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Amerikas Afghanistan-Strategie: Mission Impossible für den Muster-General

Von , New York

Die Ernennung von General Petraeus zum Oberkommandierenden in Afghanistan hat US-Präsident Obama viel Lob eingebracht. Doch der Feldherr steht vor einem kniffligen Problem: Er ist Architekt jener Kriegsstrategie, die dort gerade scheitert. Kann Petraeus das drohende Desaster abwenden?

General Petraeus: Stratege in der Strategiefalle Zur Großansicht
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General Petraeus: Stratege in der Strategiefalle

Das Problem mit Medienskandalen ist, dass das Wichtigste oft im Getöse untergeht. So auch jetzt: Bei all dem Wirbel um den Bericht des Magazins "Rolling Stone", der dem bisherigen Afghanistan-Kommandeur, US-General Stanley McChrystal, zum Verhängnis wurde, blieb der eigentliche Kernpunkt des Artikels völlig auf der Strecke. Denn die Story klagte keineswegs nur McChrystal und sein Team an - sondern vielmehr die gesamte Kriegsstrategie der USA.

Ausführlich beschreibt Autor Michael Hastings, wie frustriert die US- Truppen in Afghanistan sind. Ihr Missmut gilt vor allem der Doktrin der "counterinsurgency", im Soldatenjargon Coin genannt. Gemeint ist die Niederschlagung der Gewalt mit einer Kombination aus militärischen, technologischen und diplomatischen Mitteln. Vor allem geht es darum, das Leben der Zivilbevölkerung zu schonen.

Diese Methode war schon im Irak erfolgreich und soll nun endlich auch in Afghanistan die Wende bringen. "Coin ist das neue Evangelium der Pentagon-Spitze", schreibt Hastings. "Eine Doktrin, die die Präferenz des Militärs für Hightech-Gewalt mit den Anforderungen langwieriger Kriege in gescheiterten Staaten zu verbinden versucht."

Doch Afghanistan ist nicht der Irak. Die Länder sind grundverschieden - und die Probleme auch.

In dem Artikel beklagen sich die Soldaten offen über ihre Lage - vor allem über die Vorgabe, selbst im Ernstfall nicht zu schießen oder Bomben zu werfen, um Zivilisten zu schonen. "Macht das alles noch einen Sinn?", klagt einer. "Da fragt man sich: Was machen wir hier eigentlich?"

Schwieriges Erbe für Petraeus

Diese Frage muss nun McChrystals Nachfolger beantworten, General David Petraeus. Der 57-Jährige - der dazu seinen Posten als Leiter des US-Zentralkommandos Centcom abtritt - erbt die größte militärische Herausforderung, vor der die USA dieser Tage stehen: Wie lässt sich Afghanistan befrieden?

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General Petraeus: Teflon-General im Rampenlicht
Als US-Präsident Barack Obama die Generäle am Mittwoch austauschte, machte er klar, dass er damit keine militärische Wende signalisieren wollte. "Dies ist ein Personalwechsel", sagte er, "aber es ist kein Strategiewechsel." Petraeus habe "die gegenwärtige Strategie sowohl unterstützt wie auch zu entwickeln geholfen."

Mehr noch: Er hat sie sogar mit erfunden. Im Irak testete er die Coin-Doktrin; kombiniert mit der "Surge", der US-Truppenaufstockung in den Jahren 2006 und 2007 hatte sie Erfolg. Petraeus verfasste auch das dazugehörige Handbuch - ein 241-Seiten-Konvolut, das die üblichen Gefechtsregeln mit zivilen Hinweisen anreichert: "Sprachtechniken", "juristische Erwägungen", "Analyse sozialer Netzwerke".

Das Handbuch avancierte zur Bibel des US-Militärs - auch in Afghanistan. Petraeus' Vorgänger McChrystal ließ die Vorschriften als Merkkärtchen an seine Soldaten verteilen. Er hatte die Petraeus-Doktrin treu mit eigenen Mitteln umgesetzt.

Und genau darin liegt nun das Problem. So sorgte Obama mit der Wahl Petraeus' auf den ersten Blick zwar für einen sauberen Übergang. Die Kehrseite: Immer mehr Insider zweifeln daran, dass Petraeus' Coin-Strategie auch in Afghanistan funktionieren kann, zumindest unter den gegebenen Umständen.

Kritik am Truppenabzug

Ein Hauptargument: Im Irak war der Erfolg der "counterinsurgency" untrennbar mit dem massiven US-Truppenaufmarsch verbunden. In Afghanistan dagegen hat Obama jetzt genau das Gegenteil versprochen: Er will die US-Streitkräfte, die er Ende 2009 erst aufgestockt hatte, ab Juli 2011 wieder abziehen - ein Plan, den auch General Petraeus skeptisch sieht.

Andere Kritiker stellen das Strategiekonzept grundsätzlich in Frage. Die Vorstellung, "Herz und Geist" eines Volkes gewinnen zu können, sei ein "Klischee", eine "Fälschung" und eine "eigennützige Fiktion", die schon in Vietnam versagt habe, schreibt Gian Gentile, Geschichtsprofessor an der US- Militärakademie West Point und selbst ein Oberst. Es sei ein Fehler, anzunehmen, dass diese Methoden per se auch "für den nächsten Krieg und den danach geeignet seien".

Die Probleme der Afghanistan-Strategie wird denn wohl auch die größte Streitfrage bei den Anhörungen werden, in denen der Senat die Benennung Petraeus' kommende Woche bestätigen soll. Schon hat der Republikaner John McCain angekündigt, den Abzugsplan neu zu thematisieren. "Wir können dem Feind im Krieg nicht mitteilen, wann wir abziehen, und dann erwarten, dass sich unsere Strategie durchsetzt", sagte er dem TV-Sender ABC.

Hier zeigt sich das Dilemma: Im Irak beseitigte Petraeus die gescheiterte Strategie anderer. In Afghanistan ist es seine eigene Strategie, die klemmt. Seine Reputation als US-Kriegsheld steht auf dem Spiel. Das ahnte er selbst schon Ende 2008: "Ich habe immer gesagt, dass Afghanistan der härtere Kampf werden wird."

Gute Kontakte ins Weiße Haus

Er hat recht behalten. In Afghanistan läuft alles schief, was nur schieflaufen kann. Eine Offensive in der Provinz Helmand stieß im Frühjahr auf Widerstand, eine Folgeoffensive in Kandahar verzögert sich, Präsident Hamid Karzai gilt als unberechenbar, die Regierung als korrupt. Und die Taliban haben sich erfolgreich festgesetzt.

"Wir haben ein klares Ziel", sagte Obama am Mittwoch. "Wir werden das Momentum der Taliban brechen." Es waren exakt dieselben Worte, mit denen er im Dezember in der Militärakademie West Point seine neue Afghanistan-Linie angekündigt hatte. Man kann das auch so interpretieren: Die Amerikaner treten auf der Stelle.

Immerhin darin sind sich die meisten Beobachter einig: Wenn einer das Ruder herumreißen kann, dann Petraeus. Seit Jahren steckt er tief in der Materie. Er kennt Karzai und viele seiner Top-Beamten. Er pflegt enge Kontakte zu Pakistan und den zentralasiatischen Schlüsselstaaten. "Es ist, als ernenne man Yoda zum Chef des Kriegs", sagte ein Berater Petraeus' der "Washington Post", in Anspielung auf die Figur des greisen Weisen in den "Star Wars"-Filmen.

Petraeus wird auf die Kritiker der Afghanistan-Strategie zugehen oder die Strategie selbst anpassen müssen, ohne seinen Chef Obama zu düpieren. Zugute kommt ihm, dass er ein blendendes Verhältnis zu Washingtons Strippenziehern hat, anders als McChrystal, dessen beißende Verachtung der politischen Führung in dem "Rolling Stone"-Artikel ungefiltert hervortrat.

Dabei formulierte McChrystal nur das, was viele Soldaten denken. In der Tat sehen sie sich in Afghanistan von der Politik im Stich gelassen. Washington, klagen sie, habe sie vergessen.

Strategie als Achterbahnfahrt

Petraeus dürfte diese Klagen in der Hauptstadt jetzt wesentlich effizienter vortragen können als sein Vorgänger. Der PR-Fuchs zeigte schon im Irak, wie geschickt er seine Anliegen bei den Politikern und Diplomaten verkaufen kann.

Petraeus' Zusammenarbeit mit dem damaligen Irak-Botschafter Ryan Crocker und die Auftritte dieses Duos im Kongress sind Legende. Auch hat er eine gute Beziehung zu Außenministerin Hillary Clinton - ein weiterer Bonus, der ihm helfen könnte, das in Sachen Afghanistan zerstrittene US-Team auf eine Linie zu bringen.

"Petraeus wird sich in Ruhe hinsetzen und die gängigen Annahmen überprüfen", sagte der demokratische Senator Jack Reed, der im Streitkräfteausschuss sitzt, der "New York Times". "Die Schwerpunkte und der Ton werden sich wandeln. Petraeus' Führungsstil ist es, die Hand auszustrecken, an die Truppen, die Alliierten und die zivilen Führung."

Dazu wird er bei den kommenden Kongress-Anhörungen erste Gelegenheit haben. Schon vorige Woche musste er sich vor dem Senat zur Frage des Truppenabzugs erklären. Die Coin-Strategie, räumte auch er da ein, sei "ein Achterbahnfahrt-Erlebnis", das sich einer starren Zeitleiste widersetze. Das Datum Juli 2011 sehe er als Punkt, "an dem der Fortschritt beginnt" - nicht "als das Datum, an dem die USA zum Ausgang strömen".

Es war ausgerechnet bei jener Anhörung, als Petraeus während einer Frage seines Kritikers McCain ohnmächtig wurde und auf dem Zeugentisch zusammensank. Kein böses Omen, versicherte er den Senatoren anschließend: "Ich war wahrscheinlich etwas dehydriert."

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Forum - Die McChrystal-Affäre - wie geht es weiter mit Obamas Afghanistan-Mission?
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1.
semir, 23.06.2010
Zitat von sysopDie Affäre um die Lästereien des einstigen Vorzeige-Generals Stanley McChrystal gefährdet den Einsatz der internationalen Truppen in Afghanistan. Was glauben Sie: Wie geht es weiter mit der Mission am Hindukusch?
Der Einsatz in Afghanistan ist nicht von einer Person abhängig.Weder Obama noch McChrystal haben etwas zu sagen - die wahren Herrscher sind diejenigen, die den Wahlkampf Obamas finanziert haben und im Hintergrund Anweisungen geben.
2. Die Militärs übernehmen die Politik
ray4901 23.06.2010
Zitat von sysopDie Affäre um die Lästereien des einstigen Vorzeige-Generals Stanley McChrystal gefährdet den Einsatz der internationalen Truppen in Afghanistan. Was glauben Sie: Wie geht es weiter mit der Mission am Hindukusch?
Für seine Militärkarriere scheint der Stan nicht das Richtige getan zu haben. Als Hoffnungsträger der Reps. 2012 könnte er weiter aufsteigen. Man stelle sich einen McCain im besten Alter vor, das wäre der Durchmarsch!
3.
Vihaio 23.06.2010
Zitat von sysopDie Affäre um die Lästereien des einstigen Vorzeige-Generals Stanley McChrystal gefährdet den Einsatz der internationalen Truppen in Afghanistan. Was glauben Sie: Wie geht es weiter mit der Mission am Hindukusch?
Wie bisher. Die westliche Truppenpräsenz wird, mit wechselnden Begründungen, aufrecht erhalten. Siehe Irak, Japan, Korea, Philippinen, Italien, Deutschland, Türkei etc. Siehe "Empire of Bases" (http://www.nytimes.com/2009/07/14/opinion/14iht-edjohnson.html) Es ist einfach zuviel Geld damit zu verdienen. "USA beherrschen zwei Drittel des Rüstungsmarkts" (http://www.welt.de/politik/article4479110/USA-beherrschen-zwei-Drittel-des-Ruestungsmarkts.html) Und noch sind zu viele Zeitgenossen Gefangene in Platos Höhle. Aber nicht mehr lange. "Council on Foreign Relations Warns U.S. Dollar and Debt at Tipping Point" (http://www.economicpolicyjournal.com/2010/06/council-on-foreign-relations-warns-us.html) Dann folgt die Evakuierung.
4. Man muss reden
Stefanie Bach, 23.06.2010
Zitat von VihaioWie bisher. Die westliche Truppenpräsenz wird, mit wechselnden Begründungen, aufrecht erhalten. Siehe Irak, Japan, Korea, Philippinen, Italien, Deutschland, Türkei etc. Siehe "Empire of Bases" (http://www.nytimes.com/2009/07/14/opinion/14iht-edjohnson.html) Es ist einfach zuviel Geld damit zu verdienen. "USA beherrschen zwei Drittel des Rüstungsmarkts" (http://www.welt.de/politik/article4479110/USA-beherrschen-zwei-Drittel-des-Ruestungsmarkts.html) Und noch sind zu viele Zeitgenossen Gefangene in Platos Höhle. Aber nicht mehr lange. "Council on Foreign Relations Warns U.S. Dollar and Debt at Tipping Point" (http://www.economicpolicyjournal.com/2010/06/council-on-foreign-relations-warns-us.html) Dann folgt die Evakuierung.
Dass Schröder Deutschland aus dem Irak-Krieg herausgehalten hat, wird sein Verdienst bleiben. Dass wir uns ansonsten in alle möglichen militärischen Auseinandersetzungen haben hineinziehen lassen ist bitter. Am Beispiel Afghanistan wird sehr deutlich, dass auch ein humanitär bemäntelter Militäreinsatz nur Menschenleben und Geld kostet. Sprache ist die Grundlage zur Verständigung mit anderen (http://www.plantor.de/2009/kann-man-ohne-sprache-denken/).
5.
KabulChris 23.06.2010
Quote "Sprache ist die Grundlage zur Verständigung mit anderen." - dazu gehoeren immer 2 Parteien und kann nicht nur einseitig geschehen.
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Stanley McChrystal: Der asketische General

Im Wortlaut: Der Rücktritt des Generals
McChrystal: "Es war mir eine Ehre"
Stanley McChrystal: "Heute Morgen hat der Präsident meinen Rücktritt als Oberbefehlshaber der US- und Nato-Truppen in Afghanistan angenommen. Ich unterstütze die Strategie des Präsidenten in Afghanistan sehr und fühle mich unseren Koalitionstruppen, unseren Partnerstaaten und dem afghanischen Volk zutiefst verpflichtet. Aus Achtung vor dieser Verpflichtung und aus dem Wunsch, einen Erfolg der Mission zu sehen, habe ich meinen Rücktritt eingereicht. Es war mir ein Privileg und eine Ehre, die Besten unseres Landes zu führen."
Obama: "Dies ist kein Strategiewechsel"
Barack Obama sagte, er habe das Rücktrittsgesuch mit Bedauern angenommen. Es sei schwierig, auf McChrystal zu verzichten. "Ich glaube, das ist die richtige Entscheidung für die nationale Sicherheit." Er begrüße Diskussionen unter seinen Mitarbeitern, werde allerdings keine "Spaltung" seiner Mannschaft tolerieren. McChrystal habe "das Vertrauen untergraben, das unser Team braucht". Sein Verhalten habe nicht den "militärischen Standards eines kommandierenden Generals" entsprochen. Die Entscheidung habe nichts mit persönlichem Beleidigtsein oder Streit über den Kurs zu tun: "Wir stimmen voll über die Strategie überein." Und: "Dies ist ein Personalwechsel, kein Strategiewechsel." In Afghanistan stünden "sehr harte Kämpfe bevor". Alles müsse sich darauf konzentrieren, erfolgreich zu sein. Die US-Soldaten und die verbündeten Truppen dürften durch nichts abgelenkt werden.
Karzai: "Gehofft, dass das nicht passiert"
"Wir hatten gehofft, dass dies nicht passiert", sagte der Sprecher des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai. "Aber die Entscheidung ist gefallen, und wir respektieren sie." Man freue sich darauf, mit dem Nachfolger zusammenzuarbeiten.

Fläche: 652.864 km²

Bevölkerung: 26,023 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staatsoberhaupt:
Ashraf Ghani Ahmadsai

Regierungschef: Abdullah Abdullah

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Karzai und Afghanistan
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Hamid Karzai
AFP
Hamid Karzai ist der derzeit amtierende Präsident Afghanistans. Nach der ersten Phase des Afghanistan-Kriegs hatten ihn die USA und die Uno auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 als Regierungschef einer afghanischen Interimsregierung durchgesetzt. Die Loya Jirga wählte Karzai 2002 zum Präsidenten einer Übergangsregierung, und nach Verabschiedung einer neuen Verfassung bestimmten ihn die Afghanen 2005 in direkter Wahl zu ihrem Präsidenten. Durch den Einfluss der Warlords blieb Karzais Macht jedoch beschränkt. Zuletzt verlor er auch die Unterstützung der USA.

Hamid Karzai wurde 1957 in Kandahar geboren. Er gehört dem mächtigen Paschtunen-Stamm der Popalzai an, der mehrere afghanische Könige hervorbrachte. Karzai studierte in Indien und hielt sich immer wieder in den USA auf. Zusammen mit den Mudschahidin kämpfte er in den achtziger Jahren gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans . Aus dem Exil in Pakistan unterstützte Karzai die Taliban zunächst, wandte sich dann aber gegen das Regime, dem auch die Ermordung seines Vaters zugeschrieben wird. Nach Beginn der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan kehrte Karazi 2001 in seine Heimat zurück und stellte sich an die Spitze der Anti-Taliban-Bewegung in der Region Kandahar.

Präsidentschaftswahlen
dpa
Am 30. August 2009 wählten die Afghanen ihren neuen Präsidenten. Doch es kam zu massiven Fälschungen, insbesondere zugunsten Karzais. Die Auszählungsergebnisse in 210 Wahllokalen wurden anschließend für ungültig erklärt. Karzai, der sich zuvor als Sieger gesehen hatte, verfehlte nach dem um manipulierte Stimmen bereinigten Endergebnis die absolute Mehrheit: Er erreichte nur 49,67 Prozent der Stimmen.

Eine Stichwahl zwischen Karzai und Ex-Außenminister Abdullah Abdullah sollte die Entscheidung bringen. Doch der Herausforderer zog seine Kandidatur zurück mit der Begründung, es könne wie im ersten Durchgang erneut zu Unregelmäßigkeiten kommen. Die afghanische Wahlkommission rief Karzai daraufhin erneut zum Präsidenten aus.

Isaf-Einsatz
DDP
Nach Beginn des Afghanistan-Kriegs 2001 und dem Sturz der radikal-islamischen Taliban beschloss der Uno-Sicherheitsrat , eine internationale Schutztruppe im Land ( Isaf ) einzusetzen. Sie soll den Wiederaufbau Afghanistans zu einer Demokratie absichern, auch indem sie zivile Wiederaufbauteams (PRTs) schützt, von denen derzeit 26 tätig sind.

Der Einsatz war zunächst auf die Hauptstadt Kabul und deren Umgebung beschränkt und wurde bis 2006 auf das ganze Land ausgeweitet. Seit 2003 führt die Nato die Isaf. Derzeit gehören ihr mehr als 119.000 Soldaten aus 46 Nationen an, darunter auch aus Nicht-Nato-Staaten wie Australien und Neuseeland.
Deutschland übernahm 2006 das Isaf-Kommando für den Norden Afghanistans. 2007 bestellte die Bundeswehr sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado ab, die Luftbilder aus ganz Afghanistan für Isaf liefern. Die Bundesrepublik stellt derzeit mit mehr als 4000 Soldaten die drittgrößte Truppe nach den USA und Großbritannien.

Probleme in Afghanistan
AFP
Da die Taliban inzwischen wieder an Stärke gewonnen haben, nehmen die militärischen Auseinandersetzungen zu. Besonders hart umkämpft ist der Osten des Landes, wo die meisten US-Soldaten stationiert sind. Die schwer kontrollierbaren Stammesgebiete Pakistans gelten als Rückzugsgebiet und Nachschubbasis der Taliban.

Die Stabilisierung Afghanistans wird durch Korruption, die bis in höchste Regierungskreise verbreitet ist, sowie durch Drogenproduktion und -schmuggel erschwert.

Opium-Wirtschaft
REUTERS
Obgleich die afghanische Übergangsregierung unter Karzai im Januar 2002 den Schlafmohnanbau verboten hat, ist der Drogenanbau rasch wieder zum dominierenden Wirtschaftszweig Afghanistans geworden. Das Land ist der weltweit größte Produzent von Rohopium .

Mit Einnahmen aus dem Drogenschmuggel finanzieren die Taliban ihren Kampf gegen Karzais Regierung und die ausländischen Truppen. Die Bekämpfung ist problematisch, weil viele Menschen von dem Handel leben. Isaf -Soldaten sind inzwischen befugt, gegen Drogenhändler vorzugehen und Laboratorien zu zerstören, in denen Schlafmohn zu Opium verarbeitet wird.

Afghanistan-Krieg
REUTERS
Der Afghanistan-Krieg der USA und ihrer Verbündeten war die erste große militärische Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 . Er richtete sich sowohl gegen das Terrornetzwerk al-Qaida , das für die Anschläge verantwortlich gemacht wird, als auch gegen das seit Mitte der neunziger Jahre in Afghanistan herrschende islamisch-fundamentalistische Taliban -Regime.

Die Taliban wurden bezichtigt, Osama Bin Laden und andere hochrangige Mitglieder von al-Qaida zu unterstützen und zu beherbergen.

Die erste Kriegsphase endete mit dem Fall der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz im November und Dezember 2001. Auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 wurde eine Interimsregierung unter Präsident Hamid Karzai eingesetzt und die Einberufung einer verfassunggebenden Loya Jirga beschlossen. Gleichzeitig erteilte der Uno-Sicherheitsrat den Nato-Staaten und mehreren Partnerländern das Isaf -Mandat zur Unterstützung des Wiederaufbaus.


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