, Iren und Franzosen. Ein Gefangener soll bereits getötet worden sein. Die Entführer sollen dem Terrornetz al-Qaida nahestehen.

Wüstenstadt Ain Amenas an der Grenze zu Libyen: Entführung von Ausländern Zur Großansicht
Google Earth/ DigitalGlobe

Wüstenstadt Ain Amenas an der Grenze zu Libyen: Entführung von Ausländern

Algier - Ein islamistisches Kommando hat in Algerien einen Standort des Ölkonzerns BP nahe der Grenze zu Libyen überfallen. Nach Angaben aus westlichen Diplomatenkreisen wurden dabei mehrere Ausländer als Geiseln genommen. Es handelt sich laut der Nachrichtenagentur AFP um Briten, Norweger, einen Iren und fünf Japaner. Laut AP soll es sich insgesamt um acht Personen handeln. Der irische Außenminister Eamon Gilmore forderte die sofortige Freilassung der Gefangenen.

Die algerische Nachrichtenagentur meldete, der Angriff sei am Morgen in der Region von Tiguentourine erfolgt, rund 40 Kilometer von der Stadt Ain Amenas entfernt. Es habe einen Toten und sieben Verletzte gegeben. Andere Quellen melden sechs Entführte. Ein Franzose ist offenbar bereits ums Leben gekommen. Dabei handelt es sich wohl um einen Sicherheitsmann.

Die algerische Armee hat einen Einsatz gegen die Angreifer gestartet. Unbestätigten Angaben zufolge laufen bereits Verhandlungen über die Freilassung der Geiseln. Nach Angaben der mauretanischen Nachrichtenagentur ANI News haben die Entführer Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida. Seit Ende vergangener Woche führt Frankreich in Mali einen Militäreinsatz gegen die den Norden des westafrikanischen Landes kontrollierenden Islamisten.

Einer der Islamisten, der nach eigenen Angaben an dem Entführungskommando beteiligt war, sagte, seine Gruppe komme aus dem benachbarten Mali und gehöre der Qaida an. "Wir sind Mitglieder von al-Qaida, und wir kamen aus dem Norden Malis", sagte der Kämpfer in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP. "Wir gehören zu der Khaled Aboul Abbas Brigade unter ihrem Anführer Mokhtar Belmokhtar." Belmokhtar ist einer der bekanntesten Anführer des nordafrikanischen Qaida-Ablegers AQMI.

Der französische Sender France Info berichtet, sechs Männer seien von einer Ölproduktionsstätte bei Ain Amenas im Südosten des Landes rund 60 Kilometer vor der libyschen Grenze entführt worden. BP bestätigte diese Variante und sprach von einem "Sicherheitsvorfall" bei einem Gasfeld. Entsprechende Notfallmaßnahmen seien eingeleitet worden, hieß es. Nähere Einzelheiten teilte der Konzern nicht mit.

Bei dem entführten Iren soll es sich um einen 36 Jahren alten Mann handeln, der zuletzt im britischen Nordirland lebte. Irland biete der Familie des Entführten konsularische Hilfe an, sagte Außenminister Gilmore. Außerdem stehe die irische Regierung mit ihren internationalen Partnern in enger Verbindung. "Zu diesem Zeitpunkt sind die Identität und die Motive der Entführer noch unbekannt", sagte Gilmore. Die Regierung in Dublin werde alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um die Befreiung ihres Landsmannes zu erwirken.

Algerien hatte im Juli 1962 nach 132 Jahren unter französischer Kolonialherrschaft seine Unabhängigkeit erklärt. Vorausgegangen war ein achtjähriger Krieg gegen die französische Kolonialmacht mit Hunderttausenden Toten. Das Verhältnis beider Länder gilt bis heute als schwierig.

als/jok/AFP/dpa/Reuters/AP

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Fläche: 2.381.741 km²

Bevölkerung: 35,468 Mio.

Hauptstadt: Algier

Staatsoberhaupt:
Abdelaziz Bouteflika

Regierungschef: Abdelmalek Sellal

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