Medienecho zu Anti-Euro-Partei "Unmittelbare Bedrohung für Angela Merkel"

Die Gründung einer deutschen Anti-Euro-Partei stößt auf reges Interesse in der europäischen Presse: "Forsal" aus Polen ist überzeugt, dass ihre Forderungen "auf fruchtbaren Boden fallen werden", und die niederländische "Trouw" sieht "Angela Merkel bereits auf der rechten Spur überholt".

AfD (Logo): Die Anti-Euro-Partei könnte für Angela Merkel gefährlich werden
DPA

AfD (Logo): Die Anti-Euro-Partei könnte für Angela Merkel gefährlich werden

Von Katja Petrovic


"So wie die Dinge momentan aussehen, ist Angela Merkel auf dem besten Weg, ihre Macht zu verlieren", meint der "Daily Telegraph" aus London:

[Diese] Partei stellt eine unmittelbare Bedrohung für die gebrechliche Koalition von Bundeskanzlerin Angela Merkel dar, die ganz maßgeblich zur Sicherung der Zukunft der Euro-Zone beigetragen hat, indem sie die Kosten für die Rettungspakete Südeuropas auf sich nahm [...]. Angesichts des wesentlichen Beitrags Deutschlands überrascht es vielleicht, dass es nicht schon eher zur Gründung einer ernstzunehmenden euroskeptischen Partei kam. Doch anders als viele Briten hielten die Deutschen lange am europäischen Projekt fest [...]. Die Möglichkeit, wieder ein wirtschaftlich starker "Außenseiter" zu werden, ist Deutschland nicht ganz geheuer, zumal es seine nationalsozialistische Vergangenheit stets und ständig vor seinem inneren Auge hat.
"The Daily Telegraph", London, 11. April

Eine Hemmschwelle, die angesichts des Frusts über die Rettung klammer Euro-Staaten sinken könnte. Denn diesem hat Angela Merkel mit ihrem Festhalten am krisengeschüttelten Euro derzeit nicht viel entgegen zu setzen, meint "Trouw":

Merkel muss bis zu den Bundestagswahlen am 22. September standhaft bleiben. Deshalb will sie ihren "Sparkurs" in Deutschland und in den verschuldeten EU-Staaten nicht aufgeben. Die neue Partei Alternative für Deutschland, die für einen Euro-Austritt Deutschlands plädiert, "überholt sie bereits auf der rechten Spur". Es ist eher unwahrscheinlich, dass diese neue Formation den Einzug ins Parlament schafft. Doch sie wird - mit Hilfe der Anleger, die es satt haben, dass ihre Ersparnisse gen Süden fließen - durchaus einige Stimmen von Angela Merkel abzweigen.
"Trouw", Amsterdam, 11. April

Auch die polnische Online-Zeitung "Forsal" meint, dass die AfD Angela Merkel gefährlich werden könnte:

Egal ob der Alternative für Deutschland bei der Bundestagswahl im September ein bedeutender Wahlerfolg gelingt oder nicht: In jedem Fall wird sich Angela Merkels Projekt, an der Macht zu bleiben, sehr viel komplizierter gestalten. [...] Obwohl Angela Merkel behauptet, dass das Ende der Gemeinschaftswährung auch den Zusammenbruch der Union bedeuten würde, könnte dieses Motto [des Austritts Deutschlands aus der Euro-Zone] auf fruchtbaren Boden fallen. Immer mehr Deutsche sind es leid, die Länder Südeuropas vor dem Bankrott zu retten.
"Forsal", Polen, 13. März

"Le Monde" fügt hinzu, dass die Kritik an der Politik der Bundeskanzlerin "heute weit gefächert ist" und die Euro-Skeptiker mittlerweile in fast allen Reihen zu finden sind:

[...] Zwischen jenen, die denken, dass Deutschland bei der Kreditvergabe an Schuldenländer über den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) ein unkalkulierbares Risiko eingehe, und jenen, wie die Bundesbank, die der Europäischen Zentralbank ähnliche Vorwürfe machen, und schließlich jenen, die einen Euro-Austritt bestimmter Länder fordern - ist die Kritik an der derzeitigen, als zu versöhnlich beurteilten Politik der Bundeskanzlerin weit gefächert. [...] Auch sind in so gut wie jeder Partei Euro-Skeptiker anzutreffen. Bei der linksradikalen Linken […] sind sie sogar in der Mehrzahl. Mehrere liberale Abgeordnete sind offen euroskeptisch. Dabei war diese Partei, die von der Figur des ehemaligen Außenministers Hans-Dietrich Genscher geprägt wurde, lange einer der Stoßtrupps des europäischen Aufbaus. Die heutige Parteiführung scheint manchmal zwischen diesem glorreichen Erbe und einer populistischeren Linie zu schwanken.

Doch, fügt die französische Tageszeitung hinzu, sei die Euro-Skepsis in Deutschland keineswegs neu, nur konnte sie bisher jedoch keine überzeugenden Erfolge erzielen.

"Der Euro [...] war seit jeher Quelle von Kontroversen. Schon 1998 trat eine "Pro DM"-Partei bei den Bundestagswahlen an. Ihr Ergebnis: 0,9 %. [...] Der Widerstand gegen den Euro in Deutschland ist so alt wie die Idee, eine Gemeinschaftswährung auf den Markt zu bringen. Doch hat es bis jetzt niemand geschafft, dieser Strömung eine klare Struktur zu geben.
"Le Monde", Paris, 5. April

insgesamt 108 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
pusterino 12.04.2013
1. endlich
eine Alternative für Deutschlands enttäuschte Nichtwähler
friedrich_eckard 12.04.2013
2.
Sehr genaue Kenntnis der deutschen Verhältnisse verraten diese Kommentare aber nicht - was den Autoren nicht zum Vorwurf gemacht werden soll, da ja auch die Mehrheit der deutschen Wähler nicht versteht, was eigentlich gespielt wird, nämlich das hier: Lagerwahlkampf? Keineswegs, wir haben ein Einparteiensystem mit vier Flügeln, meint Oskar Lafontaine in einer lesenswerten Analyse.*|*NachDenkSeiten – Die kritische Website (http://www.nachdenkseiten.de/?p=16608) Durch ihre Absage an eine Zusammenarbeit mit der LINKEN hat die sPD Merkel eine Weiterbeschäftigungsgarantie in ihrer derzeitigen Funktion über den Wahltag hinaus gegeben, und zwar unabhängig vom genauen Wahlresultat, denn: dass die Teebeutel soviele Stimmen einsammeln können, dass es rechnerisch nicht einmal mehr für schwarzrot2.0 reicht glaubt doch wohl ernsthaft niemand.
gugelhupf42 12.04.2013
3.
"...zumal es [Deutschland] seine nationalsozialistische Vergangenheit stets und ständig vor seinem inneren Auge hat." Ähh, nein! Auch die Journalisten des Daily Telegraph sollten mitbekommen haben, dass der Krieg seit über 60 Jahren vorbei ist. Der mit Abstand größte Teil der Bevölkerung hat das nicht "stets und ständig " vor seinem inneren Auge, warum auch - er hat ja nichts damit zu tun. Leider wird uns das aber gebetsmühlenartig so eingetrichtert - damit wir uns schuldig fühlen und eher geneigt sind, milliardenschwere Hilfsgelder für bankrotte Staaten und Banken abzunicken.
Olaf 12.04.2013
4.
Zitat von sysopDPADie Gründung einer deutschen Anti-Euro-Partei stößt auf reges Interesse in der europäischen Presse: "Forsal" aus Polen ist überzeugt, dass ihre Forderungen "auf fruchtbaren Boden fallen werden", und die niederländische "Trouw" sieht "Angela Merkel bereits auf der rechten Spur überholt". http://www.spiegel.de/politik/ausland/alternative-fuer-deutschland-europas-presse-ueber-die-anti-euro-partei-a-893961.html
Auch wenn diese Partei bei der nächsten Wahl nicht in den Bundestag einziehen sollte; allein dass es eine ernst zu nehmende euroskeptische Partei in Deutschland gibt, wird zukünftige, deutsche Regierungen in ihrem Handeln auf EU Ebene beeinflussen. Man möchte an die ja nicht noch mehr Wähler verlieren.
lscpilot 12.04.2013
5. Laborversuche
Ob ein Austritt Deutschlands aus dem Euro das Land in den Abgrund reißt, Stichworte Target Salden und Aufwertung, oder ob er einigermaßen verkraftbar ist und möglicherweise sogar eine Abwertung der D-Mark mit sich bringt, kann auch von den klugen Professoren und sonstigen Experten bislang nur unter Laborbedingungen diskutiert werden. Das wirklich wahre Leben kann brutale Überraschungen mit sich bringen. Lange nicht mehr war der alte CDU Wahlslogan "Keine Experimente" so wertvoll wie heute.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.