Khadija Ismayilova Alternativer Nobelpreis für Journalistin aus Aserbaidschan

Eineinhalb Jahre saß Khadija Ismayilova in Aserbaidschan im Gefängnis - weil sie über Korruption berichtet hat. Nun gehört sie zu den vier Geehrten beim Alternativen Nobelpreis. Die Preisträger im Überblick.

Khadija Ismayilova
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Khadija Ismayilova

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Für ihren Einsatz sah sich Khadija Ismayilova immer wieder Schmierkampagnen, Belästigungen und fingierten Strafverfahren ausgesetzt. Nun ist sie mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden - als erste Person aus Aserbaidschan überhaupt.

Ismayilova erhält die Auszeichnung "für ihren Mut und ihre Hartnäckigkeit, Korruption auf höchster Regierungsebene durch herausragenden investigativen Journalismus aufzudecken", wie es in der Erklärung der Jury hieß. Wegen ihrer regierungskritischen Berichterstattung wird Ismayilova angefeindet und wurde 2015 sogar zu einer Haftstrafe verurteilt.

Der Right-Livelihood-Award ("Preis für die richtige Lebensweise"), wie der Alternative Nobelpreis offiziell heißt, wird seit 1980 jährlich in Stockholm an vier Menschen oder Projekte vergeben. Drei davon teilen sich in diesem Jahr ein Preisgeld in Höhe von drei Millionen schwedischen Kronen (etwa 315.000 Euro). Dazu zählen neben Ismayilova auch der Menschenrechtsanwalt Colin Gonsalves aus Indien und Yetnebersh Nigussie aus Äthiopien, die sich für Menschen mit Behinderung einsetzt.

Der Ehrenpreis ging an den US-amerikanischen Umweltanwalt Robert Bilott. Im Vorjahr war unter anderem die türkische Zeitung "Cumhuriyet" ausgezeichnet worden. Die diesjährigen Preisträger im Überblick:

Khadija Ismayilova, Journalistin aus Aserbaidschan:

Khadija Ismayilova
AP

Khadija Ismayilova

Ismayilova hat in Aserbaidschon viele Jahre lang über Korruption berichtet. Dabei deckte sie auch lukrative, unlautere Geschäftsabschlüsse des Präsidenten Aliyev sowie dessen Familie und Vertrauten auf. Unter anderem ging es um Bauprojekte im Vorfeld des Eurovision Song Contests in Baku im Jahr 2012. Daneben schrieb Ismayilova auch über Menschenrechtsverletzungen.

Im Dezember 2014 wurde sie unter dem Vorschein verhaftet, ihren Ex-Freund und früheren Kollegen in einen Selbstmordversuch getrieben zu haben. Dieser gab später bekannt, dass er zu seinen Aussagen gedrängt worden sei. Wenig später wurde Ismayilova allerdings wegen angeblicher Steuerhinterziehung zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Nach heftigen internationalen Protesten kam sie nach eineinhalb Jahren wieder frei.

Noch heute ist sie mit einem Reiseverbot belegt, trotzdem schreibt sie weiter über die großen Probleme ihres Landes. "Ich nehme die Auszeichnung im Namen aller Journalisten und Verteidiger der Menschenrechte in meinem Land an, die trotz schwieriger Bedingungen unermüdlich weiter arbeiten", sagte Ismayilova.

Colin Gonsalves, Menschenrechtsanwalt aus Indien:

Colin Gonsalves
AFP

Colin Gonsalves

Gonsalves hat sich über mehrere Jahrzehnte für öffentliches Recht in Indien eingesetzt. Der Menschenrechtsanwalt wird von der Jury geehrt "für seinen unermüdlichen und innovativen Einsatz vor Gericht, um die grundlegenden Menschenrechte von Indiens marginalisiertesten Bürgern zu schützen."

Über das von ihm gegründete "Humans Rights Law Network" (HRLN) setzt sich Gonsalves unter anderem für die indigene Bevölkerung, Slum-Bewohner, Frauen und Kinder ein. Die Anwälte des Teams gelten als Pioniere des öffentlichen Rechts in Indien. Ihr Einsatz führte unter anderem dazu, dass mehr als 400 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze mit subventioniertem Getreide versorgt wurden und Kinder, jugendliche Mädchen, schwangere Frauen sowie stillende Mütter zusätzliche Ernährung erhielten.

Außerdem hat das Team eine Preisregulierung überteuerter Medikamente erreicht und mehrfach bewirkt, dass Abschiebungen, Todesstrafen oder er Abriss von Slums ausgesetzt wurden. "Die Auszeichnung kommt in einer Phase, in der Indien durch eine dunkle Zeit geht und Menschenrechtsaktivisten unter Druck gesetzt werden", sagte Gonsalves: "Die Plattform, welche die Stiftung bietet, wird uns dabei helfen, den demokratischen Widerstand in dieser kritischen Situation zu stärken."

Yetnebersh Nigussie, Anwältin aus Äthiopien:

Yetnebersh Nigussie
AFP

Yetnebersh Nigussie

Die Anwältin setzt sich unter anderem in der Nichtregierungsorganisation "Light for the World ("Licht für die Welt") für die Inklusion von Menschen mit Behinderung ein. Nigussie selbst ist im Alter von fünf Jahren in Folge einer Meningitis-Infektion erblindet. Die 34-Jährige verändere "die Denkweise in unserer Gesellschaft", hieß es in der Begründung für die Auszeichnung.

Nigussie war auch eine der Gründerinnen des Äthiopischen Zentrums für Behinderung und Entwicklung (ECDD), das Inklusion in der äthiopischen Gesellschaft vorantreibt. Von 2011 bis 2015 war sie hier Geschäftsführerin. In dieser Zeit erweiterte die Organisation ihre Programme von der Hauptstadt Addis Abeba auf mehrere Regionen des Landes. Zudem war Nigussie daran beteiligt, dass beim Bau neuer Gebäude in Äthiopien nun auch für Barrierefreiheit gesorgt werden muss.

Robert Bilott, Umweltanwalt aus den USA:

Robert Bilott
Taft Stettinius & Hollister LLP

Robert Bilott

Für "einen der bedeutendsten Siege für Umweltrecht" ist Bilott mit dem Ehrenpreis beim Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden. Der US-amerikanische Umweltanwalt deckte über mehrere Jahrzehnte einen extremen Fall chemischer Verschmutzung auf.

Wie Bilott herausfand, hatte der US-Chemiekonzern DuPont in Parkersburg, West Virginia, jahrelang Perfluoroctansäure (PFOA) in einen Bach gespült. Eine siebenjährige toxikologische Studie, angeleitet durch Bulott, fand heraus, dass PFOA zu schwerwiegenden Erkrankungen wie Nieren- oder Hodenkrebs führen kann. Nach zunächst geringen Strafzahlungen musste DuPont letztlich etwa 671,7 Millionen US-Dollar (etwa 561,5 Millionen Euro) zahlen, um etwa 3500 Einzelklagen von erkrankten Personen beizulegen.

Im Jahr 2013 stellte DuPont die Produktion und Nutzung von PFOA ein. Die fünf übrigen Unternehmen der Welt, die ebenfalls PFOA herstellen, setzen die Produktion ebenfalls nach und nach aus. "Ich hoffe, dass diese Auszeichnung dazu beiträgt, ein stärkeres Bewusstsein für den Schutz unseres Trinkwassers und für die Stärkung der Rechte von betroffenen Anwohnern und Gemeinden zu schaffen", sagte Bilott.



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