Algier - Die Geiseln stammen unter anderem aus Irland, Norwegen, Großbritannien, Japan und den USA: Sie alle arbeiteten auf dem Gasfeld des Ölkonzerns BP im Osten Algeriens, das am Mittwoch von Islamisten überfallen wurde. Wie viele Menschen die Terroristen in ihre Gewalt gebracht haben, ist nicht klar. Das algerische Innenministerium spricht von etwa 20 Geiseln, die Geiselnehmer selbst von 41. Als sicher gilt, dass ein Brite und ein Algerier bei dem Überfall getötet wurden.
Die Geiseln werden auf dem Gasfeld festgehalten, das mittlerweile von algerischen Truppen umstellt wurde. Soldaten kesselten die Gruppe ein, Hubschrauber sind im Einsatz. Die Truppen blockieren den Fluchtweg der Extremisten. Berichten lokaler Medien zufolge soll es bereits erste Gefechte zwischen den Streitkräften und den Extremisten gegeben haben.
Eine französische Geisel sagte dem Fernsehsender France 24 , die Geiseln würden in einem mit Sprengfallen präparierten Gebäude auf dem Gasfeld festgehalten. Mehrere Geiseln trügen Sprengstoffgürtel, die Entführer möchten so offenbar mögliche Angriffe von Sicherheitskräften verhindern. Die schwer bewaffneten Angreifer hatten am Mittwoch zunächst einen Bus mit Mitarbeitern der Gasanlage attackiert, der auf dem Weg zum nahegelegenen Flughafen war.
Zu dem Angriff hat sich eine Terrorgruppe unter der Führung von Mokhtar Belmokhtar bekannt, der sich auch Mokhtar Belaour oder Khalid Abu al-Abbas nennt. Der Anschlag sei eine Vergeltungsaktion für die Entscheidung der algerischen Regierung, dem französischen Militär Überflugrechte zu gewähren. Frankreichs Armee bekämpft im Norden Malis die Islamisten - nun scheinen extremistische Kämpfer für die französische Militärmission Rache genommen zu haben.
Spekulationen über eine geplante gewaltsame Befreiung
Auf Forderungen der Extremisten will die algerische Regierung nicht eingehen. Laut algerischem Innenminister Daho Ould Kablia hatten die Islamisten mit ihren Geiseln das Land verlassen wollen, er habe das aber abgelehnt. Nach Aussage eines Zeugen verlangten die Täter zudem die Freilassung von mehr als hundert Islamisten. "Algerien wird nicht auf die Forderungen von Terroristen eingehen und lehnt jegliche Verhandlungen ab", sagte Kablia und nährte damit Spekulationen über eine gewaltsame Geiselbefreiung.
Zudem hatte es Berichte gegeben, dass die Extremisten mit der Sprengung der Anlage gedroht hätten. Das Gasfeld In Anemas ist nach Informationen des norwegischen Betreiberkonzerns Statoil aber abgeschaltet.
Die staatliche Nachrichtenagentur meldete, die Islamisten hätten auch Hunderte algerische Arbeitskräfte gefangen genommen, diese aber später nach und nach unversehrt freigelassen. Die Regierung in Washington hat bestätigt, dass sieben amerikanische Geiseln festgehalten werden, Oslo sprach von 13 norwegischen Geiseln. US-Verteidigungsminister Leon Panetta sprach von einem "Terroranschlag" und drohte mit Gegenmaßnahmen, ohne diese näher zu erläutern. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe nannte den Überfall "unverzeihlich".
Algerien ist flächenmäßig das größte Land auf dem afrikanischen Kontinent und gilt als Verbündeter der USA und Frankreichs im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Die Beziehungen zwischen Algiers und Paris sind allerdings latent belastet durch die Kolonialzeit und den blutigen Unabhängigkeitskrieg vor 50 Jahren.
Der Erdgaskomplex In Amenas', auf dem sich das Geiseldrama abspielt, liegt 1300 Kilometer südlich der Hauptstadt Algier tief in der Sahara-Wüste. Der britische Ölkonzern BP betreibt das Gasfeld zusammen mit dem norwegischen Energiekonzern Statoil und dem algerischen Staatsunternehmen Sonatrach. Die japanische Firma JGC Group ist als Dienstleister vor Ort.
kgp/dadp/AFP/dpa
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