Debatte nach Amoklauf: Amerika diskutiert über schärferes Waffengesetz

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Sind die laxen Waffengesetze in vielen US-Bundesstaaten mitverantwortlich für Bluttaten wie die in Newtown? Nach dem Amoklauf ist in Amerika die Debatte neu entbrannt. Viele Bürger fordern schärfere Regeln - doch die Waffenlobby wehrt sich mit teils kruden Argumenten.

Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule: Die Tragödie von Newtown Fotos
AP

Hamburg - Das Massaker von Newtown, Connecticut, erschüttert die USA. Die Amerikaner trauern um die Toten, Hunderte Menschen haben sich an diesem Samstag in der Kirche des Ortes versammelt. Sie suchen Trost, Nähe und Antworten. Und wie schon oft nach Amokläufen diskutiert das Land auch jetzt wieder über die beiden entscheidenden Fragen: Wie konnte das passieren? Können schärfere Waffengesetze solche Taten künftig verhindern?

Mit zwei Pistolen und einem halbautomatischen Sturmgewehr fuhr der Attentäter Adam Lanza zu der Sandy-Hook-Grundschule und tötete dort 20 Kinder und sechs Erwachsene. Alle Waffen wurden offenbar legal erworben und auf den Namen von Lanzas Mutter registriert. Auch sie wurde am Freitag zum Opfer ihres Sohnes (hier finden Sie die bisher bekannten Fakten zu dem Verbrechen und hier den Tathergang, wie Augenzeugen ihn schildern).

Die Debatte über die Waffengesetze ist nun wieder voll entbrannt. "Wie jung müssen die Opfer sein und wie viele Kinder müssen sterben, bevor wir die Verbreitung von Waffen in unserem Land und das Töten von Unschuldigen stoppen?", fragte Marian Wright Edelman, Präsidentin des US-Kinderschutzbundes Children's Defense Fund, in einem Kommentar für die "Huffington Post". Ihr Vorwurf: "Unschuldige werden getötet, weil wir Waffen mehr als Kinder schützen."

CNN-Moderator Piers Morgan brüllte in seiner Sendung am Freitagabend Ortszeit zwei Vertreter der US-Waffenlobby an: "Ich habe es satt, ständig zu hören, die beste Antwort auf solche Massaker seien mehr Waffen. Das ist doch nicht zu fassen! Da sind Kinder gestorben und Sie argumentieren immer noch so?"

Die Kongressabgeordnete Carolyn McCarthy will laut eigenen Angaben "ohne Rücksicht auf Verluste" in Washington auf Änderungen pochen. "Wenn das nicht die Menschen und unsere Politiker wachrüttelt, was dann?" Sie werde nicht mehr zurückweichen, zitiert die "New York Times" die Demokratin.

Mehr als 200 Millionen Schusswaffen in US-Privathaushalten

Die Fakten: Jedes Jahr sterben in den USA etwa 30.000 Menschen durch Schusswaffen. Knapp 60 Prozent davon sind Selbstmorde, 40 Prozent sind Tötungsdelikte. Weitaus mehr Bürger werden im eigenen Land erschossen als bei Kriegseinsätzen im Ausland, etwa in Afghanistan. Mehr als 200 Millionen Schusswaffen liegen in den US-Privathaushalten.

Die Befürworter schärferer Waffengesetze hoffen auf US-Präsident Barack Obama, der versprach, nun müsse gehandelt werden, "ohne Rücksicht auf Parteipolitik". New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg war das nicht genug. Er ist einer der profiliertesten Waffengegner der Nation und forderte entschiedene Schritte vom Weißen Haus und vom Kongress. Bereits am Freitagabend versammelten sich mehr als hundert Menschen in Washington und forderten ein härteres Vorgehen.

Die Waffenlobby National Rifle Association (NRA) ließ am Samstag lediglich verlauten, man werde das Massaker zurzeit nicht kommentieren. Doch die Befürworter laxer Waffengesetze rüsten auf. Der frühere republikanische Präsidentschaftsbewerber Mike Huckabee sagte im erzkonservativen Fox News, mit strengeren Gesetzen lasse sich ein derartiges "Blutbad" nicht verhindern - und untermauerte das mit eigenartigen Argumenten: Stattdessen brauche es mehr Glauben und Gott an Schulen. "Wir fragen uns, warum es Gewalt an den Schulen gibt, aber wir haben Gott systematisch aus unseren Schulen entfernt. Warum sollten wir überrascht sein, dass Schulen Ort eines solchen Massakers werden?"

Viele Amerikaner pochen auf den zweiten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten: "Das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, darf nicht beeinträchtigt werden."

"Massenmord ist schwieriger mit Messern"

Nach Amokläufen in den vergangenen Jahren ebbte die Diskussion um die stärkere Regulierung von Waffenbesitz nach zunächst heftigen Wortgefechten zwischen Befürwortern und Gegnern immer wieder ab - ohne größere Änderungen am Recht.

Die "Washington Post" schrieb bereits jetzt resigniert: "Ja, wir werden über Waffen streiten, oder eher darüber, warum unsere Politiker fast nicht über Waffen diskutieren." Doch es sei wichtig, angesichts der Tragödie von Newtown, über dieses Thema zu sprechen, denn "dieses Land würde sicherer sein, wenn es weniger Waffen gäbe, Massenmord ist schwieriger mit Messern, und es ist nicht der zweite Zusatz zur Verfassung, sondern politische Torheit, die vernünftige Regeln verhindert."

Als im Juli 2012 in einem Kino in Aurora im US-Bundesstaat Colorado ein Mann während der Premiere des neues "Batman"-Films zwölf Menschen umbrachte, führten die USA eine jener Debatten - bis sie im Nachrichtenstrom unterging.

Auch nach dem Attentat von Tucson, Arizona, im Januar 2011 sah sich die Waffenlobby nicht wirklich in der Defensive. "Nicht Waffen bringen Leute um", beharrte etwa der Tea-Party-Senator Rand Paul in seiner ersten Reaktion auf die Schüsse von Tucson. "Es ist das Individuum, das Leute umbringt." Sein Demokraten-Kollege Chris Coons stimmte ihm zu: Neue Waffengesetze hätten auch jetzt keine Priorität. Und so änderte sich schon damals nichts.

Für das Wahljahr 2012 hatte das Weiße Haus bereits ausgeschlossen, dass es schärfere Waffengesetze geben würde. Ob sich das jetzt ändern wird, wo Obama seine Wiederwahl gesichert hat und im Wahlkampf keine Waffenfans mehr verprellen kann?

Mit Material von dpa und Reuters

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26. April 2002: Erfurt
Bei einem Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt tötet der 19-jährige Schüler Robert Steinhäuser binnen zehn Minuten 16 Menschen und sich selbst. Unter den Toten sind zwölf Lehrer, die Schulsekretärin, zwei Schüler und ein Polizist. Steinhäuser war ein Jahr vor der Tat von der Schule verwiesen worden. Mehr auf der Themenseite...
27. März 2002: Nanterre, Frankreich
Im Pariser Vorort Nanterre erschießt ein Amokläufer acht Menschen. Anschließend springt er aus dem vierten Stock eines Polizeigebäudes in den Tod.
26. September 2001: Zug, Schweiz
Ein Amokläufer dringt in das Kantonsparlament im schweizerischen Zug ein und tötet 14 Menschen. Anschließend tötet er sich selbst.

8. Juni 2001: Osaka, Japan
Ein 37-jähriger Japaner ersticht in einer Grundschule in der japanischen Stadt Osaka acht Kinder und verletzt 20 weitere zum Teil schwer.
20. April 1999: Littleton/Colorado, USA
Beim Schulmassaker von Littleton stürmen die beiden Schüler Eric Harris und Dylan Klebold die Columbine Highschool in Littleton im US-Staat Colorado und ermorden dort zwölf Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren und einen Lehrer. 24 weitere Menschen werden verletzt, bevor sich die beiden Amokläufer selbst das Leben nehmen. Mehr auf der Themenseite...
24. März 1998: Jonesboro/Arkansas, USA
Ein elf- und ein 13-jähriger Schüler lösen an ihrer Schule in Jonesboro im US-Staat Arkansas falschen Feueralarm aus und richten aus dem Hinterhalt ein Blutbad an. Im Kugelhagel sterben vier Mädchen und eine Lehrerin.
22. Mai 1997: Brasilien
Im Nordosten Brasiliens bringt ein ehemaliger Soldat 17 Menschen um. Erst tötet er seine Frau und seine Schwiegermutter, dann geht der Amoklauf auf der Straße weiter. Grund der Tat: Gerüchte über seine angebliche Homosexualität .

28./29. April 1996: Tasmanien
35 Menschen fallen dem Amokläufer Martin Bryant auf der australischen Insel Tasmanien zum Opfer, darunter mehrere Kinder. In einem Café der ehemaligen Strafkolonie in Port Arthur schießt der geistig verwirrte Täter mit einem automatischen Schnellfeuergewehr auf die Gäste. Danach setzt er seinen Amoklauf auf der anderen Straßenseite fort.
13. März 1996: Dunblane, Schottland
Ein 43-jähriger Mann erschießt in der Turnhalle der Grundschule im schottischen Dunblane 16 Erstklässler und deren Lehrerin. Der Todesschütze begeht nach der Tat Selbstmord.
23./24. September 1995: Toulon, Frankreich
Ein 16-jähriger Schüler bringt nahe dem französischen Toulon insgesamt 13 Menschen um und tötet sich anschließend selbst. Erste Opfer am Abend des 23. September sind sein Stiefvater, sein Halbbruder und seine Mutter. Am nächsten Morgen setzt der Täter im Nachbarort seiner Heimatstadt den Amoklauf fort.
16. Oktober 1991: Killeen/Texas, USA
Im texanischen Killeen tötet ein Mann in einer Cafeteria 23 Menschen. Anschließend begeht er Selbstmord.
Dezember 1989: Montréal , Kanada
An der Polytechnischen Hochschule von Montréal kommt es zum schwersten Schulmassaker der kanadischen Geschichte. Der 25-jährige Marc Lépine erschießt 14 Frauen und verletzt 13 weitere Personen, bevor er sich selbst das Leben nimmt. In einem Schreiben nennt der Mann Hass auf Feministinnen als Motiv.
18. Juli 1984: Kalifornien, USA
In einem Schnellrestaurant in San Diego erschießt ein 41-Jähriger wahllos 21 Menschen. Er wird von einem Polizisten erschossen.
1. August 1966: Universität von Texas, USA
An der Universität von Texas schießt der Amokläufer Charles Whitman mehr als eine Stunde lang von einem Turm der Universität auf Passanten. Mindestens 17 Menschen werden getötet.
11. Juni 1964: Volkhoven bei Köln
Beim Attentat von Volkhoven bei Köln stürmt ein Wehrmachtsveteran eine Volksschule. Er fügt acht Kindern tödliche Verletzungen zu und ersticht zwei Lehrerinnen.


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