Amnesty-Bericht Dutzenden Jugendlichen in Iran droht die Hinrichtung

Iran will zurück auf den Weltmarkt: Präsident Rohani reist derzeit durch Europa und unterzeichnet Handelsverträge. Daheim droht Dutzenden jungen Menschen die Todesstrafe, meldet Amnesty International.

Irans Präsident Rohani: Auf Wirtschafts-Werbetour im Westen
REUTERS

Irans Präsident Rohani: Auf Wirtschafts-Werbetour im Westen


In einem 110 Seiten umfassenden Bericht erhebt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International schwere Vorwürfe gegen die Führung in Iran. Demnach droht dort Dutzenden Menschen die Hinrichtung, die bei ihrer Verurteilung noch keine 18 Jahre alt waren. Es handle sich um mindestens 49 Personen. Zahlreiche von ihnen warten laut Amnesty bereits seit Jahren auf die Vollstreckung der Todesurteile.

In dem Bericht wird auch ein Blick in die Vergangenheit geworfen: Demnach wurden in Iran zwischen 2005 und 2015 mindestens 73 jugendliche Straftäter getötet, darunter vier im vergangenen Jahr.

Iran ist eins der Länder mit den meisten Hinrichtungen. In den häufigsten Fällen wurden die Menschen wegen Drogenschmuggels zum Tode verurteilt, heißt es von Amnesty. Den 73 Jugendlichen, die in den vergangenen zehn Jahren hingerichtet wurden, sei hauptsächlich Mord vorgeworfen worden. Es habe jedoch auch Verurteilungen wegen Vergewaltigungen, Drogendelikten und Gefährdung der nationalen Sicherheit gegeben.

Zwar habe es in dem Land 2013 erste Reformen im Strafrecht für Jugendliche gegeben, schreibt die Menschenrechtsorganisation. "Doch Iran hinkt weltweit immer noch hinterher. Es hält an Gesetzen fest, wonach schon neunjährige Mädchen und 15-jährige Jungen zum Tode verurteilt werden können."

Mitte 2015 hatte Amnesty gemeldet, Iran habe in der ersten Jahreshälfte fast 700 Menschen hinrichten lassen - beinahe so viele wie im gesamten Vorjahr.

Milliardenschwere Wirtschaftsverträge mit Italien und Frankreich

Der Bericht von Amnesty steht in starkem Kontrast zum Versuch Teherans, nach der Aufhebung der internationalen Sanktionen auch auf den Weltmarkt zurückzukehren. Präsident Hassan Rohani unterzeichnete am Montagabend in Rom laut italienischen Regierungsvertretern Verträge im Wert von 17 Milliarden Euro unterzeichnet, darunter ein Abkommen mit dem Pipelinehersteller Saipem in Höhe von fünf Milliarden Euro.

Teheran gebe europäischen Investoren Zugang zur ganzen Region, warb Rohani nach einem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi. Er hoffe neben Investitionen italienischer Unternehmen auch auf die Unterzeichnung "wichtiger Verträge" mit den französischen Autobauern Peugeot und Renault. In Paris wird Rohani am Mittwoch mit Staatschef François Hollande zusammenkommen und Verträge zum Kauf von 114 Airbus-Flugzeugen unterzeichnen.

Doch zuvor wird Rohani noch im Vatikan von Papst Franziskus empfangen. Dabei könnte auch die Zahl der Hinrichtungen zur Sprache kommen. Protest ist bereits angekündigt.

aar/AP



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