Massenprotest gegen Staatschef Algerische Polizei nimmt fast 200 Menschen fest

Zehntausende demonstrierten friedlich, dann kam es zu Gewalt: Bei Massenprotesten gegen Algeriens Staatschef sind Dutzende Menschen verletzt oder festgenommen worden.


Während der Demonstrationen gegen Algeriens Präsidenten Abdelaziz Bouteflika sind nach offiziellen Angaben 112 Polizisten verletzt worden. Ein Krankenhaus in der Hauptstadt Algier teilte mit, es seien auch mehr als 100 Zivilisten zu Schaden gekommen. Einige hätten Tränengas eingeatmet, andere seien von Steinen oder Gummigeschossen getroffen worden.

In Algier seien zudem 195 Menschen festgenommen worden, verkündete die Generaldirektion für Nationale Sicherheit am Freitagabend. Eine große Zahl von Randalierern habe sich unter die Demonstranten gemischt.

Das algerische Staatsfernsehen berichtete von Gewaltakten, die zu einem Feuer im Museum für Islamische Kunst und zu Diebstählen von Objekten geführt hätten. Dort soll eine Gruppe von Männern eingedrungen sein. Auch an einer Grundschule und an Fahrzeugen habe es Schäden gegeben, meldete das Staatsfernsehen weiter.

Demonstranten in Algier
DPA

Demonstranten in Algier

Zehntausende Menschen hatten zuvor in der Hauptstadt und in anderen Städten friedlich gegen die erneute Kandidatur Bouteflikas bei der Präsidentenwahl im April demonstriert. Nach Einschätzung von Beobachtern handelte es sich um die bislang größten Demonstrationen seit Beginn der Protestwelle Ende Februar.

Der 82-jährige Bouteflika ist bereits seit 20 Jahren an der Macht und will sich für eine fünfte Amtszeit wählen lassen. Nach einem Schlaganfall sitzt er im Rollstuhl und hat große Probleme beim Sprechen. Kritiker halten den gebrechlichen Staatschef daher für eine Marionette seines Umfeldes. In der Öffentlichkeit zeigte sich er in den vergangenen Jahren kaum noch.

Im Zentrum Algiers waren Straßen und Plätze am Freitag voller Menschen. In Sprechchören forderten viele den "Sturz des Regimes", schwenkten die grün-weiße Nationalfahne oder hüllten sich in sie ein. Getragen werden die Proteste vor allem von Studenten. Auch die Opposition unterstützt die Demos und fordert einen Rückzug Bouteflikas.

lov/AFP/dpa



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