Amnesty zu Burma "Vielzahl von Verbrechen gegen die Menschlichkeit"

Amnesty International hat die Menschenrechtsverletzungen gegen die muslimische Minderheit in Burma scharf kritisiert. Der Besuch eines ranghohen Uno-Offiziellen blieb unterdessen erfolglos.

Geflohene Rohingya in Bangladesch
AP

Geflohene Rohingya in Bangladesch


Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat in einem neuen Bericht zahlreiche Gräueltaten gegen die Angehörigen der Rohingya in Burma festgehalten. Der Bericht dokumentiere "detailliert eine Vielzahl von Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie Tötungen, Deportationen, Vertreibungen, Folter, Vergewaltigungen und sexualisierte Gewalt", sagte Anika Becher, Asien-Expertin bei Amnesty International in Deutschland.

Die Rohingya sind eine muslimische Minderheit in Burma. Die Regierung betrachtet sie als illegale Einwanderer und verweigert ihnen die Staatsbürgerschaft, obwohl viele von ihnen seit Generationen in dem überwiegend buddhistischen Land leben. In Folge von Angriffen radikaler Muslime gegen Polizeiposten war die Gewalt gegen die Rohingya vor wenigen Monaten eskaliert. Hunderttausende Menschen flohen daraufhin von Burma nach Bangladesch.

Amnesty warf den Sicherheitskräften in Burma die Fortsetzung einer "Gewaltkampagne gegen die Rohingya" vor und forderte die Regierung von Burma dazu auf, "der Uno-Mission und anderen unabhängigen Beobachtern unverzüglich uneingeschränkten Zugang zum Bundesstaat Rakhine zu gewähren", sagte Becher.

KARTE BURMA Rakhine Staat
SPIEGEL ONLINE

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Oberbefehlshaber Min Aung Hlaing müsse "dafür sorgen, dass seine Truppen keine weiteren Gräueltaten begehen". Die Verantwortlichen für Menschenrechtsverletzungen müssten vor Gericht gestellt werden.

Der Bericht "My World is Finished" basiert nach Angaben von Amnesty auf den Zeugenaussagen von mehr als 120 Männern und Frauen der Rohingya, die in den vergangenen Wochen nach Bangladesch geflohen sind, sowie auf 30 Interviews mit medizinischem Personal, Mitarbeitern von Hilfsorganisationen, Journalisten und Vertretern der Behörden in Bangladesch. Ihre Berichte seien durch die Analyse von Satellitenbildern und anderen Daten sowie Foto- und Videodokumenten aus Rakhine bestätigt worden.

Ranghoher Uno-Vertreter kehrt ohne Zusagen aus Burma zurück

Uno-Untergeneralsekretär Jeffrey Feltman ist unterdessen bei dem Versuch gescheitert, eine sichere Rückkehr der Rohingya-Flüchtlinge nach Burma zu erwirken und Helfern Zugang zur Rakhine-Provinz zu verschaffen. Bei seinem fünftägigen Besuch inspizierte Feltman Dutzende verbrannte und zerstörte Dörfer in der Rakhine-Provinz aus der Luft. Dort hatte Ende August die neue Gewaltwelle begonnen.

Außerdem sprach Feltman mit der De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi sowie mit General Min Aung Hlaing. Zusagen machte die Regierung bei dem Besuch aber nicht. Feltman habe in Gesprächen die Forderung von Uno-Generalsekretär António Guterres wiederholt, dass humanitäre Helfer ungehindert nach Rakhine gelassen werden müssten, sagte ein Uno-Sprecher.

Feltman habe zudem erneut gefordert, dass die mittlerweile 582.000 Flüchtlinge im benachbarten Bangladesch freiwillig, sicher und würdevoll in ihre Heimat zurückkehren können. Von Feltmans Besuch habe man sich aber keine "schnellen Erfolge" erhofft, sagte Dujarric. Die Diskussionen der Uno mit Burma dauerten an.

aev/AFP



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