Vereinte Nationen: Brahimi wird neuer Syrien-Sondervermittler

Ihm soll nun das gelingen, womit Ex-Uno-Generalsekretär Kofi Annan gescheitert ist: Der algerische Krisendiplomat Lakhdar Brahimi soll den verfahrenen Syrien-Konflikt lösen. Der 78-Jährige übernimmt das Mandat von seinem enttäuschten Vorgänger.

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Diplomat Brahimi: Vermittler in einem schwierigen Phase

New York - Der frühere algerische Außenminister Lakhdar Brahimi übernimmt den Posten des Uno-Sondergesandten für Syrien. Das teilten die Vereinten Nationen am Freitag mit. Der 78-Jährige tritt die Nachfolge von Ex-Uno-Generalsekretär Kofi Annan an. Dieser hatte aus Enttäuschung über ausbleibende Fortschritte sein Mandat zum Monatsende niedergelegt.

Brahimi beginnt seine Vermittlerrolle in einem schwierigen Phase. Die fünf-Vetomächte im Weltsicherheitsrat können sich auf keine gemeinsame Linie einigen. Ein für Freitag geplantes Treffen der Syrien-Aktionsgruppe wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Einen Grund, warum die Zusammenkunft verschoben wurde, nannte der Sprecher der russischen Uno-Vertretung auf Anfrage zunächst nicht.

In Syrien kämpfen die Truppen des Assad-Regimes und Aufständische seit 18 Monaten um die Macht. Weil beide Seiten Gewalt und Blutvergießen nicht beenden, besiegelte der Uno-Sicherheitsrat am Donnerstag das endgültige Ende der Beobachtermission Unsmis. An ihre Stelle soll ein Verbindungsbüro in Damaskus treten, in dem rund 30 bis 40 Menschen arbeiten sollen.

Brahimi hält einen Kompromiss dennoch für möglich: "Ich bin optimistisch, dass es eine Lösung in Syrien geben kann. Aber ich bin nicht optimistisch, dass es eine einfache Lösung sein kann", sagte er schon im Juni. "Der Weg wird lang und teuer sein."

Bekannt wurde der Nordafrikaner 1994 in Südafrika, wo er als Chef der Uno-Mission die ersten fairen Wahlen mitorganisierte. Von 1991 bis 1993 war Brahimi Außenminister seines Heimatlandes. Es folgten Uno-Stationen in der ganzen Welt, etwa Liberia, Jemen, Kongo. Brahimi, der fließend Arabisch, Englisch und Französisch spricht, gilt als profunder Kenner der internationalen Beziehungen. Er hat sich bei seinen zahlreichen Kriseneinsätzen den Respekt seiner Verhandlungspartner gesichert.

Brahimi ist ein Diplomat, der nicht seichte Formulierungen wählt, sondern Klartext spricht. Im Jahr 2000 veröffentlichte er in deutlicher Sprache einen Bericht zu Uno-Friedensmissionen. Sein Fazit: Die Bemühungen der Vereinten Nationen seien höchst ehrenvoll, oft sei die Wirkung aber gering.

Besonders oft war Brahimi in Afghanistan. Unter den Taliban konnte er allerdings kaum etwas bewegen - er gab 1999 nach zwei Jahren auf. Doch er kehrte nach dem Sturz der Taliban 2002 zurück und war maßgeblich am Aufbau neuer Strukturen in dem Land beteiligt. Nach Kabul folgte ein weiterer Krisenherd: 2004 und 2005 leitete er die Uno-Mission im Irak.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßte nach Angaben eines Sprechers die Bereitschaft von Brahimi, sein Talent und seine Erfahrung in den Dienst dieser entscheidenden Aufgabe zu stellen. "Er wird dafür die starke, klare und gemeinsame Unterstützung der internationalen Gemeinschaft - inklusive des Sicherheitsrats - brauchen, die er zu Recht erwartet." Für die Vereinten Nationen habe die Diplomatie zur friedlichen Beilegung der Krise weiterhin Vorrang.

heb/Reuters/dpa

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1. FSA mit schwacher Verhandlungsposition
robert.haube 17.08.2012
Merkwürdig, dass auch die USA einem neuen Vermittler zugestimmt haben. Bislang hieß es doch immer, Assads Tage seien "gezählt". (Dieses Mantra wiederholte eifrigst auch Westerwelle und auch der unglückliche BND-Chef sang mit in diesem Chor) Die FSA-Führung in der Türkei und ihre Hintermänner werden sich mittlerweile aber keine großen Illusionen mehr über ihre Verhandlungsposition machen können. Der Krieg ist praktisch entschieden. Die syrische Armee (SAA) zeigt: Sie ist eine machtvolle Armee.
2. Ein Hoffnungsschimmer?
pikeaway 17.08.2012
Zitat von robert.haubeMerkwürdig, dass auch die USA einem neuen Vermittler zugestimmt haben. Bislang hieß es doch immer, Assads Tage seien "gezählt". (Dieses Mantra wiederholte eifrigst auch Westerwelle und auch der unglückliche BND-Chef sang mit in diesem Chor) Die FSA-Führung in der Türkei und ihre Hintermänner werden sich mittlerweile aber keine großen Illusionen mehr über ihre Verhandlungsposition machen können. Der Krieg ist praktisch entschieden. Die syrische Armee (SAA) zeigt: Sie ist eine machtvolle Armee.
Endlich wieder ein Spiegel- Beitrag, der sachlich informiert. Ohne einen Dialog zwischen den Parteien gibt es keinen Gewinner. Die Partisanentätigkeit einer zersplitterten Opposition lässt sich beliebig fortsetzen. Aber vielleicht gibt es doch einen Hoffnungsschimmer. Mit Brahimi hat die UN einen Nachfolger benannt, der möglicherweise bei allen vorhersehbaren Schwierigkeiten wieder etwas Bewegung in die Friedensbemühungen bringen kann. Der nach dem Verzicht von Kofi Annan neue internationale Syrien-Vermittler, der algerische Ex-Außenminister Lakhdar Brahimi, ist alles andere als ein Freund der USA. Deren Nahost-Politik hat er ebenso schonungslos angeprangert wie ihr Verhalten im Irak und in Afghanistan. Lakhdar Brahimi: Reizfigur für Washington - Salzburger Nachrichten - SALZBURG.COM (http://www.salzburg.com/nachrichten/diverse/kopf-des-tages/sn/artikel/lakhdar-brahimi-reizfigur-fuer-washington-25249/) "Brahimi has an incredibly strong reputation around the U.N., but is also well-known for not taking orders from the big powers or worrying too much about media attention," Gowan said in an e-mail. "This may be just what is needed in Syria now: a hardened but independent mediator, who will stick with diplomatic efforts even if he faces a lot of criticism for failing to cut a deal fast." U.N.: Algeria's Brahimi will replace Annan in Syria (http://www.usatoday.com/news/world/story/2012-08-17/syria-kofi-annan-replacement/57117798/1) Aufsehen hatte der Spitzendiplomat mit seinem "Brahimi-Bericht" erregt. Er hatte unabhängig voneinander die verschiedenen UNO-Friedensmissionen untersucht und ein vernichtendes Urteil gefällt: Schlechte Organisation und Planung, unklare Ziele und fehlende militärische Mittel machten die teuren Missionen zumeist wirkungslos. Full report (http://www.un.org/peace/reports/peace_operations/docs/full_report.htm) Es wäre wünschenswert, wenn der Spiegel häufiger so unvoreingenommen, ohne einseitige Parteinahme, die Leser informiert und die Zahl der „Helden-Reportagen“ der Opposition reduziert.
3. 1+1
king_pakal 17.08.2012
Zitat von robert.haubeMerkwürdig, dass auch die USA einem neuen Vermittler zugestimmt haben. Bislang hieß es doch immer, Assads Tage seien "gezählt". (Dieses Mantra wiederholte eifrigst auch Westerwelle und auch der unglückliche BND-Chef sang mit in diesem Chor) Die FSA-Führung in der Türkei und ihre Hintermänner werden sich mittlerweile aber keine großen Illusionen mehr über ihre Verhandlungsposition machen können. Der Krieg ist praktisch entschieden. Die syrische Armee (SAA) zeigt: Sie ist eine machtvolle Armee.
Brahimis Tochter ist die Frau eines Mitglieds der jordanischen Königsfamilie. Und wie wir wissen unterstützt die jordanische Königsfamilie die syrischen Rebellen. Wie unabhängig kann dieser "Vermittler" urteilen?
4.
widder58 18.08.2012
Zitat von robert.haubeMerkwürdig, dass auch die USA einem neuen Vermittler zugestimmt haben. Bislang hieß es doch immer, Assads Tage seien "gezählt". (Dieses Mantra wiederholte eifrigst auch Westerwelle und auch der unglückliche BND-Chef sang mit in diesem Chor) Die FSA-Führung in der Türkei und ihre Hintermänner werden sich mittlerweile aber keine großen Illusionen mehr über ihre Verhandlungsposition machen können. Der Krieg ist praktisch entschieden. Die syrische Armee (SAA) zeigt: Sie ist eine machtvolle Armee.
... und das ist auch im Sinne von Frieden und dem Schutz von Zivilisten gut so.
5. sehr schön demonstriert,
waschm. 18.08.2012
Zitat von robert.haubeMerkwürdig, dass auch die USA einem neuen Vermittler zugestimmt haben. Bislang hieß es doch immer, Assads Tage seien "gezählt". (Dieses Mantra wiederholte eifrigst auch Westerwelle und auch der unglückliche BND-Chef sang mit in diesem Chor) Die FSA-Führung in der Türkei und ihre Hintermänner werden sich mittlerweile aber keine großen Illusionen mehr über ihre Verhandlungsposition machen können. Der Krieg ist praktisch entschieden. Die syrische Armee (SAA) zeigt: Sie ist eine machtvolle Armee.
Üblicherweise bin ich mit dem Wort Propaganda ja sehr vorsichtig, aber ich habe inzwischen bestimmt 10 mal gehört dass alles bald vorbei wäre und die Regierung alles unter Kontrolle hat. Souria Bikhair hieß es Monatelang im Staatsfernsehen, aber erst als man zugeben musste, dass doch nicht alles in Ordnung war. In die gleiche Kerbe schlägt ihr Kommentar. Es ist nicht alles unter Kontrolle und auch hat die Syrische Armee noch nichts bewiesen außer, dass sie in der Lage ist Wohngebiete zu Trümmern zu schießen und dabei vielleicht auch der Gegenseite Verluste zu zufügen.
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