Kampfstoff Nowitschok Mann schenkte Freundin versehentlich Nervengift

Vor gut zwei Wochen starb eine Britin infolge einer Vergiftung durch Nowitschok. Nun ist klar: Ihr Lebensgefährte überreichte ihr den gefährlichen Kampfstoff - er dachte offenbar, es sei Parfüm.

Ermittlungen in Amesbury
DPA

Ermittlungen in Amesbury


Der Tod einer 44-jährigen Frau in Südengland durch den Kampfstoff Nowitschok ist durch einen fatalen Irrtum verursacht worden. Der Lebensgefährte der Verstorbenen sagte der englischen Zeitung "The Sun", er habe "eine kleine Kosmetikflasche" gefunden, "die ich aufhob und ihr schenkte". In der Flasche befand sich offenbar das gefährliche Nervengift. Er werde wohl nie über das Geschehene hinwegkommen, sagte der Lebensgefährte.

Der 45-Jährige und seine Freundin waren Ende Juni mit Vergiftungssymptomen in die Klinik gebracht worden - die Mutter von drei Kindern starb am 8. Juli. Der Mann wachte kurz darauf auf und konnte am vergangenen Freitag aus dem Krankenhaus entlassen werden, ist aber noch gesundheitlich angeschlagen. "In gewisser Weise fühle ich mich glücklich, überlebt zu haben", sagte er der "Sun". "Aber ich habe auch so viel verloren."

Die kleine Flasche mit dem Nervengift, die das Paar für Parfüm hielt, hatten Ermittler in seiner Wohnung in Amesbury entdeckt. Bislang war aber nicht bekannt gegeben worden, wie sie dort hingekommen sein könnte.

Ermittler gehen von Verbindung zum Fall Skripal aus

Die Behörden schließen nicht aus, dass noch weitere Gegenstände und Orte in der Umgebung von Salisbury mit Nowitschok kontaminiert sein könnten. Sie warnten davor, unbekannte Dinge vom Boden aufzuheben.

Die Ermittler glauben, dass der Fall mit dem Giftanschlag auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julija zusammenhängt. Sie waren Anfang März bewusstlos auf einer Parkbank in Salisbury entdeckt worden, nur wenige Kilometer vom Amesbury entfernt. Sie entkamen nur knapp dem Tod.

London bezichtigte Moskau, für den Anschlag verantwortlich zu sein. Nowitschok wurde in der früheren Sowjetunion entwickelt, später experimentierten aber auch andere Länder mit dem Kampfstoff. Der Kreml wies die Vorwürfe zurück; der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus. Ein Bericht, wonach die Polizei angeblich russische Verdächtige identifiziert hat, wurde bislang nicht bestätigt.

SPIEGEL TV über das Nervengift Nowitschok

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aev/dpa



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