Geiseldrama auf BP-Gasfeld: Algerien feiert rücksichtsloses Vorgehen der Armee

"Wir verhandeln nicht mit Terroristen": Der kompromisslose Kurs der algerischen Regierung gegenüber den Geiselnehmern von Ain Amenas ist im Land populär. Während EU und USA die Befreiungsoperation kritisieren, loben Algeriens Medien den schnellen Einsatz der Armee - trotz vieler toter Geiseln.

Algier - Ein Drama, Dutzende Tote, zwei vollkommen unterschiedliche Sichtweisen: Politik und Medien in Europa und den USA werfen der algerischen Armee beim Versuch, die Geiseln aus der Hand der Entführer zu befreien, schwere Fehler vor. Der Angriff auf die Kidnapper sei überstürzt erfolgt und offenbar unzureichend vorbereitet gewesen.

Großbritanniens Premier David Cameron hüllte seine Kritik in diplomatische Floskeln, zeigte sich aber brüskiert darüber, dass er erst nach Beginn der Militäroperation von seinem Amtskollegen Abdelmalek Sellal über den Sturm auf die Gasförderstätte informiert wurde.

Ganz anders der Tenor in den regierungstreuen algerischen Medien: Die großen Zeitungen "al-Shoruq" und "al-Khabar" loben die schnelle Reaktion der Streitkräfte. Die staatliche Nachrichtenagentur APS meldete am Abend unter Berufung auf algerische Sicherheitskräfte, inzwischen seien etwa hundert der insgesamt 132 ausländischen Geiseln befreit worden. Eine unabhängige Bestätigung hierfür liegt bislang nicht vor. Außerdem hätten die Spezialeinheiten 573 Algerier befreit.

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Entführung in Algerien: Die Geiseln vom Gasfeld
Hunderte Menschenleben habe die Armee also retten können, weil sie so beherzt gehandelt habe, "obwohl sie unter dem unmenschlichen Druck von Hollande und Cameron stand", wie "al-Shoruq" schreibt.

Überlebende loben die Armee

Ähnlich äußern sich Kommentatoren auf dem algerischen Internetportal TSA: "Die Armee muss reagieren wie Putin", schreibt ein Algerier mit Blick auf das Vorgehen der russischen Armee gegen islamistische Aufständische in Tschetschenien. Gewalt und rücksichtslose Härte seien das einzige wirksame Mittel gegen Terroristen, so der Tenor in Algeriens Medien.

Diese Haltung ist das Ergebnis des algerischen Bürgerkriegs, bei dem sich Militär und Islamisten in den neunziger Jahren einen brutalen Machtkampf lieferten, der weit mehr als hunderttausend Menschenleben forderte. Algeriens Führung sieht sich durch die Umstürze in den Nachbarstaaten Libyen und Tunesien in die Enge getrieben. Von den Revolutionen dort haben in erster Linie islamistische Gruppen profitiert. Auch aus Mali gelangen Milizionäre ins Land. Wegen dieser immer instabiler werdenden Sicherheitslage, ist der harte Kurs der Armee, die ihre Privilegien und ihren Einfluss auf die Politik mit der islamistischen Gefahr rechtfertigt, derzeit sehr populär im Land.

Das Staatsfernsehen zeigte am Freitag Bilder von algerischen Arbeitern, die aus den Händen der Geiselnehmer befreit werden konnten. Auch sie lobten das Vorgehen der Armee.

Vier britische Geiseln, die von der algerischen Armee befreit worden waren, äußerten sich ebenfalls in kurzen Interviews mit dem algerischen Staatsfernsehen anerkennend über den Einsatz der Soldaten. Sie wurden in einem fahrenden Bus interviewt, der sie offenbar in Sicherheit brachte. "Sie haben einen fantastischen Job gemacht", sagte ein Engländer, der seinen Namen nicht nannte. "Ich bin sehr beeindruckt von der algerischen Armee". Der neben ihm sitzende Mann ergänzte: "Sie haben uns beschützt und die bad guys ferngehalten. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich in Gefahr bin." Ein dritter Mann mit schottischen Akzent sagte, er sei erleichtert, dass er entkommen sei. Die Armee sei "fantastisch" gewesen.

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Ain Amenas: Geiseldrama in der Wüste
Die algerischen Arbeiter äußerten Zweifel daran, dass Landsleute für den Überfall auf das Gasfeld bei Ain Amenas verantwortlich seien. "Sie trugen Turbane und sprachen Arabisch, aber ich konnte ihren Dialekt nicht verstehen", sagte einer. Einige der Kidnapper sollen zudem europäisch ausgesehen haben. Nach Angaben der Gruppe Muwaqiun bi-l Dam ("Die mit dem Blut unterzeichnen"), die sich zu dem Überfall bekannt hat, stammten ihre Kämpfer aus Algerien, Ägypten, Mali, Mauretanien, Niger und Kanada.

syd/cvo

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insgesamt 81 Beiträge
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1. Algerier müssen es wissen!
Bhigr 18.01.2013
"Gewalt und rücksichtslose Härte seien das einzige wirksame Mittel gegen Terroristen, so der Tenor in Algeriens Medien." Nach einem langen Bürgerkrieg gegen islamistische Terroristen haben die Algerier die Erfahrung und das Wissen wie man gegen sie vorgeht. Davon können unsere Politiker noch einiges lernen!
2. Alte Doktrin
Konradii 18.01.2013
Zitat von sysop"Wir verhandeln nicht mit Terroristen": Der kompromisslose Kurs der algerischen Regierung gegenüber den Geiselnehmern von Ain Amenas ist im Land populär. Während EU und USA die Befreiungsoperation kritisieren, loben Algeriens Medien den schnellen Einsatz der Armee - trotz vieler toter Geiseln. Algeriens Medien loben Vorgehen der Armee bei Geiselnahme auf Gasfeld - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/algeriens-medien-loben-vorgehen-der-armee-bei-geiselnahme-auf-gasfeld-a-878442.html)
Hätten die Terroristen die Geiseln irgendwann ohne Gegenleistung freigegeben? Wohl kaum! Da greift dann also die alten Doktrin: "Mit Terroristen verhandelt man nicht". Insoweit ist das natürlich tragisch. Auch hätte man die Aktion evtl. besser vorbereiten können. Aber falsch ist es meines Erachtens nicht. Man sollte natürlich hoffen, dass man nie selber in die Situation kommt. Aber jedes Nachgiebigkeit würde mit noch mehr Geiselnahmen und Terror bestraft. Seit dem 11.09. ist schließlich (auch für die Weltöffentlichkeit) klar, dass Terroristen auch vor dem eigenen Tod nicht zurück schrecken.
3. "Flugzeugentführung mit Flugabwehrraketen beenden"
abc-xyz 18.01.2013
Diese ekelhaften Jubelarien nach so einem Gemetzel. Ähnlich dümmlich wäre es gewesen die Geiselnahme in München während der Olympiade 1972 zu bejubeln. Wir haben unsere Lektion dabei gelernt und wie man bei der LH Maschine Landshut sehen konnte, war es sehr erfolgreich. Für mich sieht es eher so aus, dass die algerische Regierung durch die diversen Umstürze in der Region die Hosen gestrichen voll hat und in jedes Loch reinballert wo ein Tourbanträger unbekannter Art hocken kann. Als Geschäftsführer einer Firma würde ich alle evakuieren, die in diesem Land zu tun haben, und zwar weil sowohl Terroristen wie auch unfähige Einheiten des Staates um Wette rennen, wer hier brutaler ist.
4. Zuschlagen ist richtig
LinkesBazillchen 18.01.2013
Man weiß ja nicht wirklich was sich abspielte. Vielleicht war die Aktion nur submaximal duchgeführt, aber im Prinzip ist es richtig, nicht mit den Fanatikern zu diskutieren.
5. harter Kurs allemal besser als Kuscheljustiz
NorthernOak 18.01.2013
man muss sich entscheiden, wass man will. Sicherheit in Zukunft und Abschreckung oder dauerhafte Gefahr von Seiten von Radikalen. Auf jedem Fall hat sich die in vielen Faellen gegebene "Bewaehrung" bei Gewalttaetern in D alles andere als bewaehrt, sondern laedt zur Wiederholung und Nachahmung ein.
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