Gaza-Konflikt: Zwei Männer und eine letzte Chance auf Frieden

Eine Analyse von Susanne Koelbl

Im Nahen Osten sieht derzeit nichts nach Frieden aus. Israel und die palästinensische Hamas haben nur mit Mühe einen Waffenstillstand erreicht. Doch ausgerechnet zwei verfeindete Männer, Israels Premier Netanjahu und Hamas-Chef Maschaal, könnten womöglich den unerwarteten ersten Schritt tun.

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Hamas-Chef Maschaal: zu einem Frieden bereit?

Es gibt diese Momente, da flackert sie kurz noch einmal auf, die Hoffnung, dass es irgendwann Frieden geben könnte im Nahen Osten. So einer war Freitag, als der Chef der militanten Hamas, Chalid Maschaal, 45 Jahre nachdem er Palästina verlassen hatte, erstmals zurückkehrte in den Gaza-Streifen.

Erstaunlicher noch als seine Anwesenheit war vielleicht, dass Maschaal diesen angekündigten Besuch auch überlebte. Der israelische Geheimdienst Mossad hätte ihn ebenso wie den Hamas-Militärkommandeur von Gaza, Ahmed al-Dschabari, am 14. November mit einer Drohne ins Jenseits befördern können.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat offenbar mehr Interesse daran, dass der Hamas-Führer lebt und Maschaal ausreichend Grund, ihm dies zu glauben. "Es gibt eine neue Stimmung, in der Versöhnung möglich ist," sagte Maschaal vor seiner Abreise aus Katar. Das war zwar eher in Richtung der mit der Hamas zerstrittenen Palästinensischen Autonomiebehörde Fatah gerichtet, es hörte sich jedoch so an, als könnte nach dem jüngsten Waffenstillstands-Abkommen zwischen Israel und der Hamas sowie der Anerkennung Palästinas als "Beobachter-Staat" in den Vereinten Nationen auch sonst etwas in Bewegung kommen im Heiligen Land.

Netanjahu und Maschaal haben eine dramatische Vorgeschichte

Den mächtigsten Mann Israels, Netanjahu, und den radikalsten Widerstandkämpfer des besetzten Palästina, Maschaal, verbindet eine unglaubliche Geschichte und womöglich ist diese noch nicht zu Ende. 1997 hatte Netanjahu in seiner ersten Amtszeit die Tötung des damaligen Hamas-Chefs in Jordanien, Maschaal, befohlen. Zwei Mossad-Agenten überwältigten Maschaal am 25. September in Amman vor dessen Büro und drückten ihm einen Gegenstand mit tödlichem Gift an das linke Ohr - ein Vergeltungsanschlag für den Selbstmordanschlag der Hamas auf dem zentralen Markt Jerusalems, bei dem 16 Menschen gestorben und 179 Menschen verletzt worden waren.

Doch Maschaals Sicherheitskräfte überwältigten die flüchtigen Attentäter und König Hussein von Jordanien zwang Netanjahu mithilfe des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton, Mossad-Chef Danny Yatom mit dem Gegengift nach Amman zu schicken. So überlebte Maschaal.

Kann einer wie er, der seit 45 Jahren im Widerstand lebt und hasst, der nur mit knapper Not einem Gift-Anschlag entkam und seit 25 Jahren eine militante Gruppe führt, jemals Frieden schließen? Mit Netanjahu?

Ich traf Maschaal wenige Tage nach dem Wahlsieg der Hamas im Juni 2006 in Damaskus. Er lebte damals im Untergrund unter dem Schutz des Assad-Regimes. Dem Mossad gelang es dennoch immer wieder, damals Vertreter der Hamas in Damaskus zu töten. Das Büro lag versteckt in der Altstadt, eine mit schwarzen Vorhängen verhangene Limousine brachte das SPIEGEL-Team durch verwinkelte Gassen in Maschaals Hamas-Zentrale.

Neuausrichtung der Hamas sorgt für Hoffnung

Zwei Dinge blieben mir aus dieser Begegnung besonders in Erinnerung: Die Unerbittlichkeit, mit der Maschaal die Gewalt als legitimes Mittel gegen die Besatzung verteidigte und sein Beharren darauf, dass sie eine "Nationale Widerstandsbewegung" seien, die den Kampf sofort einstellte, wenn der Staat Palästina anerkannt sei, selbstverständlich in den Grenzen von 1967. Verhandlungen beginnen immer mit Maximalforderungen. Immerhin, die legitime Existenz Israels verneinte er nicht.

Ich hatte den Eindruck, dass dieser Mann, der einmal den Frieden gekannt hatte, wenn auch nur als 11-Jähriger, als er Palästina verlassen musste, am Ende doch zu einem Frieden bereit ist - anders als viele jüngere Kämpfer, die in Palästina geblieben waren, die im Kampf groß wurden und ihre Kinder im Hass erzogen, für die Krieg und Leben Synonyme geworden sind.

Die Ansicht, dass Maschaal womöglich einer der letzten Hardliner ist, mit denen sich Frieden machen lässt, diskutierte ich wenig später mit dem damaligen US-Botschafter in Berlin, William Timken, ein überzeugter "Bushianer". Timken meinte, die Begegnung mit Maschaal hätte mich zum "Stockholm-Syndrom-Opfer" werden lassen, Terroristen seien nie mit Verhandlungen, nur mit Stärke zu bezwingen.

Frieden wird auch bei historischen Gelegenheiten gemacht. So eine wäre jetzt: Die Hamas hat sich schon vor einiger Zeit von Assad abgewandt, auch das Zweck-Bündnis der Hamas mit Iran scheint nicht mehr all zu innig zu sein. Dafür gibt es jetzt neue, überraschend gute Kontakte mit der Türkei, dem wichtigen Nato-Verbündeten, der schon eine entscheidende Rolle beim Waffenstillstand zwischen Israel und Hamas spielte. Am Ende hängt der Frieden an Persönlichkeiten, die etwas wagen, das größer ist als ihre eigene politische Zukunft. Zwei Hardliner, der eine, Maschaal, 56 Jahre, der andere, Netanjahu, 63 Jahre, beide am Ende ihrer Karrieren, mit einer gemeinsamen Geschichte auf Leben und Tod, könnten das.

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insgesamt 33 Beiträge
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1. frieden kann es nicht geben
heidi1-preiss 07.12.2012
Zitat von sysopIm Nahen Osten sieht derzeit nichts nach Frieden aus. Israel und die palästinensische Hamas haben nur mit Mühe einen Waffenstillstand erreicht. Doch ausgerechnet zwei verfeindete Männer, Israels Premier Netanjahu und Hamas-Chef Maschaal, könnten womöglich den unerwarteten ersten Schritt tun. Analyse: Netanjahu und Maschaal könnten Frieden in Nahost bringen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/analyse-netanjahu-und-maschaal-koennten-frieden-in-nahost-bringen-a-871689.html)
die durch netanjahus angekündigten siedlungsbau und die folgenden trotzigen äußerungen geförderte zuspitzung der lage in israel/palestina hat zu reaktionen westlicher staaten geführt. das ist aber doch schon seit vielen jahren nichts als maskerade und heuchelei, denn wirksame sanktionen sind ja nicht erfolgt. netanjahu würde niemals eine solche brüskierung der internationalen gemeinschaft wagen, wenn nicht zwei von der israellobby gesteuerte mächtige staaten hinter ihm stehen würden: die usa und deutschland. israel ist ein wichtiger brückenkopf im nahen osten, da drückt man nur allzu gerne ein auge zu. natanjahus ankündigungen zeigt im übrigen keine überraschende trotzhaltung sondern führen das seit jahrzehnten bestens dokumentierte programm des zionismus konsequent weiter, ganz palästina, wenn möglich ohne palästinenser.
2. Waffenstillstand ist kein Frieden
jochen1978 07.12.2012
1) Auch Israel muss sich -auf US-amerikanischen Druck hin - an den Waffenstillstand halten und kann den nicht einfach gezielt töten. 2) Die Grenzen von 1967 sind für Israel nicht akzeptabel bei 500.000 jüdischen Einwohnern im Westjordanland. 3) Man bräuchte für die Palästinenser eine eigene Straße von Gaza in die Westbank - wer soll die bauen? 4) Wann dürfen die Palästinenser mal wieder frei wählen? "Präsident" Abbas amtiert seit 2005. Da sind seit 2 Jahren Wahlen überfällig. Kurz um: Frieden ist möglich, aber erst wenn die nächste Generation an der Macht ist, also in etwa 15-20 Jahren.
3. Aha.
ip- 07.12.2012
Zitat von sysopIm Nahen Osten sieht derzeit nichts nach Frieden aus. Israel und die palästinensische Hamas haben nur mit Mühe einen Waffenstillstand erreicht. Doch ausgerechnet zwei verfeindete Männer, Israels Premier Netanjahu und Hamas-Chef Maschaal, könnten womöglich den unerwarteten ersten Schritt tun. Analyse: Netanjahu und Maschaal könnten Frieden in Nahost bringen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/analyse-netanjahu-und-maschaal-koennten-frieden-in-nahost-bringen-a-871689.html)
Sehr oberflächlicher Artikel. Zunächsteinmal hinkt der Vergleich zwischen den zwei Männern gewaltig, in etwa so wie der Vergleich zwischen Osama bin Laden und Merkel hinken würde, egal was man von Frau Merkel hält. Zweitens gibt es nicht den geringsten Anlass zu glauben, dass sich faschistische Terrorgruppen wie die Hamas von der Gewalt absagen. Ihre ganze Existenz ist einzig und allein dem Kampf gegen Israel gewidmet. Leider ist dieser Artikel nichts weiter als Wunschdenken und viel zu oberflächlich für einen so komplizierten Konflikt wie dem in Nahost. Stattdessen iwrd es ganz anders kommen, und zwar viel schlimmer als man denkt. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein arabischer Krieg gegen Israel wieder mal in Mode kommen wird in ein paar Jahren.
4. optional
yournightmare 07.12.2012
Wenn dieser Mann Chef der Hamas ist, dann braucht er nicht explizit zu erwähnen, dass er Israels Existenzrecht nicht anerkennt. Das ist auch so klar. Du kannst kein Chef der Hamas sein, wenn du dein oberstes Ziel nicht die Vernichtung Israels ist.
5. Hamas schadet den Palästinensern
meisterraro 08.12.2012
Was haben die von Hamas oder 'islamischem Jihad' mit ihren Raketen bisher erreicht? Sie schaden sich selbst mit ihrem unsinnigen bewaffneten "Widerstand". Statt Raketen nach Israel zu feuern, wäre es in ihrem Interesse, staatliche Strukturen, Institutionen und eine leistungsfähige Wirtschaft aufzubauen. Das würde sie ihrem Ziel eines eigenen Staates näher bringen. Doch stattdessen halten sie hasserfüllte und hetzerische Reden und schießen Raketen. Mit ihrem Kurs des "Widerstands" schaden sie sich selbst und es bleibt ein Rätsel, warum die das nicht endlich einsehen.
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