Flüchtlinge an EU-Außengrenze Amnesty prangert Griechenland an

"Unhaltbar": So nennt Amnesty International die Lage von Flüchtlingen an der griechischen EU-Außengrenze zur Türkei. Manche berichten, dass ihnen Pässe und Geld abgenommen wurden - und sie sich nackt ausziehen mussten.

Griechisches Flüchtlingslager Fylakio (2011): "Verstoß gegen internationales und europäisches Recht"
REUTERS

Griechisches Flüchtlingslager Fylakio (2011): "Verstoß gegen internationales und europäisches Recht"


Berlin/Athen - Die Lage von Flüchtlingen an der griechischen Grenze zur Türkei verschlechtert sich laut Amnesty International dramatisch. Die Menschenrechtsorganisation sprach von unhaltbaren Zuständen und forderte die EU auf, ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Griechenland einzuleiten.

Flüchtlinge hätten berichtet, dass ihnen Pässe und Geld abgenommen worden seien, so Amnesty in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Einige der Befragten gaben demnach sogar an, dass sie sich vor der griechischen Küstenwache hätten nackt ausziehen müssen. Dann seien sie mit Waffen bedroht und in kleinen Booten zurück in die Türkei abgeschoben worden.

Griechenland verletze damit das Verbot, Menschen in ein Land zurückzuschicken, in dem ihr Leben in Gefahr ist, so Amnesty. Die Rückführung der Flüchtlinge verstoße "gegen internationales und europäisches Recht". Die Regierung in Athen müsse den aufgegriffenen Flüchtlingen vielmehr dabei helfen, Asyl zu beantragen, forderte die Organisation.

"Push-backs", wie kollektive Abschiebungen ohne Prüfung der jeweiligen Einzelfälle genannt werden, seien sowohl nach griechischem als auch nach EU- und internationalem Recht verboten und eine klare Verletzung der internationalen Verpflichtungen Griechenlands, heißt es in dem Bericht

Berichte über die schlechte Behandlung von Flüchtlingen in Griechenland gibt es seit Jahren. Doch laut Amnesty hat sich die Situation an der griechischen Grenze zur Türkei noch einmal dramatisch verschlimmert.

Amnesty befragte für den Report insgesamt 148 Flüchtlinge zu ihrer Lage. Die Betroffenen saßen nach den Angaben in Abschiebelagern in Griechenland und Bulgarien oder hielten sich in der Türkei auf.

Griechenland, aber auch Spanien und Italien gelten als Einfallstore zur Europäischen Union. Immer wieder wagen Flüchtlinge vor allem aus afrikanischen Ländern die gefährliche Überfahrt.

fab/AFP/dpa

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