Ex-Kanzler Schröder "Griechenland-Bashing muss aufhören"

In der Griechenland-Debatte meldet sich nun auch Gerhard Schröder zu Wort. Der Altkanzler geht mit Politikern von CSU und FDP hart ins Gericht - dem Sozialdemokraten missfällt der Umgangston in der Euro-Krise.

Griechenland und Europa: Beschimpfungen müssen aufhören
dapd

Griechenland und Europa: Beschimpfungen müssen aufhören


Athen - Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) fordert, Griechenland nicht mehr öffentlich anzugehen. Die Beschimpfungen seien "der europäischen Idee nicht dienlich und werden dem Euro nicht helfen", sagte er im staatlichen griechischen Fernsehsender Net.

"Vor allen Dingen wünsche ich mir, dass das, was ich Griechenland-Bashing nenne, aufhört", sagte Schröder. Er bezog sich damit auf jüngste Äußerungen von CSU- und FDP-Politikern. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte kürzlich gesagt, ein Euro-Austritt der Griechen habe "längst seinen Schrecken verloren". Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) hatte in einem Interview mit der "Bild am Sonntag" gefordert, an Griechenland müsse "ein Exempel statuiert werden".

Dazu sagte Schröder nun: "Der deutsche Wirtschaftsminister versucht seinen Job als Vorsitzender seiner liberalen Partei mit dem Griechenland-Bashing zu retten." Zudem gebe es Politiker in Bayern, "die glauben, sie können Landtagswahlen mit Griechenland-Bashing gewinnen". Dies sei in beiden Fällen falsch.

Athen müsse mehr Zeit gegeben werden, forderte der Altkanzler. "Wenn nun festgestellt wird, Griechenland macht seine Reformen, es erneuert sich, dann müsste man Athen Zeit geben, um die Lasten gerecht verteilen zu können", so Schröder. Der Ex-Kanzler äußerte sich optimistisch, dass der Euro gerettet werden kann. "Ich bin mir ziemlich sicher. Ich hoffe und erwarte, dass Griechenland dabei bleibt. Es wird nicht einfach sein."

In Griechenland spitzt sich die Schuldenkrise derzeit zu. Eigentlich hätte dem Land schon eine weitere Kredit-Tranche aus dem Rettungspaket überwiesen werden sollen. Doch nach der Regierungsneubildung ist unklar, wie das Land in der Schuldenkrise fortan handeln wird. Europäische Union (EU), Europäische Zentralbank (EZB) und Internationaler Währungsfonds (IWF) haben die Auszahlungen deshalb vorerst gestoppt. Banken waren eingesprungen, um das Land zu retten.

Griechenlands Premier Antonis Samaras will Kanzlerin Merkel bei einem Treffen in der kommenden Woche davon überzeugen, die Sparauflagen für sein Land zu lockern. Zusätzlich braucht Athen neue Milliarden, um Haushaltslöcher zu stopfen.

jls/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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blumt0pf 15.08.2012
1. Danke!
... Gerhard Schröder für diesen sinnvolle Kommentar! Das Griechenland-Bashing empfinde ich als zutiefst beschämend und beleidigend für das griechische Volk. Viele politische, mediale und gesellschaftliche Kommentare in Deutschland sind unter aller Würde.
susirudi 15.08.2012
2. Griechenland-Bashing
Der Altkanzler hates nötig, anderen die Leviten zu lesen. Hätten er und seine Vasallen den Griechen nicht den "roten Teppich" ausgerollt, dann hätten wir und die Griechen diese Probleme nicht. Die Genossen unter Herrn Simitis mußten ja auf Teufel komm raus in den Ejururaum. Jedermann mußte wissen, dass die Zahlen der Griechen nicht stimmen konnten und die EU unter dem ERweiterungskommissar Verheugen hat beide Augen zugedrückt! Wo waren die tollen Ratingagenturen? Die haben doch die Zahlen der Griechen testiert. Lieber Gerhard Schröder, lieber Superminister d.D. Hans Eichel, wo ist eigentlich die Entschuldigung? Der deutsche Steuerzahler hat ein Anrecht darauf! Ein besorgter Bürger
josefsson 15.08.2012
3. dachte immer, Gerhard S. aus H. kümmert sich
nun hauptberuflich nicht mehr um D. sondern um Russland? Schön, dass er dabei auch noch GR im Blick hat. Vielleicht hat ihm sein erkleckliches Einkommen aber auch den Blick auf die Arbeiter und Angestellten in D verstellt, die das teure GR-Abenteuer finanzieren werden und das in Wahrheit und Mehrheit nicht wollen. Dann wird es immer Politiker geben, die das aussprechen, selbst solche aus der FDP. Hätte Schröder an GR appelliert, für Kredite endlich handfeste Pfänder auszureichen, so wie Finnland, um damit ihren Ernst zu dokumentieren ihr Land zu reformieren, ja dann wäre er ein Held für mich gewesen. So ist er knapp drunter.
spon-facebook-10000258568 15.08.2012
4. Alternativlos - Kritiklos - Sinnlos
Schön, das sich der Genosse der Bosse und Freund wahrer Demokraten so eindeutig dafür einsetzt, alternativlose Maßnahmen kritiklos hinnehmen zu müssen. Das was er als Bashing bezeichnet ist das was vielen im Kopf 'rum geistert: Ist Griechenland, welches zweifellos niemals dem Euroraum hätte beitreten dürfen, nach nun zwei Jahren Kriese im Euroraum haltbar? Und ein auch zweifellos nicht leicht gefälltes "Nein" wird diffamiert. Allgemeiner Wunsch ist schlicht: Ruhe im Puff, Währung mit vernünftigem Innen- und Außenwert mit mäßiger Inflation. Das gepaart mit keiner zusätzlichen Neuverschuldung um die Steuern nicht in die Höhe zu treiben. Wie ist egal! Ist das zu viel verlangt? Ach ja Schröder: Vermisst den jemanden? Ich jedenfalls nicht!
Tolotos 15.08.2012
5. Typisch Politiker: Erst den Mist verzapfen und sich dann über den Ton beschweren!
Zitat von sysopdapdIn der Griechenland-Debatte meldet sich nun auch Gerhard Schröder zu Wort. Der Altkanzler geht mit Politikern von CSU und FDP hart ins Gericht - dem Sozialdemokraten missfällt der Umgangston in der Euro-Krise. Altkanzler Gerhard Schröder kritisiert "Griechenland-Bashing" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,850159,00.html)
Wer uns die Probleme eingebrockt hat, sollte sich vielleicht lieber etwas zurückhalten! War es nicht die Schröderregierung, die Griechenland trotz aller Bedenken und wohl auch mit Wissen um die frisierten Zahlen in die Eurozone geholt hat? PS: Hält Schröder nicht bis heute Putin für einen lupenreinen Demokraten? Das würde zumindest erklären, warum ihn die Trixereien der griechischen Politiker nicht gestört haben!
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