Menschenrechtsbericht Amnesty wirft China mittelalterliche Foltermethoden vor

Wer in China von der Polizei festgenommen wird, muss auch im Jahre 2015 noch damit rechnen, gefoltert zu werden. Amnesty International beklagt, dass kein Ende der Quälerei in Sicht sei.

Wachmann vor Gefängnis in Peking (2012): Anwälte werden gefoltert
AP/dpa

Wachmann vor Gefängnis in Peking (2012): Anwälte werden gefoltert


China hat seit 2010 mehrfach Verbesserungen und Reformen des Justizsystems versprochen. Doch laut Amnesty International wird davon nur wenig umgesetzt. Bei den Verhören von Verdächtigen seien Folterungen noch immer an der Tagesordnung, kritisiert die Menschenrechtsorganisation in einem aktuellen Bericht.

Demnach schlagen die Schergen des Regimes die Verdächtigen, zwingen sie für lange Zeit in Handschellen und Fußfesseln, quälen sie mit Schlafentzug und verweigern ihnen Nahrung, Wasser und Medikamente. Eine weitere Foltermethode ist die sogenannte Tigerbank: Dabei wird das Opfer auf einer schmalen Holz- oder Eisenbank an Oberschenkeln und Knien festgebunden. Die Hände werden hinter dem Rücken gefesselt. In gewissen Abständen werden Bretter oder Ziegel unter die Füße geschoben bis die Beine des Häftlings überdehnt werden.

"Für die Polizei ist ein erpresstes Geständnis die einfachste Methode, um eine Verurteilung zu erreichen", sagt Patrick Poon, China-Experte bei Amnesty.

In dem Bericht mit dem Titel "Kein Ende in Sicht" analysiert Amnesty 590 Fälle, in denen chinesische Beamte der Folter beschuldigt werden. Zudem interviewte Amnesty chinesische Menschenrechtsanwälte, die Opfer von Folter wurden. "Welche Hoffnung sollen normale Angeklagte in einem System haben, in dem sogar Anwälte gefoltert werden?", fragte Poon bei der Vorstellung des Reports.

In diesem Jahr hatten chinesische Sicherheitsbehörden eine massive Kampagne gegen Menschenrechtsanwälte gestartet. Knapp 300 Anwälte und deren Mitarbeiter wurden festgenommen oder von der Polizei verhört.

Amnesty veröffentlichte seinen Bericht wenige Tage vor einem Treffen der Anti-Folter-Kommission der Vereinten Nationen. Das Gremium kommt in Genf zusammen, um zu untersuchen, ob China seinen Verpflichtungen gemäß der Uno-Anti-Folter-Konvention nachkommt.

syd/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.